05.03.2026
Philadelphia kommt nicht zur Ruhe
Jared McCain spielte eine überragende Rookie-Saison, bevor ihn eine Verletzung ausbremste. Zur Trade Deadline verscherbelten die Philadelphia 76ers den Guard an die Oklahoma City Thunder, denen damit ein weiterer Steal gelang. Eine Suche nach Gründen.

Haben es die Thunder schon wieder getan? Mit Jared McCain scheint dem amtierenden Champion aus Oklahoma ein weiterer Steal gelungen zu sein. In elf Partien erzielte der Guard bislang 12,5 Punkte im Schnitt und verwandelt 43,1 Prozent seiner Dreier. Dabei feierte der Shooter erst vor wenigen Tagen seinen 22. Geburtstag und die Thunder mussten für ihn nur einen niedrigen Erstrundenpick (sowie Zweitrundenpicks) auf den Tisch legen.
Warum also gaben die Philadelphia 76ers ein solches Talent ab? Dass in McCain Potenzial schlummert, das wusste man ja. Im Vorjahr war der 16. Pick des NBA Drafts 2024 der frühe Favorit auf Rookie of the Year, bevor der Guard sich bereits im Dezember einen Meniskusriss zuzog und den Rest der Saison ausfiel.
| Sixers erhalten | Thunder erhalten |
|---|---|
| Erstrundenpick 2026 (HOU) | Jared McCain |
| Zweitrundenpick 2027 (OKC, HOU, IND oder MIA) | - |
| 2 Zweitrundenpicks 2028 (MIL & OKC) | - |
"Jared ist jemand, der einem Team in der Zukunft helfen kann", sagte Sixers-Boss Daryl Morey nach dem Trade. "Es ist offensichtlich, dass er eine große Karriere vor sich hat, aber wir denken, dass uns die Picks in der Zukunft mehr helfen werden." Dazu gab Morey an, dass man teuer verkauft habe, auch wenn man McCain eigentlich gar nicht abgeben wollte. "Das Angebot war besser, als wir ihn evaluiert haben. Deswegen glaube ich, dass das ein guter Deal für uns war."
Weitere Argumente waren, dass McCain hinter All-Star Tyrese Maxey und Rookie V.J. Edgecombe ohnehin nicht genügend Spielzeit bekommen hätte. Vor dem Trade waren es nur rund zehn Minuten pro Partie. Das ist sicherlich nicht falsch, doch OKC beweist das Gegenteil.
Diese Mannschaft ist noch besser, hat noch mehr gute Guards und doch hat es Coach Mark Daigneault geschafft, den 22-Jährigen zu integrieren. Dreimal erzielte McCain bereits über 20 Punkte im Thunder-Jersey und der Gegenwert für Philly war lediglich ein später Erstrundenpick. Zwar ist McCain klein, doch sein sicherer Wurf und die Fähigkeit, für sich selbst zu kreieren, sollte begehrt sein. Irgendwas ist hier faul.
Nein, die wahren Gründe sind andere und Morey, der bekannt für sein gutes Auge ist, muss vermutlich einfach nur gute Mine zum bösen Spiel machen. Kommende Draft-Picks kosten schließlich kein Geld, neben McCain wurde auch Veteran Eric Gordon entlassen, um die Luxussteuer zu vermeiden, da man mit Dominick Barlow und Jabari Walker zwei Two-Way-Player kostengünstig mit regulären NBA-Verträgen ausstatten konnte.
Phillys Besitzer sind bekannt dafür, die Luxussteuer zu meiden, auch wenn sie es öffentlich nie sagen. Taten sprechen in dieser Hinsicht mehr als Worte und Morey ist dann die Exekutive, die für die Entscheidung den Kopf hinhalten und sich erklären muss. Wenn also Milliardäre keinen Penny extra zahlen wollen, ist es an Morey, einen solchen Move so sinnvoll wie möglich zu verkaufen.
Und oft geht das auch gut, doch McCain schlug so sehr in OKC - dem ohnehin schon besten Team der NBA - ein, dass es landesweit ein Thema wurde.

So beginnt in Philadelphia die Stimmung ein wenig zu kippen, wo doch die Saison erstaunlich positiv verlief. Maxey liefert auf All-NBA-Niveau, Joel Embiid nähert sich langsam seiner alten Form und auch Paul George wirkte deutlich spritziger, bis er von der NBA wegen der Einnahme von unerlaubten Substanzen für 25 Spiele aus dem Verkehr gezogen wurde.
Mit einer Bilanz von 34-28 ist Philly Sechster im Osten, die Chancen stehen gut, dass man nach einer Seuchensaison wieder direkt in die Playoffs einzieht. Und doch dreht sich in der Stadt der brüderlichen Liebe gerade alles um diesen Trade, der alles andere als ein "Win-Now-Move" war.
War es ein Zeichen, dass man bei den Sixers nicht an einen Lauf in der Postseason glaubt oder sind es wirklich finanzielle Motive? So oder so sieht einer einen Monat nach diesem Manöver nicht besonders gut aus - und das ist Daryl Morey.
rar