23.05.2026
Philadelphia kommt nicht zur Ruhe
Jared McCain spielte eine überragende Rookie-Saison, bevor ihn eine Verletzung ausbremste. Zur Trade Deadline verscherbelten die Philadelphia 76ers den Guard an die Oklahoma City Thunder, denen damit ein weiterer Steal gelang. In Spiel 3 war McCain nun Matchwinner. Eine Suche nach Gründen für diesen Trade.

„Es geht nicht darum, jemandem etwas zu beweisen", versicherte Jared McCain auf dem Podium, nachdem er in Spiel 3 mal eben 24 Punkte gegen die San Antonio Spurs erzielt hatte und als Spieler von der Bank kommend einen der X-Faktoren für den Erfolg war. Jener McCain, der eine starke Rookie-Saison in Philadelphia spielte, bis er sich am Meniskus verletzte und schließlich im Februar nach OKC getradet worden war. Ein Deal, der innerhalb der NBA tiefe Stirnfalten hinterließ.
McCain ist erst 22 Jahre alt, bewies in kurzer Zeit, dass er ein exzellenter Scorer ist. Solche Spieler, die dank ihres Rookie-Deals kostengünstig sind, gibt man eigentlich nicht ab - zumindest nicht, wenn der Gegenwert nicht hoch ist. Die Thunder mussten für stattdessen nur einen niedrigen Erstrundenpick (sowie Zweitrundenpicks) auf den Tisch legen.
Warum also gaben die Philadelphia 76ers ein solches Talent ab? Dass in McCain Potenzial schlummert, das wusste man ja. Im Vorjahr war der 16. Pick des NBA Drafts 2024 der frühe Favorit auf Rookie of the Year, bevor der Guard sich bereits im Dezember einen Meniskusriss zuzog und den Rest der Saison ausfiel.
| Sixers erhalten | Thunder erhalten |
|---|---|
| Erstrundenpick 2026 (HOU) | Jared McCain |
| Zweitrundenpick 2027 (OKC, HOU, IND oder MIA) | - |
| 2 Zweitrundenpicks 2028 (MIL & OKC) | - |
"Jared ist jemand, der einem Team in der Zukunft helfen kann", sagte Sixers-Boss Daryl Morey nach dem Trade, nach dem Playoff-Aus der Sixers wurde er entlassen. "Es ist offensichtlich, dass er eine große Karriere vor sich hat, aber wir denken, dass uns die Picks in der Zukunft mehr helfen werden." Dazu gab Morey an, dass man teuer verkauft habe, auch wenn man McCain eigentlich gar nicht abgeben wollte. "Das Angebot war besser, als wir ihn evaluiert haben. Deswegen glaube ich, dass das ein guter Deal für uns war."
Weitere Argumente waren, dass McCain hinter All-Star Tyrese Maxey und Rookie V.J. Edgecombe ohnehin nicht genügend Spielzeit bekommen hätte. Vor dem Trade waren es nur rund zehn Minuten pro Partie. Das ist sicherlich nicht falsch, doch OKC beweist das Gegenteil.
Diese Mannschaft ist noch besser, hat noch mehr gute Guards und doch hat es Coach Mark Daigneault geschafft, den 22-Jährigen zu integrieren. Immerhin 14 Minuten steht der Guard auf dem Feld, erzielt dabei 9,2 Punkte im Schnitt und trifft 41,3 Prozent seiner Dreier in diesen Playoffs. Solche Spieler kann jedes Team gebrauchen, nur scheinbar nicht die Sixers. Zwar ist McCain klein, doch sein sicherer Wurf und die Fähigkeit, für sich selbst zu kreieren, sollte begehrt sein. Irgendwas ist hier faul.
Nein, die wahren Gründe sind andere und Morey, der bekannt für sein gutes Auge ist, musste vermutlich einfach nur gute Mine zum bösen Spiel machen. Kommende Draft-Picks kosten schließlich kein Geld, neben McCain wurde auch Veteran Eric Gordon entlassen, um die Luxussteuer zu vermeiden, da man mit Dominick Barlow und Jabari Walker zwei Two-Way-Player kostengünstig mit regulären NBA-Verträgen ausstatten konnte.
Phillys Besitzer sind bekannt dafür, die Luxussteuer zu meiden, auch wenn sie es öffentlich nie sagen. Taten sprechen in dieser Hinsicht mehr als Worte und Morey ist dann die Exekutive, die für die Entscheidung den Kopf hinhalten und sich erklären muss. Wenn also Milliardäre keinen Penny extra zahlen wollen, ist es an Morey, einen solchen Move so sinnvoll wie möglich zu verkaufen.
Und oft geht das auch gut, doch McCain schlug so sehr in OKC - dem ohnehin schon besten Team der NBA - ein, dass es landesweit ein Thema wurde.

Erst recht nach dieser Performance gegen die Spurs. Für Philly ist es ein PR-Desaster, gleichzeitig kann man darauf verweisen, dass der Sündenbock schon weg ist. Für McCain spielt das keine Rolle. "Ich möchte den Leuten, die an mich geglaubt haben, nur zeigen, dass sie recht hatten. Daryl [Morey] hat mich gedraftet, dafür liebe ich ihn", führte der Guard weiter aus.
Die Nutznießer sind einmal mehr die Thunder, die ihren ohnehin schon breiten Kader noch einmal günstig noch exquisiter machen konnten. McCains Rookie-Deal läuft noch bis 2028, dann wird er Restricted Free Agent. GM Sam Presti hat es also wieder geschafft, ein Talent zum schmalen Taler an die Franchise zu binden, so wie er schon mit Lu Dort, Isaiah Joe, Jaylin Williams oder Aaron Wiggins machte.
Es ist kein Zufall, dass die Thunder einen Playoff-Rekord für die meisten Bank-Punkte aufstellten. OKC hat nicht nur Star-Power, sie schaffen es Jahr für Jahr, den Kader so abzurunden, dass Coach Mark Daigneault jeden Abend vor echte Luxusprobleme gestellt wird. Diese Tiefe ist fast schon unfair und einer der Gründe, warum OKC nur noch sechs Siege fehlen, um erstmals seit den Golden State Warriors (2017, 2018) den Repeat zu schaffen.
rar