28.01.2026
Niederlagenserie im Januar
Über einen Großteil des Januars stolperten die New York Knicks durch die Liga, verloren zwischenzeitlich neun von elf Spielen. Trotz zuletzt dreier Siege gibt es Anzeichen, dass die Knicks fundamentalere Probleme plagen. Selbst ein großer Trade scheint nicht mehr ganz ausgeschlossen.

James Dolan war sich eigentlich sicher. "Schaut, wir wollen die Finals erreichen", sagte der Besitzer der Knicks WFAN Sports Radio. "Und wir sollten die Finals gewinnen, richtig? Im Sport kann alles passieren, aber die Finals erreichen - das muss uns gelingen." Dolan sprach seine Worte am 5. Januar. Wenige Wochen zuvor hatten die Knicks mit dem NBA-Cup den ersten Titel seit 1973 gewonnen und waren dem Pokalfluch danach scheinbar entkommen. Wie schnell sich die Dinge ändern können.
Nachdem sie zuvor bereits den Spurs, Hawks und Sixers unterlegen waren, verloren die Knicks am Tag nach Dolans Interview mit 31 in Detroit. Ausgerechnet in Detroit. Die Pistons stehen dort, wo die Knicks laut Selbstverständnis eigentlich stehen müssten: an der Spitze eines Ostens, der nach den Problemen der Cavs, Jayson Tatums Achillessehnenriss und angesichts der Abwärtsspirale der Bucks eigentlich ihrer sein sollte. Der es aber längst nicht mehr ist.
Seit Jahresbeginn verlor New York neun Mal. Siege gelangen nur fünf. Mit einer Bilanz von 28-18 sind die Knicks dem Play-in (Miami steht mit 25-22 auf Rang sieben) derzeit näher als den Pistons auf Rang eins (34-11). Einschätzungen bewegen sich in solchen Momenten gewöhnlich zwischen Fatalismus und Hoffnung, es möge alles nur eine Delle sein, die sich auch irgendwie erklären ließe. Wo pendeln sich die Knicks also ein?
Tatsächlich hoffte die Franchise, Josh Harts Rückkehr könne helfen. New Yorks vielleicht wichtigster, weil vielseitigster Rollenspieler - Hart stopft multiple Lücken, reboundet als Guard, verteidigt, pusht das Tempo, attackiert die Zone - hatte sich am Christmas Day gegen Cleveland am Knöchel verletzt. Es folgten fünf Niederlagen und drei Siege. Als Hart gegen Portland zurückkehrte, gewannen die Knicks direkt. Kehrtwende? Es scheint, als lägen die Probleme tiefer.
Karl-Anthony Towns’ Zug zum Korb endet in einem Ballverlust. KAT fällt, DeMar DeRozan läuft den Fastbreak. Wenig später steigt Russell Westbrook aus der Ecke frei zum Dreier hoch. Als der Ball auf den klatscht, tippt ihn Hart Richtung Dreierlinie. Die Knicks haben die Chance auf den Ball. Wären sie doch nur zu fünft. Binnen einer ganzen Possession hat es Towns noch nicht zur Mittellinie geschafft. Statt zu KAT fliegt der Ball erneut zu Westbrook. Diesmal sitzt der Eckendreier.
"Wenn du hinfällst, musst du aufstehen und das Feld hinuntersprinten", sagte Coach Mike Brown nach dem Spiel in Sacramento. "Auch wenn du als letzter ankommst, musst du ankommen, weil es die Chance auf einen langen Rebound gibt. Aber da war keine Dringlichkeit." Es sei nicht das einzige Play des Spiels gewesen, in dem Brown den nötigen Antrieb vermisste. Sie hätten den Spielzug aber während der Halbzeit angesehen "und er hatte nicht mal die Mittellinie überquert. Das fasst unsere Nacht ziemlich gut zusammen."

Tatsächlich hatten die Knicks, deren Besitzer fest daran glaubt, "dass dieses Team eine Meisterschaft gewinnen kann", bei den Kings, die über die ganze Saison mittlerweile zwölf Spiele gewonnen haben, keinerlei Chance. Towns herauszuheben, fällt angesichts des Plays leicht. Zu leicht. Die Probleme an einem einzigen festzumachen, wäre weder fair noch zielführend. Gleichzeitig läuft es bei KAT individuell tatsächlich nicht.
Im Januar kommt Towns auf durchschnittlich 16,7 Punke bei 43,4 Prozent aus dem Feld und 36 Prozent von der Dreierlinie, dazu leistet er sich 3 Ballverluste. KAT hat Schwierigkeiten in Browns System, das auf viel Zug in die Zone und Pässen nach draußen an die Dreierlinie baut, um Defenses ins Wanken zu bringen. Unter ihrem neuen Coach sollen die Knicks sich und den Ball mehr bewegen, schnellere Entscheidungen treffen. Nicht, dass Towns dazu nicht im Stande wäre. Nur funktioniert es derzeit nicht.
Gleiches gilt für das Lineup mit zwei Bigs, mit KAT und Mitchell Robinson. Bis Weihnachten hatten die Knicks mit den beiden ein Defensive Rating von 87,8: herausragend. Gut verteidigen können sie derzeit nur noch, wenn Robinson als einziger Großer auf dem Feld steht. Was keinesfalls an Towns allein liegt.
"Unser Einsatz, unsere Intensität… wir waren tot", sagte Hart nach dem Kings-Spiel. Es hätte ein Wachrüttler sein können. Stattdessen gestatteten die Knicks den Mavs, nicht gerade für ihre explosive Offense gefürchtet, am Marin Luther King Day eine kleine Scoring-Lawine. "Sie machen in der ersten Halbzeit 75 Punkte", ärgerte sich Brown danach. "In der Halbzeit zeigen wir normalerweise Clips und schauen auf die Grundlagen […]. Diesmal gab es zur Halbzeit nichts zu sagen, als „Konzentriert euch und macht euren f****** Job."
Der Coach war frustriert. Zurecht. Das Team befand sich in einer Negativspirale, die noch verstärkt wurde durch den Eindruck vieler Beobachtender, atmosphärisch passe es in der Kabine nicht ganz. Das wiederum kann den mangelnden Einsatz erklären; oder wenigstens als Ansatz dienen. Irgendetwas scheint nicht zu stimmen. Vorne wie hinten.
Die Defense wirkte über die vergangenen Wochen häufig, als wollte sich keiner zu sehr verausgaben. Und so gestattet die Knicks den fatalen Cocktail aus vielen Abschlüssen am Ring und offenen Dreiern. Dass sie den Ball selbst immer wieder wegschmissen, setzte die Defense zusätzlich unter Druck. Gegen die Mavs erlaubte New York allein in der ersten Halbzeit 27 Fastbreak-Punkte. Waren über die ersten Saisonmonate in dieser Kategorie nur neun Teams besser, gestatteten über die zehn Spiele vor den Siegen gegen Brooklyn, Philadelphia und Sacramento nur drei mehr als die Knicks.

