vor 8 Stunden
Im zweitem Jahr die Finals erreicht
Die Golden State Valkyries befinden sich erst in ihrer zweiten WNBA-Saison überhaupt und stehen entgegen aller Erwartungen nun sogar in den Finals mit guten Chancen auf den Gewinn der Championship. Die kommenden Expansion-Teams der NBA werden diese Entwicklung aufmerksam verfolgt haben, auch wenn eine Replikation kaum möglich erscheint.

Für Expansion-Teams gibt es eine unausgesprochene Regel, die eigentlich immer zutrifft: Sie sind zunächst richtig schlecht.
Die bisherigen neuen WNBA-Teams kamen im Schnitt in ihrer ersten Saison auf eine Siegquote von 30,6 Prozent mit einem Net-Rating von -8,4. In der NBA sieht es noch viel verheerender aus: Die Minnesota Timberwolves (1989/90) beendeten ihre erste Saison mit einer Bilanz von 22-60 (26,8 % Siege), womit sie das beste (!) Expansion-Team der modernen Erweiterungsphase sind. Der Rest gewann so gut wie nie mehr als 20 Spiele - und auch im zweiten Jahr wurde es selten besser.
Fans von neuen Teams müssen schlichtweg Geduld haben, weshalb sich auch die Fans in San Francisco auf einige harte Jahre eingestellt haben werden, als 2025 die Valkyries neu in die Liga kamen.
Die letzte Expansion lag da zwar schon 17 Jahre zurück, nichts sprach allerdings dafür, dass Golden State gegen den Strom schwimmen sollte. Und doch können sie sich zwei Jahre später zum besten Team der Liga krönen. Wie haben die das nur hingekriegt?
Die Grundlage für die Erfolge der bisherigen Franchise-Geschichte legte Golden State ganz am Anfang. Weil sie sowohl beim Expansion- als auch beim regulären College-Draft überraschend viel auf internationale Spielerinnen setzten (darunter die Litauerin Juste Jocyte mit dem 5. Pick, die zunächst in ihrer Heimat blieb und in diesem Jahr kaum eine Rolle spielt), trauen viele Experten ihnen nicht viel zu - dabei verfolgten sie aber einen sehr durchdachten Plan.
"Wie ich meine Teamkultur aufbaue, ist, indem ich 12 Spielerinnen auswähle, die eine sehr wettbewerbsorientierte Mentalität haben und extrem hart arbeiten”, sagte Head Coach Natalie Nakase zu Beginn ihrer Amtszeit bei den Valkyries. "Die Grundvoraussetzung ist einfach, ein guter Mensch zu sein. Man denkt nicht immer nur an sich selbst, sondern ständig an seine Teamkolleginnen. Das wird so ziemlich mein Motto sein: Das Team steht über allem - auf und neben dem Court."
Die Marschroute war also klar: Da die Teams natürlich ihre besten Spielerinnen schützen, blieb für die Valkyries nur der Weg, sich zu spezialisieren und Spielerinnen nach spezifischen Merkmalen auszuwählen. Neben den von Nakase angesprochenen charakterlichen Zügen stand dabei vor allem die Defense im Vordergrund.
Nakase kommt aus der Becky-Hammon-Schule und war 2023 dabei, als die Aces eine der besten Defensivsaisons der Geschichte spielten. Entsprechend ist in ihr nicht nur die Siegesmentalität verankert (die Aces gewannen drei der vergangenen vier Championships), sondern auch die Liebe zur Defense.

