vor 21 Stunden
Präsident Morey musste bereits gehen
Die Philadelphia 76ers sind mal wieder in der zweiten Playoff-Runde gescheitert. Joel Embiid wartet weiterhin auf seine ersten Conference Finals, dennoch ist die Saison nur bedingt eine Enttäuschung. Wie kann sich dieses Team verbessern und muss einer der Stars gehen?

Alles wie immer in Philly? Zum sechsten Mal in neun Postseason-Versuchen scheiterten die Sixers während der Embiid-Ära in den Conference Semifinals, weiter ging es für den Center noch nie. Und erneut gibt es dafür gute Gründe. Joel Embiid spielte erneut keine 40 Partien, Paul George fehlte wegen einer Suspendierung für 25 Spiele. Zeitweise waren alle Top-Verdiener gleichzeitig nicht verfügbar, weswegen die Sixers am Ende glücklich sein konnten, über Rang sieben die Playoffs zu erreichen.
Dass Embiid kurz vor Playoff-Start wegen einer Blinddarm-Entzündung ins Krankenhaus begeben musste und letztlich doch noch spielte, war eine Überraschung und half, um gegen Boston den Upset in sieben Spielen zu schaffen. New York entpuppte sich jedoch als deutlich zu stark. "Ich hasse es zu verlieren, aber vor einigen Wochen habe ich nicht einmal damit gerechnet, zu spielen", sagte Embiid.
"Wir haben Wege gefunden, wie wir als Gruppe besser geworden sind. Nun muss ich nächste Saison einfach mehr Spiele absolvieren." Leichter gesagt als getan, dennoch hat Embiid recht, wenn er diese Spielzeit als einen Schritt in die richtige Richtung ansieht. Mit ihm auf dem Feld gewannen die Sixers 24 von 38 Partien.
Zwei Dinge stimmen zudem optimistisch. V.J. Edgecombe war an Position drei im Draft ein guter Griff und der Rookie und legte über die Saison durchschnittlich 16 Punkte auf. Dass der Youngster in den Playoffs Probleme haben würde, ist nichts Ungewöhnliches und gehört zum Lernprozess dazu.

Konsequenzen gab dennoch, Team-Architekt Daryl Morey musste nach sechs Jahren seinen Hut nehmen. Der frühere GM der Rockets hatte nicht immer das beste Händchen, allerdings draftete er gewohnt gut, um mit Tyrese Maxey (#21) und Jared McCain (#16) mal zwei Beispiele zu nennen. Jenen McCain tradete Morey jedoch im Februar überraschend nach OKC und geriet dafür stark in die Kritik. Inwieweit dies seine Entscheidung war oder ob die Besitzer einfach nur die Luxussteuer vermeiden wollten, ist nicht klar. Man kann sich aber seinen Teil dabei denken.
Andere Entscheidungen wogen schwerer. Dem 34-Jährigen George einen Maximalvertrag zu geben, war ein Risiko, das sich nicht auszahlte. Es war aber ein klassischer Morey, der stets davon überzeugt war, dass man so viele Stars wie möglich brauche und sich der Rest dann schon ergibt. Auch die vorzeitige Verlängerung von Embiid sieht aktuell nicht gut aus, auch hier könnten aber die Besitzer ein Wort mitgesprochen haben, schließlich ist der gebürtige Kameruner das Gesicht der Franchise und sehr beliebt.
Letztlich war es wie immer. Morey versuchte viel, zum Beispiel auch den Trade von James Harden. 2023 hätte man so in den Conference Semifinals beinahe die Celtics geschlagen, doch sowohl Harden als auch Embiid zerbröselten in den Spielen 6 und 7. Es war womöglich die beste Chance für die Franchise auf einen Titel. Dass sich Morey schließlich mit Harden wegen eines neuen Vertrags zerstritt, warf kein gutes Licht auf die Organisation, auch wenn Morey richtig handelte, dem alterenden Superstar nicht alles zu geben, was dieser wollte.
Die Probleme in Philly liegen vermutlich tiefer bzw. höher im Hinblick auf die Besitzergruppe, die seit jeher nicht das beste Bild abgab. Ob sich das unter neuem Management ändern wird, ist anzuzweifeln.
Derzeit stehen nur sieben Spieler für die kommende Saison fest unter Vertrag, für drei weitere (Dominick Barlow, Trendon Watford, Dalen Terry) halten die Sixers Team-Optionen. Mit Quentin Grimes, Kelly Oubre Jr. und Andre Drummond gehen gleich Rotationsspieler in die Free Agency und es erscheint unwahrscheinlich, dass Philly sie alle wird halten können.
| Spieler (Position) | Alter | Gehalt 25/26 | Status |
|---|---|---|---|
| Kyle Lowry (PG) | 40 | ||
| Quentin Grimes (SG) | 26 | 8,7 | Unrestricted |
| Dalen Terry (SG) | 23 | Team-Option (2,6 Mio.) | |
| Kelly Oubre Jr. (SF) | 30 | ||
| Andre Drummond (C) | 32 | 5,0 | Unrestricted |
| Dominick Barlow (PF) | 24 | 3,4 | Team-Option (3,4 Mio.) |
| Trendon Watford (PF) | 25 | 2,5 | Team-Option (2,8 Mio.) |
| Tyrese Martin (PG) | 27 | ||
| MarJon Beauchamp (SF) | 25 |
Philly leistet sich einen Luxus, dass sie drei Spieler haben, die mindestens 40 Millionen Dollar in der kommenden Saison einstreichen. Das macht es schwer, einen Kader aufzufüllen. Bis zur Luxussteuergrenze bleiben nicht einmal 15 Millionen Dollar übrig - ohne Grimes, Oubre oder Drummond.
Embiids Backup dürfte für kleines Geld zu halten sein, doch grade Grimes, mit dem man sich im Vorjahr nach zähen Verhandlungen nicht auf einen neuen Deal einigen konnte, dürfte im Sommer weg sein. Dabei war sein Shooting von der Bank eine der wenigen Konstanten einer doch recht chaotischen Saison.
Ansonsten wird dem neuen Management nicht viel übrig bleiben, als mit kleinen Deals Homeruns zu schlagen. Die Boston Celtics waren im vergangenen Sommer ein gutes Beispiel dafür, wie man aus wenig viel machen kann, indem sie Spieler wie Neemias Queta oder Luka Garza günstig bekamen und diese in der Regular Season überraschend große Rollen einnahmen.