Offensiv sah es während der vergangenen Wochen nicht viel besser aus. Vor allem das Spiel aus Zug in die Zone und Pass nach draußen funktionierte zuletzt immer seltener. Vor Saisonbeginn hatte Brown gesagt, dass er pro Spiel 20 solcher Aktionen sehen wolle. The Athletic-Analyst Fred Katz ermittelte kürzlich, dass das während der ersten 20 Spiele zwölf Mal gelang. In den 24 danach nur noch sechs Mal.
Dabei wäre es so wichtig. Bewegen sich die Knicks viel und attackieren, bringen sie Defenses in Bewegung. Gute Wurfgelegenheiten entstehen. Zuletzt mussten sie dagegen häufig enger verteidigt hochgehen.
Woran es genau liegt, lässt sich schwer sagen. Stimmt alles - oder wenigstens vieles -, sind die Knicks ein sehr gutes Basketballteam. Eines, das offensiv heißlaufen und verteidigen kann, das immer wieder Offensivrebounds holt. Gleichzeitig gibt es Lücken. Brunson ist defensiv ebenso angreifbar wie Towns. Das erschwert die Arbeit der anderen. Zumal ein Ringbeschützer fehlt, wenn Robinson nicht auf dem Feld steht. Einsatz und eine klare Linie können das dank des Talents ausgleichen. Im Januar funktionierte beides zu selten.
Womöglich markieren die Siege gegen die Nets, Sixers und Kings auch einen Wendepunkt. Dass die Knicks dabei zwei der schwächsten Teams der Liga besiegten, muss nach den vergangenen Wochen kein Gefühl der Selbstverständlichkeit auslösen. Zumal New York Brooklyn unter 70, Sacramento unter 90 Punkten und die Sixers im dritten Viertel bei 13 Zählern hielt. Die Defense funktionierte wieder besser; was auch daran liegen könnte, dass Brown Towns während der drei Spiele durchschnittlich nur 21 Minuten gab.
Als Philadelphia in den finalen fünf Minuten einen 17-Punkte-Vorsprung zu kippen drohte, vertraute New Yorks Coach Robinson, am Ende einem kleinen Lineup mit drei Guards (Brunson, Miles McBride, Landry Shamet) und ohne echten Center. OG Anunoby bearbeitete Joel Embiid, scorte vorne nach Rebound per Dunk und aus der Ecke, ehe Shamet den Vorsprung, ebenfalls via Eckendreier, auf acht Zähler ausbaute. Philly kam noch einmal heran, doch die Knicks klammerten sich an den Sieg.
Ist alles wieder in Ordnung? Tut sich bis zur Deadline trotz des kleinen Turneraround etwas? Gerüchte gibt es. Auch um Towns. Zwar vertrat Team Präsident Leon Rose als Agent einst KAT, fallen lassen dürften die Knicks ihren Center also nicht einfach so, laut Liga-Insider Marc Stein testen sie derzeit dennoch, was andere Teams anböten, sollten sie Towns doch traden.
Zudem schwebt weiter die Vision Giannis Antetokounmpo durch den Garden. Nur ist der Grieche erst einmal verletzt. Bis er zurückkehrt, erscheint die Eingewöhnungszeit zwischen Ende Februar und Playoffstart Mitte April sehr kurz. Vor allem haben Franchises im Sommer mehr Flexibilität, können mehr Spieler in ihren Kader aufnehmen und weitere Draft-Picks traden. Das könnte auch den Knicks helfen, die mangels Picks und wegen Salary-Cap-Restriktionen ohne weiteres Team wohl kein Angebot schnüren könnten, das Milwaukee überzeugt.
Womöglich begnügt sich New York daher mit kleineren Deals - Jose Alvarado, der defensiven Druck am Ball bringen und damit eine essenzielle Lücke komprimieren könnte, soll weiter ein Kandidat sein - und hofft, dass das Team seinen gemeinsamen Nenner neu entdeckt hat, das Spiel von Brown wieder mehr verinnerlicht und auch den defensiven Einsatz zurückbringt. Ob die Knicks dann wirklich die Meisterschaft gewinnen können, ist eine andere Frage…
Max Marbeiter