13.06.2025
Backup-Guard brilliert in Spiel 3
T.J. McConnell war einer der Helden von Spiel 3 für die Indiana Pacers. Der kleine Guard ist in Indy ein Publikumsliebling, auch weil er aussieht wie einer von ihnen und seinen Limitationen immer wieder trotzt.

Die Euphorie über das erste Final-Spiel seit 25 Jahren in Indiana schwand ein wenig nach einem dominanten ersten Viertel der Oklahoma City Thunder, welches diese mit 32:24 gewannen. Indy brauchte eine Initialzündung und sie bekamen sie von T.J. McConnell, der in dieser Serie bislang kaum Einfluss nehmen konnte.
Spiel 3 war dagegen ein klassisches McConnell-Spiel, in dem all seinen Stärken trotz offensichtlicher Limitationen ersichtlich waren. Innerhalb kürzester Zeit klaute der Spielmacher gleich zweimal einen Einwurf der Thunder und initiierte in nicht einmal vier Minuten einen 13:4-Lauf, in welchem er vier Assists, drei Steals und zwei Punkte verbuchte.
"Er ist jemand, der dein Team mitreißt", lobte Coach Rick Carlisle und auch Tyrese Haliburton stimmte zu: "Er ist so unfassbar viel Energie. Das Publikum liebt ihn dafür. Wir witzeln oft darüber und ich nenne ihn deswegen die 'große, weiße Hoffnung.'" Am Ende standen zehn Punkte, fünf Assists und fünf Steals in gerade einmal 15 Minuten, solche Zahlen hatte in den Finals noch nie ein Reservist aufgelegt.
Doch genau in dieser Rolle fühlt sich der 33-Jährige wohl. McConnell ist kein Starter, dafür ist er in seinem Handeln zu sehr eingeschränkt. Der Spielmacher ist kein guter (Distanz-)Schütze, die Offense muss im Prinzip ständig über ihn laufen, da er abseits des Balles nur bedingt respektiert wird. Dazu ist er mit offiziell 1,85 Meter der kleinste Spieler in diesen Finals.
Wett macht er dies mit maximalem Einsatz. In seinen limitierten Minuten übt McConnell über die knapp 30 Meter stets vollen Druck auf den Ballführenden aus und passt somit ideal in das Konzept der Pacers, die über 48 Minuten ihre Gegner mürbe machen wollen. McConnell kratzt, beißt und würde es eine Statistik für die meisten Backcourt-Steals in der vergangenen Dekade geben, würde er sie wahrscheinlich mit großen Abstand anführen. Nicht umsonst gibt es sogar ein YouTube-Video aus dem Februar 2021, in dem alle seine bis dato 54 Backcourt-Steals gezeigt werden.

Gegen OKC kamen drei weitere hinzu, zweimal führte es zu Punkten für die Pacers. Darunter war auch einer gegen Alex Caruso zum Ausgleich im vierten Viertel bei noch knapp neun Minuten auf der Uhr. Als der Thunder-Guard nach einem Einwurf das Spiel schnell machen wollte, sprang McConnell blitzschnell hoch, fing den Ball und legte ihn mühelos in den Korb. "In einer Serie entscheiden Kleinigkeiten. Er hat heute konstant geliefert und ein Hustle Play nach dem anderen gemacht. So etwas reißt eine Mannschaft mit", lobte Haliburton.
Das gelingt auch in limitierten Minuten. In seiner Karriere stand McConnell für die Philadelphia 76ers und die Pacers durchschnittlich nur 21 Minuten auf dem Feld, nie waren es mehr als 26. Doch aus dieser Einsatzzeit macht er das Beste. McConnell besitzt neben seiner defensiven Galligkeit einen sicheren Sprungwurf aus der Mitteldistanz, dazu erinnern seine Dribblings durch die Defense bisweilen an Steve Nash.
Die Brillanz des Kanadiers besitzt McConnell natürlich nicht, doch sein Spiel ist ähnlich old school und passt eher in frühere Zeiten als in den modernen Basketball. Doch was heißt das schon? Gute Basketballer, die Winning Plays liefern, werden immer spielen - trotz gewissen Limitationen und auch in den NBA Finals. McConnell ist dafür der beste Beweis, selbst wenn Spiel 3 womöglich sein Peak in dieser Serie war.
Robert Arndt