24.10.2025
Überraschender Wechsel aus der NBA
Dieser Transfer schlug ein wie eine Bombe. Spencer Dinwiddie wechselt zum FC Bayern München. Es ist genau der Spielertyp, den die Bayern brauchen, auch wenn dessen Vergangenheit etwas kompliziert daherkommt.

Derrick Williams, Greg Monroe, Serge Ibaka - und nun Spencer Dinwiddie. Der FC Bayern München hat erneut einen erfahrenen und gestandenen NBA-Spieler nach Europa geholt, es ist einer der größten Transfers der letzten Jahre - europaweit. Denn: Der Guard spielte noch in der vergangenen Saison eine gute Rolle bei den Dallas Mavericks. Der 32-Jährige war dort ein Komplementärspieler für die Stars wie Luka Doncic und Kyrie Irving, dennoch gab es auch Phasen, in denen er der Chef auf dem Feld war, vor allem mit der Second Unit.
Genau solch einen Spielertyp benötigen die Bayern nach dem Abgang von Carsen Edwards, da weder Kamar Baldwin noch Xavier Rathan-Mayes vollends überzeugen konnten. "Spencer ist ein elektrisierender Spieler, er kann scoren und für andere kreieren und hatte große Jahre in der NBA", freute sich Coach Gordon Herbert, der Dinwiddie noch aus seiner Zeit als Berater in Brooklyn kennt.
| Zeitraum | Team |
|---|---|
| 2014-2016 | Detroit Pistons |
| 2016-2021 | Brooklyn Nets |
| 2021-2022 | Washington Wizards |
| 2022-2023 | Dallas Mavericks |
| 2023-2024 | Brooklyn Nets |
| 2024 | Los Angeles Lakers |
| 2024-25 | Dallas Mavericks |
Dort hatte der heute 32-Jährige auch seine besten Jahre, als er 2019 und 2020 erst 17 und dann über 20 Punkte im Schnitt auflegte. Es folgte ein Bruch, als sich der Guard zum zweiten Mal das Kreuzband riss (auf dem College bedrohte die gleiche Verletzung sogar seine Karriere). In der Folge fehlten ein paar Prozentpunkte Athletik, was früher einen großen Teil seines Spiels ausmachte.
Dennoch ist Dinwiddie weiter ein starker Isolation-Spieler, mit knapp zwei Metern überragt er die meisten seiner Gegenspieler, dazu kommt der noch immer bullige Körper. Sieben Freiwürfe pro Spiel zog Dinwiddie in seiner Hochzeit, gleichzeitig kann er aber auch mit seinen Drives für andere kreieren und versteht die Symmetrie des Feldes.
Allerdings war Dinwiddies Ruf in der NBA nicht der beste, da er sowohl in Washington als auch in Brooklyn (bei seinem zweiten Stint) durch eine gewisse Lustlosigkeit auffiel. Bei den Wizards fiel schnell der gefürchtete Begriff "Locker room cancer", wobei das Team damals kollektiv enttäuschte und Dinwiddie ein gern gesehener Sündenbock war.
Als er dann von den Nets für Dennis Schröder nach Toronto getradet wurde, entließen die Raptors ihn umgehend und wollten nicht einmal, dass er zum Team stößt. Ein möglicher Bonus über 1,5 Millionen Dollar für absolvierte Partien spielte hier auch eine Rolle.
Ist der Guard deshalb ein Stinkstiefel? Laut Dinwiddie wurde diese Reputation gezielt gestreut. "Ich habe in Brooklyn das gemacht, was man von mir verlangte und dann haben sie mich einfach vor die Tür gesetzt. Dazu wurden Dinge über mich verbreitet, Sch**, der drei Jahre alt ist. Wenn solche Sachen von zwei Teams in die Welt gesetzt werden, dann kann das deine Karriere ruinieren."
| Team | Spiele | MIN | PTS | FG% | 3P% | AST |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Nets | 348 | 28,7 | 14,2 | 41,3 | 32,2 | 5,7 |
| Mavs | 155 | 29,6 | 14,0 | 44,5 | 37,5 | 4,6 |
| Pistons | 46 | 13,3 | 4,4 | 31,4 | 17,3 | 2,7 |
| Wizards | 44 | 30,2 | 12,6 | 37,6 | 31,0 | 5,8 |
| Lakers | 28 | 24,2 | 6,8 | 39,7 | 38,9 | 2,4 |
So war es letztlich nicht, vor allem in Dallas wurde Dinwiddie mit all seinen Eigenheiten geschätzt. Er selbst ist auch nicht der typische NBA-Spieler. Neben seiner Spieler-Karriere gründete er seine eigene Schuhmarke und ließ sich einen Teil seines Gehalts in digitale Token umwandeln. So konnten ausgewählte Personen in den Vertrag von Dinwiddie investieren und das Kapital Stück für Stück mit Zinsen zurückbekommen. Allerdings: Der Mindestbetrag lag bei 150.000 Dollar - bezahlbar nur in Kryptowährung.
Dinwiddie machte sich früh Gedanken über Basketball und die Welt, oft warnte er vor Versuchungen und vor den Gefahren des NBA-Lifestyles, der nach der Karriere womöglich nicht mehr möglich ist. Wahrscheinlich ist der Wechsel zum FC Bayern auch wohl überlegt. Die Kaderplätze in der NBA waren vergeben, Spielzeit nicht gesichert, sodass der Wechsel nach Europa ein Neustart sein kann.

In München kommt er in ein Ökosystem, das näher an der NBA ist als bei anderen EuroLeague-Teams, Herbert schenkt seinen Stars stets Freiraum und Platz für eigene Kreativität. Prominente Beispiele dafür sind Dennis Schröder im Nationalteam oder Carsen Edwards, die unter dem Kanadier aufblühten.
Auch Jokubaitis, der Bayerns eigentlicher Star-Guard sein sollte, sich dann aber bei der EuroBasket folgenschwer verletzte, nannte dies als einen Grund für seinen Wechsel in die bayrische Metropole, Dinwiddie ist eins zu eins der Ersatz, der die zuletzt lahmende Offense wieder in Schwung bringen soll.
Wann Dinwiddie zum ersten Mal für die Münchner auflaufen wird, ist noch nicht klar, allerdings werden die Bayern den Ex-NBA-Star schnellstmöglich brauchen. Der Start auf internationalem Parkett mit zwei Siegen bei drei Niederlagen war ausbaufähig, am heutigen Freitag geht es gegen das Schwergewicht Olympiakos Piräus. Die EuroLeague vergibt kaum Patzer, ohnehin sind die Bayern im Kampf um die Playoffs bestenfalls ein Außenseiter. Dinwiddie erhöht deutlich die Qualität, doch selbst mit ihm wird es eine Herkulesaufgabe für die Münchner.
Robert Arndt