vor 10 Stunden
Kontroverser Deal mit Minnesota
Die Charlotte Hornets waren im Kalenderjahr 2026 eines der heißesten Teams der NBA und standen für spektakulären Basketball. LaMelo Ball war der Motor dafür, dennoch muss das langjährige Gesicht der Franchise gehen. Warum eigentlich?

Nach vielen dunklen Jahren schienen die Hornets in der Vorsaison endlich auf Gold gestoßen zu sein. Nach der Hereinnahme von Moussa Diabate in die Starting Five stellten die Hornets mit LaMelo Ball, Rookie Kon Knueppel, Brandon Miller und Miles Bridges plötzlich das beste Lineup der NBA und verbuchten dabei ein unfassbares Offensiv-Rating von 134,9.
Es schien sich mit diesem jungen Team etwaas zu entwickeln, doch plötzlich zogen die Hornets nach dem Draft die Bremse und schickten ihren Anführer in LaMelo Ball nach Minnesota - für Picks und einen Rollenspieler in Naz Reid. Es verwundert nicht, dass Fans in Charlotte nun sauer sind, Ball war trotz seiner diversen Makel ein populärer Spieler - ligaweit.
LaMelo stand für Spektakel, unzählige virale Clips und vor allem junge Fans konnten sich mit dem Nr.3-Pick von 2020 identifizieren. Ball brachte Flair nach Charlotte zu einer Franchise, die so mausgrau wie keine andere ist. Und doch beschloss das Front Office um Jeff Peterson, dass dies der richtige Zeitpunkt ist, um alte Zöpfe abzuschneiden. Zur Erinnerung: Ball wurde noch in der Jordan-Ära von Ex-GM Mitch Kupchak gedraftet.
| Saison | Bilanz | Ball-Spiele | Anm. |
|---|---|---|---|
| 20/21 | 33-39 | 51 | Aus Play-In |
| 21/22 | 43-39 | 75 | Aus Play-In |
| 22/23 | 27-55 | 36 | Platz 14 |
| 23/24 | 21-61 | 22 | Platz 13 |
| 24/25 | 19-63 | 47 | Platz 14 |
| 25/26 | 44-38 | 72 | Aus Play-In |
Und es ist auch gar nicht so lange her, da gab es bereits Trade-Gerüchte - und zwar kurz bevor die Hornets in der Vorsaison so richtig durchstarteten. Coach Charles Lee bemängelte mehrfach die fehlende defensive Intensität, manchmal setzte er Ball auch auf die Bank und es gab Berichte, dass es zwischen Coach und Star nicht stimmen würde.
Der kurzfristige Erfolg überdeckte das, doch nach dem überraschend deutlichen und enttäuschenden Aus gegen die Orlando Magic im Play-In-Tournament sahen sich die Hornets wohl zum Handeln gezwungen. Gewissermaßen ist es auch nachvollziehbar. Erstmals seit vier Jahren absolvierte Ball wieder mehr als 50 Spiele und half seinem Team, solche auch zu gewinnen.
Die Hornets glauben vermutlich, dass dies der richtige Zeitpunkt war, um teuer zu verkaufen. Es scheint ein Eingeständnis dafür zu sein, dass man nicht daran glaubt, dass Ball eine erste Option bei einem möglichen Titelanwärter ist. Womöglich gibt es auch interne Dinge, die Sorgen machten, ein unbeschriebenes Blatt ist Ball zumindest nicht.
Abseits des Feldes war Ball bekannt dafür, rote Ampeln eher als Empfehlung anzusehen. Unter anderem baute er bereits einen größeren Unfall und fuhr auch schon jemanden an, als er aus der Garage der Arena kam. Imagefördernd ist das nicht und hinterlässt immer Fragezeichen, wie ernst Ball das alles nimmt.

Das war zumeist auch die Kritik auf dem Feld. Sein Stil verbreitet Freiplatz-Vibes, Ball probiert viel - egal, zu welcher Zeit im Spiel und trifft so nicht immer die besten Entscheidungen. Am Korb trifft er selten mit Kontakt, die Wurfauswahl lässt so manchem Coach graue Haare wachsen. Und doch war Charlotte offensiv immer signifikant besser mit dem einmaligen All-Star.
Stattdessen wird sich zeigen, wie Ex-Nr.2-Pick Brandon Miller (kann im Sommer eine Verlängerung unterzeichnen) und Star-Rookie Kon Knueppel mit mehr Verantwortung am Ball umgehen werden. Um dieses Duo wird nun weiter gebaut, dazu haben sich die Hornets durch den Trade jede Menge finanzielle Flexibilität verschafft und besitzen nun so viele Picks, um bald um diverse Stars mitzubieten.
Die Tage des Spektakels sind zunächst aber gezählt, stattdessen deuten die Moves darauf hin, dass Charlotte physischer werden und den Fokus mehr auf die Verteidigung legen will. In der Stadt dürfte dies nicht besonders populär sein. Kurzfristig werden die Fans damit recht haben, doch auf lange Sicht könnte sich dieses Manöver bezahlt machen.
Robert Arndt