29.10.2025
"Einer der besten Spieler, die ich jemals trainiert habe"
Nach zwei Monate stand Johannes Voigtmann am Dienstagabend erstmals wieder auf dem Basketballfeld - und hatte direkt großen Anteil am Comeback-Sieg seiner Bayern. Trainer Gordon Herbert war im Anschluss Voll des Lobes für den Routinier. Dieser reagierte mit Humor.

Bereits unter der Woche, als die Verpflichtung von NBA-Star Spencer Dinwiddie publik wurde, zog Herbert einen Vergleich zu Voigtmann. Der deutsche Nationalspieler sei "mindestens genauso" wertvoll für die Mannschaft. Nach dem Spiel gegen Real Madrid, bei dem Voigtmann sein Comeback nach zweimonatiger Verletzungspause gab, legte der Kanadier nochmal nach.
"Er bringt uns all diese immateriellen Werte - in der Kabine, auf dem Parkett", sagte er und schob hinterher: "Er ist zweifellos eine der besten Spieler, die ich je trainiert habe - sowohl menschlich als auch sportlich."
Später auf die Aussage angesprochen lachte Voigtmann laut auf: "Das Lob nehme ich natürlich gerne an. Aber da hat vielleicht die Emotion des Sieges aus ihm gesprochen."
In der Tat stand der 33-Jährige bei seinem Comeback nur rund 14 Minuten auf dem Parkett und erzielte dabei überschaubare drei Punkte. Der reine sportliche Wert Voigtmanns geht allerdings über jene Statistiken hinaus.

Zuletzt bereitete den Bayern des Öfteren die fehlende Breite im Spiel Probleme. Gabriel, Kratzer und McCormack sind zwar unterschiedliche, aber offensiv durchaus ähnliche Spielerytpen. Voigtmann hingegen verschafft den Münchnern mit seinem soliden Distanzwurf eine Variabilität, die man zuletzt vermisste. So geschehen nach nur 20 Sekunden beim Sieg gegen Real Madrid. Noch im ersten Ballbesitz drückte der Center aus der Distanz ab und versenkte den Wurf erfolgreich.
Trotz guter Anfangsphase mitsamt 10:0-Lauf liefen die Münchner bereits im zweiten Viertel einem deutlichen Rückstand hinterher. Im letzten Angriff vor der Pause versenkte Jessup einen Dreier und verkürzte den Rückstand auf -13. "Das hat enorm geholfen", erklärte Voigtmann. "Das klingt ganz anders. Bei -13 sagst du dir, 'das ist fast einstelliger Bereich', -16 sind schon fast 20 Punkte."
Viel wichtiger sei allerdings gewesen, in welcher Art und Weise seine Mannschaft anschließend aus den Kabinen gekommen sei. "Wir haben wieder viel Intensität in der Verteidigung gehabt, und wenn du gut verteidigst und einfache Bälle gewinnst, kannst du auch schneller spielen."
Im Vergleich zur vergangenen Saison, in der das Team von guten Einzelspielern noch mehr profitiert habe, sei nun das Kollektiv umso mehr gefragt, so Voigtmann. Individuell dürften die Münchner in den kommenden Tagen allerdings nochmal einen Schritt nach vorn machen.
"Wir brauchen Spieler, die den Ball reinschmeißen können. In der EuroLeague musst du offensiv was leisten können - da kann er extrem helfen", erklärt Routinier Voigtmann über Dinwiddie.
Dieser war am Dienstag in München angekommen. Am Mittwoch soll er sich medizinischen Tests unterziehen und erste Trainingseinblicke erhalten. Ob er dann bereits am Donnerstag in der EuroLeague gegen Bologna zum Einsatz kommen könnte, ist allerdings fraglich. "Es ist der Plan, es zu versuchen", schürte Cheftrainer Gordon Herbert bereits Hoffnungen.
Julius Ostendorf