08.05.2025
Rockets nach dem Playoff-Aus
Die Houston Rockets zwangen die Golden State Warriors in ein Spiel 7. Die Jungen um Amen Thompson und Alperen Sengün zeigten einiges Positives. Gleichzeitig scheiterte Rockets an seiner Offense und hat im Sommer unzählige Möglichkeiten, sie zu verbessern. Wie planen die Rockets? Hoffen sie auf den großen Superstar oder gehen sie konservativer vor?

Mit großen Schritten rauscht Amen Thompson auf Jimmy Butler zu. Kurz täuscht er den Kontrollverlust vor, um Butlers Griff nach dem Ball mit einem blitzschnellen Behind-the-Back-Dribbling zu bestrafen. Brandin Podziemski hat sich kaum ehrfürchtig niedergelegt, da hebt Thompson bereits ab, scheint in Draymond Green hinein zu fliegen. Mitten in der Luft passt er den Plan an, windet sich um Draymond, beschreibt mit dem Ball eine kleine Kurve und lässt ihn mit feinem Spin das Brett küssen. In einem für Houston frustrierenden Spiel 7 explodiert das Toyota Center für einen Moment.
Binnen knapp drei Sekunden hatte Thompson nicht nur den Raum zwischen Dreierlinie und Brett überbrückt, auf dem Weg ließ er auch noch einen der besten Wing- und einen der besten Allround-Defender der letzten Jahre die große Leere spüren. Zu schnell. Zu explosiv. Kaum zu packen.
Bei aller Gnadenlosigkeit, die Playoffs bauen auch eine Bühne der Gelegenheiten. Wie reagieren Spieler unter Druck? Wie passen sie sich an? Auf welche Art können sie ihr Spiel gegen immer härter zupackende Defenses auf das nächste Level heben? Wer hat unter welchen Bedingungen welche Tendenz und kann auf höchster Ebene wie beitragen? Wer wächst, wer schrumpft?
Aus all diesen Einblicken können Teams und Coaches Ausblicke basteln; ihre eigene Zukunft gestalten und die Rollen ihrer Spieler entsprechend des Gesehenen anpassen. Houston mag ausgeschieden, an seinen Schwächen gescheitert sein, ausgerechnet in Spiel 7 seine schwächste Performance der Playoffs aufs Parkett geklatscht haben, die Sicht ist heute dennoch klarer. Thompson beispielsweise zeigte in ersten Halbzeit von Spiel 7 seine bis dahin beste Offensivleistung.
Er demonstrierte genau jenes Potenzial für Playmaking und eine eigene Scoring-Dynamik als Hebel für Defenses, von dem die Rockets hofften, es dauerhaft in der Postseason sehen zu dürfen. Halbzeit zwei erzählte natürlich eine andere Geschichte. Thompsons Wurf blieb während der gesamten ersten Runde ein Problem. Raum für Verbesserung bleibt. Das Gesamtbild bekam dennoch weitere Striche.

Wie sieht also Thompsons Rolle nach den ersten Playoff-Erfahrungen aus? Wie seht fokussiert sich Houstons Offense auf seine Dynamik, Passfähigkeiten und sein Ballhandling? Wie viel Playmaking braucht er an seiner Seite? Und wie viel Shooting bekommt Houston in Lineups mit Thompson? Kurz: Welche Umgebung kitzelt Thompsons positive Seiten noch intensiver heraus?
Und Alperen Sengüns.
Häufig nutzte der Center gegen die Warriors seine körperlichen Vorteile. Tief in der Zone schob er Defender durch die Gegend, arbeitete am Brett, nutzte seine Physis. 20,9 Punkte und 11,9 Rebounds stanzte er am Ende in den Boxscore. Ein Anfang.
Gleichzeitig vergab Sengün zu häufig am Ring. Vor allem mangelte es an Range. Bekam der Türke den Ball rund um die Freiwurflinie, sanken Golden States Defender genüsslich ab. Ein möglicher Wurf aus der Mitteldistanz würde im Normalfall ohnehin auf den Ring klatschen. 45 Prozent sind für einen Big, der gern in Korbnähe operiert durchaus ausbaufähig.
Auch Sengün kennen die Rockets nun noch besser. Das erlaubt zielgerichtete Arbeit - und Kader-Management. Denn Houston hat auch gesehen, dass es allein dank seiner Defense der Elite ganz nah ist, es für den letzten Sprung allerdings die richtige Balance benötigt.
"Letztes Jahr wollten wir die Defense stärken, und ich glaube, dieses Fundament haben wir gelegt", sagte Udoka vor der Saison Michael Pina von The Ringer. "Jetzt wollen wir unsere Offense in Fahrt bringen, um da mitzuhalten." Die Rockets, so die Idee ihres Coaches, sollten ein gut ausbalanciertes Team sein. "Defense liegt in meiner Natur", sagte Udoka. "Ich würde aber sagen, Offense macht genau so viel Spaß."

