vor 9 Stunden
Forward muss nach Philadelphia
Nach zehn Jahren haben die Boston Celtics Jaylen Brown zu den Philadelphia 76ers getradet. Es ist ein Trade, der viele Fragezeichen hinterlässt und so einseitig erscheint, wie man es zuletzt beim Trade von Luka Doncic gesehen hat. Eine Suche nach Gründen.

Wo sollen wir an dieser Stelle anfangen? Vielleicht so: Jaylen Brown ist nicht mehr Spieler der Boston Celtics. 2016 von eben jenem Team gedraftet, über zehn Jahre ein Eckpfeiler der Franchise, Finals-MVP 2024 und ein All-NBA-Second-Team-Spieler aus der Vorsaison. Jener Brown, der über Jahre als Trade-Kandidat gesehen wurde, dann aber half, dass Boston den ersten Titel seit 16 Jahren feiern konnte.
"Break up the Jays" war zwischen 2020 und 2024 immer wieder zu hören, wenn Boston in Spielen enttäuschte, Playoff-Serien unnötig verlängerte oder eben ganz verlor. Im Vorjahr spielte Brown dagegen seine beste Saison - ausgerechnet, als Jayson Tatum den Großteil wegen eines Achillessehnenrisses pausieren musste. Zu den Playoffs war Tatum wieder da, verletzte sich aber erneut und 2-Seed Boston unterlag in sieben Spielen gegen die Philadelphia 76ers.
| Celtics erhalten | Sixers erhalten |
|---|---|
| Paul George | Jaylen Brown |
| Erstrundenpick 2031 | - |
| Pick-Swap 2028 | - |
| 2 Zweitrundenpicks (2028, 2030) | - |
Es kostete Philadelphia lediglich einen ungeschützten Erstrundenpick, einen Pick-Swap, zwei Zweitrundenpicks und Paul George (36), der einen der schlechtesten Verträge der kompletten NBA besitzt. Daher die berechtigte Frage: Warum dieser Deal? Warum nicht warten? Warum überhaupt versuchen, einen Superstar abzustoßen?
Zunächst sei gesagt, dass Celtics-Präsident Brad Stevens nicht Nico Harrison ist. Der ehemalige Celtics-Coach gilt als besonnen und cleverer Dealmaker, in den vergangenen Jahren machte Stevens viele Dinge richtig und sorgte auch dafür, dass Boston nach der Meisterschaft relevant blieb, obwohl die Celtics massive Einschnitte im Kader vornehmen mussten, weil das Team schlichtweg zu teuer war.
Ein Grund dafür war auch Brown, der 2023 den zu der Zeit größten Vertrag der NBA-Geschichte unterschrieb, obwohl er damals eher unter den besten 20-25 Spielern der Liga als unter den besten Fünf gesehen wurde. In seinem letzten Vertragsjahr, 2028/29, stehen Brown 65 Millionen Dollar zu, diese zahlen nun die Sixers.

Der Markt für Brown war dann wohl doch nicht so groß wie gedacht. Es zeigt den Trend, dass Teams immer vorsichtiger werden für Spieler mit riesigen Verträgen zu traden, die nicht eine todsichere erste Option sind. Kann Brown die erste Option eines Champions sein? Schwierig (er war es auch 2024 nicht). Ist Brown eine gute zweite Option? Auf jeden Fall, dafür aber so teuer, dass es schwer wird, den Kader dann entsprechend aufzufüllen. Außerdem: 57 Millionen, so viel kassiert Brown in dieser Saison, muss man erst einmal zusammenkratzen, um einen Trade passend zu machen.
Die Sixers konnten es, weil sie eben noch PG-13 hatten, der aber in dieser Phase seiner Karriere kein Star mehr ist, dafür aber in der Theorie ein herausragender Rollenspieler sein kann, wenn er fit ist. Vermutlich werden die Celtics auch ohne Brown 50 Spiele gewinnen, nur ihr Potenzial ist eben nicht mehr ganz so groß wie noch in den vergangenen Jahren.
Dennoch müssen sich die Celtics Kritik gefallen lassen, wie sie mit der Personalie Brown umgingen. Über all die Jahre gab es immer wieder Trade-Gerüchte (Kevin Durant!), zuletzt rund um Giannis Antetokounmpo. Wie nah die Celtics an einem Deal waren, weiß man nicht, es scheint aber die Beziehung zu Brown so sehr beschädigt haben, dass Boston sogar so einen Trade annahm.
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Brown ist kein perfekter Spieler, das ist auch klar. Aber: 29 Punkte im Schnitt schaffen nur die wenigsten, dazu ist er ein guter Verteidiger und kann jederzeit für sich selbst etwas kreieren. Seine linke Hand, stets ein Kritikpunkt, ist besser geworden, dennoch bleibt er anfällig für Ballverluste. Trotzdem war es vor allem ihm zu verdanken, dass Boston ein Top-Team blieb, als Tatum fehlte.
George wird Brown nun Eins-zu-Eins ersetzen, auch wenn Brown inzwischen der deutlich bessere Spieler ist. Die Celtics übertragen damit mehr Verantwortung auf die Schultern von Tatum oder auch Derrick White, bei dem jedoch mit 32 Jahren gerade im Angriff erste Verschleißerscheinungen zu bemerken waren.
Auf dem Papier werden die Celtics also schlechter, Probleme mit dem Salary Cap können auch nicht als Grund herhalten. Es kann also nur interne Schwierigkeiten gegeben haben, welche die Celtics veranlassten, dass man nicht warten konnte oder mit Brown in die neue Saison gehen wolle.
| PG | SG | SF | PF | C |
|---|---|---|---|---|
| D. White | P. George | S. Hauser | J. Tatum | M. Robinson |
| M. Conley | P. Pritchard | B. Scheierman | H. Gonzalez | N. Queta |
| D. Banton | R. Harper Jr. | J. Walsh | - | L. Garza |
So bleibt ein Trade, der zwar nicht Luka-Doncic-Dimensionen hat, dennoch aber für viel Stirnrunzeln sorgte. Brown ist ein stolzer Spieler, er vertritt klare Meinungen, die oft nicht dem Konsens entsprechen. Er kritisierte Nike harsch, nutzte seine Streams immer wieder für unpopuläre Meinungen und sorgte so nicht selten für Unruhe.
Völlig egal, ob diese richtig oder falsch waren, die Celtics entschieden hier wohl, dass sie hier auf einer tickenden Zeitbombe saßen. Anders ist der Deal nicht zu erklären, denn in einem Vakuum ist das ein Trade, der der Note 6 in Sachen Entstehung und Umsetzung gefährlich nahekommt.
Robert Arndt