Noch im Februar sagte Morey, dass ihm sein Gerüst gefalle. Gemeint waren damit Embiid, Maxey, George und Rookie Edgecombe. Seine Entlassung ändert womöglich einiges, die Gerüchteeküche rund um Embiid kocht bereits.
Maxey und Edgecombe sollten in jedem Fall gesetzt sein, womöglich wird Philly sich umhören, wie groß denn das Interesse an George und Embiid in der Liga ist. Die Antwort darauf dürfte ernüchternd ausfallen, zu groß sind die Verträge der beiden, zu oft fallen beide aus den unterschiedlichsten Gründen aus.
Man kann also davon ausgehen, dass die Sixers draufzahlen müssten, wenn sie einen der großen Verträge aus den Büchern streichen wollen. Natürlich spielte Embiid gute Playoffs und auch PG-13 hatte vor allem in der Celtics-Serie als Edel-3-and-D-Spieler seine Momente, doch beide werden wie echte Superstars bezahlt und vor allem George ist mit 35 Jahren keiner mehr.
In der Theorie passen die Big Four gut zusammen, in den Playoffs betrug das Net-Rating solide 5,3, doch während der Hauptrunde erzielten Gegner tatsächlich sogar mehr Punkte als Philly, wenn die Vier zusammen auf dem Feld standen.
Der Best Case wäre es wohl, wenn man George abgeben könnte, womöglich zwei Rotationsspieler dafür bekommt und gleichzeitig so Geld für eigene Free Agents freischaufelt. Unmöglich ist das nicht, aber eben auch unglaublich schwer.
| Spieler | 26/27 | 27/28 | 28/29 | 29/30 |
|---|---|---|---|---|
| Joel Embiid | 58,0 | 62,6 | 67,3* | UFA |
| Paul George | 54,1 | 56,6* | UFA | - |
| Tyrese Maxey | 40,8 | 43,6 | 46,4 | UFA |
| V.J. Edgecombe | 11,7 | 12,2** | 15,4** | RFA |
| Justin Edwards | 2,4 | 2,6** | UFA | - |
| Adem Bona | 2,3 | 2,5** | UFA | - |
| Johni Broome | 2,2 | 2,5 | 2,7** | UFA |
An erster Stelle steht die Gesundheit der Spieler, nur fünf Akteure schafften mehr als 65 Partien, die zum Beispiel für Awards nötig sind. Entsprechend schickten die Sixers 30 verschiedene Starting Fives ins Rennen, wie soll da Konstanz hereinkommen?
Ein guter Backup für Maxey fehlt, gleiches gilt für Länge im Frontcourt. Zwar hatten die Sixers jede Menge Center, aber auf dem Flügel war man fast immer zu klein besetzt und das schmerzte auch gegen die Knicks. Dazu sollte Shooting priorisiert werden, erst recht, wenn man Oubre und/oder Grimes nicht halten kann.
Robert Arndt