Nur, dass es in Runde eins selten wirkte, als genössen die Rockets wirklich, Wurfgelegenheiten zu kreieren und Bälle Richtung Korb zu werfen. Verlor das Spiel an Geschwindigkeit, verlor Houston häufig die gute Laune. Würfe forderten harte Arbeit. Effektiv war Houston vor allem dann, wenn es angesichts seiner körperlichen Überlegenheit eigene Fehlwürfe einsammelte, und weitere Wurfgelegenheiten kreiert.
Während der Regular Season hatten 21 Teams eine effizientere Halfcourt Offense. Laut Bball Index spielten zudem 17 Mannschaften qualitativ bessere Würfe heraus. Im Laufe der ersten Runde zauberten nun einzig die Magic und Grizzlies eine schwächere efficient Field Goal Percentage aufs Parkett. Houston, das offenbarte Runde eins deutlich, mangelt es an Spacing, an Playmaking, an Creation, an Scoring.
Theoretisch soll Jalen Green genau dort ansetzen. In Spiel 2 explodierte der einstige Nummer-2-Pick dann auch, legte 38 Punkte auf, traf 44,4 Prozent seiner Dreier und 52 Prozent seiner Würfe. Während der übrigen sechs Spiele gelangen Green 55 Punkte. Insgesamt. Trotz seiner Shooting-Performance in Game 2 lagen die Quoten über die Serie bei 29,5 Prozent von draußen 37,2 Prozent aus dem Feld. Greens Ansätze zeigten sich deutlich schüchterner. Seine problematischen Seite überwogen - auch weil er sich nicht zurecht fand, wenn die Warriors Druck auf ihn ausübten; und das taten sie häufig.
Die Angst, dass Green nicht dauerhaft der dynamische Scorer ist, der Houstons Offense initiieren und tragen kann, wuchs deutlich. Hilfe muss eventuell von außen kommen. Wofür die Rockets auch alle Möglichkeiten haben. Allein drei Erstrundenpicks beziehungsweise Pick-Swaps schulden ihnen die Phoenix Suns (2025, 2027, 2029), einen muss Dallas die knapp 390 Kilometer die Interstate 48 nach Süden schicken. Hinzu kommt ein Pick Swap mit den Nets 2027.
Dass Houston gewissermaßen Phoenix’ Schicksal der näheren Zukunft in der Hand hält, provozierte bereits zur Trade-Deadline Gerüchte, die Rockets könnten auf Kevin Durant schielen. Oder auf Devin Booker. Nun, da die Suns die Playoffs verpassten und deshalb neue Wege gehen wollten, unterstellen ihnen nicht wenige gesteigerte Gesprächsbereitschaft. Die Stars der Vergangenheit gegen die Hoheit über die eigene Gegenwart und mittlere Zukunft. Booker, so heißt es aus Phoenix, wollen die Suns jedoch nicht abgeben. Bliebe Durant.
Dessen Scoring würde definitiv helfen. Plötzlich fände der Ball einen, der Würfe zur Not auch mit drei Händen Gesicht vom Parkplatz durch den Ring streicheln kann - um das Ganze beim nächsten Angriff genau so zu wiederholen. Problem: Mit 37 schreibt KD gerade die finalen Kapitel seiner Karriere. Die Rockets feilen gewissermaßen noch am Prolog, wissen eines aber bereits jetzt genau.
"Wir sind nur so gut wie unsere Eins-gegen-Eins-Defense", erklärte Udoka The Ringer. "Wir sind nur so gut wie all unsere Fünf auf dem Court, und jedes schwache Glied wird entblößt." Theoretisch könnten die Rockets daher auch Giannis Antetokounmpo wollen, sollte der nicht mehr in Milwaukee spielen wollen. Einerseits wäre es die Premiumlösung. Andererseits stünde Houston dann womöglich ein größerer Umbau bevor. Mit Thompson, Sengün und Giannis würde der Raum rund um die Zone wohl sehr eng. Eventuell müsste einer, müssten vielleicht mehrere der Jungen gehen.

Am Ende ist es die große Frage in Houston. Wie nah sieht das Front Office dieses Team an der Elite und welche Schritte, welche intrinsischen Verbesserungen traut es ihm zu? Verspricht es sich von Reed Sheppard im zweiten Jahr den großen Sprung (angeblich ist man in Houston trotz eines Mangels an Spielzeit in seiner Rookie-Saison maximal vom Offensivpotenzial des Nummer-3-Picks überzeugt)? Das wird auch entscheiden, welche Angebote Tari Eason und Jabari Smith Jr. erhalten, die in diesem Sommer eine Verlängerung unterschreiben dürfen. Stephen Adams steht bereits diesen Sommer ohne Vertrag da.
Gleiches könnte Fred VanVleet blühen. Für das letzte Vertragsjahr ihres Point Guards besitzen die Rockets eine Teamoption über 44,9 Millionen Euro. Der Champ von 2019 selbst würde gern bleiben, beschrieb seine Teamkollegen nach dem Aus als "kleine Brüder." Die gerade zu Ende gegangene sei eine seiner Lieblingssaisons gewesen. "Jeder sollte sich auf die Zukunft und das freuen, was sie bringen wird."
VanVleet könnte sie einen neuen, langfristigsten Vertrag zu geringeren Bezügen bringen. Das brächte ihm Sicherheit, den Rockets Flexibilität. Zumal der Guard für das Team einerseits sehr wichtig ist - mit VanVleet verteidigt Houston besser und spielt dank eine bessere, weil organisiertere Offense -, andererseits selbst einen Hang zu wackliger Konstanz pflegt. Sein True Shooting lag während der Regular Season 6,5 Prozent unter dem Ligadurchschnitt. Als Leader ist VanVleet wiederum kaum zu ersetzen.
Am Ende war Houston zu nah dran, um die Dinge einfach weiterlaufen zu lassen. Überreagieren müssen sie deshalb nicht. Womöglich hilft tatsächlich ein verlässlicher Scorer, dazu Shooting und Playmaking, um auch das Potenzial der jungen Rockets endgültig zu entfesseln. "Sie haben eine vielversprechende Zukunft vor sich", bescheinigte ihnen Steph Curry nach der Serie bei The Athletic. Auch weil Amen Thompson nur wenige Sekunden benötigt, um größere Räume zu überwinden und dabei einige der besten Defender der Liga nichts als Leere spüren zu lassen.
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Max Marbeiter