17.03.2026
Expansion Draft und Co. erklärt
Die NBA will bis Ende des Jahres entscheiden, ob man ab frühestens 2028 expandieren will. Es wäre das erste Mal seit 22 Jahren. Doch wie funktioniert das eigentlich? Wir zeigen, wie es in der Vergangenheit ablief.

Seit Jahren ist es ein Thema, doch nun scheint eine mögliche Erweiterung in der NBA Rückenwind zu bekommen. Laut Shams Charania (ESPN) gelten Seattle und Las Vegas als die beiden Städte, die sich Hoffnungen auf ein NBA-Team machen können.
Sollte dies von den 30 Besitzern der Liga durchgewunken werden, müssten die neuen Franchises eine Eintrittsgebühr bezahlen, diese soll zwischen sieben und zehn Milliarden Dollar liegen. Das ist nötig, da die Teams natürlich mit Eintritt an den Erlösen der Liga beteiligt werden und der Kuchen nicht mehr durch 30, sondern dann durch 32 geteilt wird.
Dieser Umstand war lange ein Hindernis, um eine Mehrheit in der NBA für eine Erweiterung zu finden. Mindestens 23 Teams müssten eine Expansion befürworten, nun sollen die Sterne dafür gut stehen.
Nun schauen wir uns aber einmal konkret an, wie so ein Expansion Draft abläuft und wie es in der Vergangenheit gehandhabt wurde.
Dieser Expansion Draft wird voraussichtlich zwischen dem letzten Spiel der NBA Finals und dem NBA Draft angesetzt werden. 2004 war der Termin zwei Tage vor dem Draft. Die 30 Teams müssen im Vorlauf eine Liste präsentieren, in der sie gewisse Spieler schützen, die die neuen Teams nicht für sich beanspruchen dürfen.

Denn: Die Franchises brauchen ja auch Spieler und diese bekommen sie von den anderen Teams. Welche Spieler geschützt sind, ist nicht öffentlich, allerdings gibt es gewisse Einschränkungen.
Folgende Spieler können geschützt werden:
- Spieler unter Vertrag für die kommende Saison
- Restricted Free Agents (dazu gleich mehr)
- Spieler mit einer Spieler- oder Team-Option im Vertrag
- Werdende Unrestricted Free Agents können nicht geschützt werden
Dazu gibt es noch Regeln für die geschützten Spieler:
- Jedes Team kann maximal acht Spieler schützen
- Mindestens ein Spieler pro Team muss verfügbar sein, der nicht Free Agent wird (mehr sind möglich)
- Ein Restricted Free Agent wird zum Unrestricted Free Agent, wenn er im Expansion Draft gezogen wird (das alte Team kann ihn aber nicht mehr unter Vertrag nehmen)
Mit diesen Grundlagen kann der Expansion Draft durchgeführt werden. Bei zwei neuen Teams wurde in der Vergangenheit eine Münze geworfen. Der Sieger konnte entscheiden, ob er lieber den höheren Pick im NBA Draft haben will oder als Erster im Expansion Draft ziehen möchte.
Dazu sei gesagt, dass die Expansion Teams im NBA Draft meist etwas niedriger ziehen. 2004 wurde den Charlotte Bobcats der vierte Pick zugesprochen, bei der Kanada-Erweiterung 1995 zog Toronto an Sechs und Vancouver an 7.
Im Expansion Draft selbst gibt es auch noch ein paar Regeln:
- Jedes Team kann maximal einen Spieler verlieren. Zieht also Seattle einen Spieler von den Memphis Grizzlies, kann auch Las Vegas keinen Akteur der Grizzlies mehr auswählen.
- Insgesamt wird es 30 Picks geben, 15 für jedes der beiden Teams. 2004 war Charlotte bekanntlich allein und konnte zwischen 14 und 29 Spielern wählen, stoppte den Prozess aber bei 19.
Des Weiteren gibt es aber auch noch Verhandlungsspielraum für die Teams.
Sollte zum Beispiel ein Team mehr als acht Spieler schützen wollen, kann es mit den Expansion Teams reden und ausmachen, dass ein gewisser Akteur nicht gezogen werden soll. Dafür können die neuen Teams mit Draft-Picks oder Spielern entschädigt werden. Gleiches gilt natürlich auch, wenn Team XY will, dass eine der neuen Franchises einen bestimmten ungeschützten Spieler nehmen sollte.
Ein Beispiel: 2004 tradeten die Bobcats von Position 4 auf 2 im Draft, weil sie einen Deal mit den Clippers machten. Sie stimmten damals zu, dass sie von den Clippers Predrag Drobnjak auswählen würden.
Hier gibt es also jede Menge Geschacher, da es für die bestehenden Teams eine Chance ist, ungewünschte Spieler und deren Verträge abzustoßen. Die neuen Teams arbeiten dabei auch unter dem Salary Cap (etwas darunter), können also nicht beliebig Verträge aufnehmen.

Nach dem Expansion Draft operieren die neuen Teams dann normal unter den Bedingungen der NBA und nehmen ganz normal an der Free Agency teil, wo sie ebenfalls neue Spieler unter Vertrag nehmen können.
Das sind viele Regeln und zumeist ist es für neue Teams schwer, sofort eine kompetitive Mannschaft aufzustellen, da die anderen Teams im Prinzip ihre vermeintlich besten acht Spieler schützen können. Wir denken an dieser Stelle allerdings mal an die Oklahoma City Thunder, die mit ziemlicher Sicherheit einen guten Spieler ziehen lassen müssten.
| Spieler | Gehalt | Vertrag (Status) |
|---|---|---|
| Shai Gilgeous-Alexander | 38,3 Mio. | 2031 |
| Jalen Williams | 6,6 Mio. | 2031 |
| Chet Holmgren | 13,7 Mio. | 2031 |
| Alex Caruso | 18,1 Mio. | 2029 |
| Isaiah Hartenstein | 28,5 Mio. | 2027 |
| Cason Wallace | 5,8 Mio. | 2027 |
| Ajay Mitchell | 3,0 Mio. | 2028 |
| Jared McCain | 4,2 Mio. | 2028 |
Das wäre mal ein Anfang und würde Lu Dort, Isaiah Joe, Aaron Wiggins, Jaylin Williams und Nikola Topic ungeschützt lassen. Warum Dort? Dessen Vertrag beinhaltet eine Team-Option für das folgende Jahr und womöglich werden die Thunder den Kanadier nicht bezahlen können. Alternativ könnte man ihn aber auch mit Isaiah Hartenstein tauschen.
Nun hat aber nicht jedes Team einen solch tiefen Kader wie OKC, Stars werden nur verfügbar sein, wenn sie bei anderen Franchises nicht mehr erwünscht sind - man denke hier an Ja Morant (Grizzlies), Zion Williamson (Pelicans) oder womöglich Domantas Sabonis (Kings).
Robert Arndt