Entsprechend angelten sich die Valkyries im Expansion-Draft mit Veronica Burton und Temi Fagbenle zwei ausgezeichnete Verteidigerinnen, die umgehend das Fundament für das neue Franchise schufen. Dabei kam für Golden State auch der Zeitpunkt der Expansion günstig.
Seit die Dream 2008 als bis dato letztes Team in die Liga gestoßen sind, verstrich viel Zeit und durch die drei Runden jedes Drafts sind viele talentierte Spielerinnen in die Liga gespült worden.
Da die Teams aber ja nur begrenzte Rosterplätze haben, werden viel mehr hohe Draft-Picks nach wenigen Saisons wieder entlassen oder landen auf dem Abstellgleis, als es zum Beispiel in der NBA der Fall ist. Entsprechend ist es auch nicht komplett überraschend, dass talentierte Spielerinnen wie Burton oder Fagbenle in einer neuen Rolle und mit neuem Vertrauen auf einmal glänzen.
Mit ihrem defensiven Fokus landeten sie als erstes Expansion-Team überhaupt direkt in der ersten Saison in den Playoffs, auch wenn sie gegen Minnesota kein Land sahen. Das war aber zweitrangig, die wichtigste Erkenntnis war bei allen in der Liga angekommen: Golden State ist ein ernstzunehmender Gegner.
Das gepaart mit ihrer Rekord-Fan-Base (als erstes WNBA-Team überhaupt mehr als 18.000 Fans im Schnitt), ihrer Mentalität (Warriors-Dynastie und so) und der Trainerin des Jahres in Nakase machte sie umgehend zu einem beliebten Ziel für werdende Free Agents, was 2026 zum endgültigen Durchbruch führte.
Da das Team clever und viele Spielerinnen mit auslaufenden Verträgen gepickt hat, hatte es im Sommer den zweithöchsten Cap-Space der Liga (1,2 Mio.) und holte in Kiah Stokes und Gabby Williams zwei Spielerinnen, die perfekt ins System passten und sofort einschlugen.
Golden State nahm die Rolle als Defensivmonster mehr als ernst und stellte sofort die beste Defensive der Liga und sogar eine der besten der Geschichte. Ihr Defensiv-Rating von 100,6 war klar das beste der WNBA, Atlanta folgte weit abgeschlagen (104,5). Zur Einordnung: Der Abstand zwischen Platz eins und Platz zwei war dabei ungefähr so groß wie zwischen Platz zwei und Platz sieben.
Mit Stokes haben sie einen der besseren Rim Protector der Liga in ihren Reihen, wodurch die gegnerischen Teams nur 47,8 Prozent ihrer Würfe treffen (niedrigster Wert der Liga). Burton und Williams sind dazu eine Pest am Perimeter und forcieren die zweitmeisten Turnover der Association.
Hinzu kommt, dass sie sehr langsam und kontrolliert spielen, daher kaum den Ball wegwerfen und ihre Gegnerinnen so gut wie nie in einfache Transition-Situationen bringen.

Entsprechend können sie es auch verkraften, dass sie ein eher schwaches Offensivteam sind. In der regulären Spielzeit erzielte keine Spielerin mehr als 15 Punkte pro Spiel, ihr True-Shooting-Wert (54 %) war sogar der drittschlechteste der Liga hinter den beiden Kellerteams Seattle und Connecticut!
Dies rächte sich fast in der ersten Runde, als sie in einem Win-or-go-Home-Spiel gegen die Dallas Wings nur 35,1 Prozent aus dem Feld trafen und sich irgendwie nach einem 16-Punkte-Comeback in die nächste Runde retteten.
Mittlerweile hat sich die Offensive aber stabilisiert, was vor allem Williams zu verdanken ist, die ihren Punkteschnitt auf 22,7 Punkte angehoben hat und auch bei der WM für Frankreich ein bärenstarkes Turnier spielte. Dazu fallen auch endlich die Dreier, gleich vier Spielerinnen treffen 40 Prozent oder mehr von draußen, gleichzeitig nimmt das Team auch noch die meisten Würfe in den Playoffs von Downtown. Die Folge: Die Valkyries sind auf einmal nicht nur ein überragendes Defensivteam, sondern auch das beste Offensivteam der Liga.
Ihre Spezialität bleibt aber die Defensive: Gegen die Aces rettet ein Block von Stokes den Sieg in Spiel 2 und auch ihr Comeback in Spiel 3 gelang erst, nachdem sie Las Vegas in der zweiten Halbzeit offensiv komplett den Zahn gezogen hatten. Nach dem Sweep gegen den Serienmeister in den Semifinals gelten sie daher nun sogar als Favorit auf den Gewinn der Championship, auch wenn mit den Dream um DPoY Angel Reese ein echter Brocken wartet. Owner Joe Lacob wurde damals noch belächelt, als er erklärt hatte, dass das Team innerhalb der ersten fünf Jahre eine Meisterschaft gewinnen wird. Nun scheint dieser Traum auf einmal gar nicht mehr in weiter Ferne zu liegen.
Bleibt aber noch die Frage zu klären, ob das Paradebeispiel Valkyries auch auf die NBA übertragbar ist, die mit Seattle und Las Vegas bald zwei neue Teams bekommen dürfte.
Eine endgültige Antwort lässt sich natürlich kaum geben, sie lautet aber dennoch eher nein als ja. Die Situation, die Golden State in der WNBA vorfand, mit den vielen talentierten Spielerinnen und einer Cheftrainerin auf Weltniveau, wird es in der NBA so nicht geben. Ja, tiefe Teams wie OKC oder San Antonio würden ein wenig ins Schwitzen kommen, wenn sie "nur" acht Spieler schützen dürften, aber auch bei ihnen werden keine ganz großen Namen zu holen sein.
Das Talent in der NBA ist aufgrund der geringeren Anzahl an Draft-Runden besser genutzt und Spieler bekommen tendenziell mehr Chancen über ihre Farmteams etc., was es in der WNBA alles nicht gibt. Natürlich könnten die Teams Glück haben und in einem tiefen College-Draft direkt ein paar gute Youngster ziehen, aber auch damit hat man in der NBA selten Erfolg, dafür ist das Niveau in der Spitze schlichtweg zu hoch.
Alleine das Erreichen der Playoffs in den ersten drei Jahren wäre für neue NBA-Teams tendenziell schon ein großer Erfolg.
Gianluca Fraccalvieri