29.04.2025
Gibt es einen historischen Gegenwert?
Nach der schlimmen Verletzung von Damian Lillard ist nicht nur die Saison der Milwaukee Bucks so gut wie gelaufen, sondern auch ihre Zukunft stark gefährdet. Um dieser Situation zu entgehen, führt wohl kein Weg an einem Trade von Superstar Giannis Antetokounmpo vorbei.

Für Dame glichen die vergangenen Wochen einer reinen Achterbahnfahrt. Erst Ende März wurde der Point Guard mit einer tiefen Venenthrombose in der rechten Wade diagnostiziert, nur um entgegen aller Erwartungen in Spiel 2 gegen die Indiana Pacers wieder auf dem Feld zu stehen. Da er aufgrund der Behandlung nicht wirklich trainieren durfte, sprang er quasi vom Krankenbett in die Playoffs und spulte direkt 37 Minuten ab.
Wie der alte Lillard sah er dabei weder in Spiel 2 (14 Punkte, 4/13 FG), noch in Spiel 3 (7 Punkte, 2/12 FG) aus, die fehlende Fitness war ihm deutlich anzumerken. In Spiel 4 folgte dann der Schock: Nach nicht einmal sechs Minuten ging Lillard ohne Gegnerkontakt zu Boden und konnte nur mit Hilfe der Bucks-Trainer vom Feld humpeln. An seinem Gesichtsausdruck konnte man da schon erahnen, dass er genau wusste, was für ein langer Reha-Prozess nun auf ihn warten würde.
Ein MRT lieferte dann die bittere Gewissheit: Achillessehnenriss, ein Einsatz in der kommenden Saison ist stark gefährdet. Da kommen schnell Erinnerungen an Kevin Durant hoch, der sich in den Finals 2019 ebenfalls die Achillessehne riss und dann die gesamte folgende Saison aussetzte. Auch er kam damals (zu) schnell von einer Verletzung zurück, um seinem Team zu helfen, und zahlte dafür einen hohen Preis. Ähnlich ergeht es jetzt Dame und den Bucks.
Neben Dames persönlichem Schicksal ist die Entscheidung aus Sicht des Teams, ihn so früh zurückzubringen und direkt so viele Minuten abspulen zu lassen, rückblickend nicht zu verstehen. Was wäre schließlich das Beste, was hätte passieren können? Mit Biegen und Brechen Runde eins gegen deutlich bessere Pacers gewinnen? Möglich. Sich dann von den Cavs in den Semifinals vermöbeln lassen? Ziemlich wahrscheinlich.
Die Verletzung ist allerdings nicht nur für diese Saison relevant, sondern richtungsweisend für die gesamte Zukunft der Franchise. Denn klar ist: Im Sommer stehen einige große Entscheidungen an, bei denen ein Name immer im Mittelpunkt stehen wird: Giannis Antetokounmpo.
Schaut man sich die reinen Fakten an, steht es um kaum eine Franchise in der NBA (die Suns mal ausgeklammert) schlechter als um die Bucks. Lillard, Giannis und Kyle Kuzma, der gut und gerne als einer der schlechtesten Rollenspieler der diesjährigen Playoffs bezeichnet werden kann, beanspruchen alleine knapp 80 Prozent des Cap Space für die kommenden zwei Jahre.
Dazu hat Milwaukee neben Giannis so gut wie keine wertvollen Assets. Brook Lopez ist alt (und sein Vertrag läuft nach der Saison aus), Gary Trent Jr. und Kevin Porter Jr. sind unheimlich streaky und für Bobby Portis wird kein Team seine Schatulle öffnen, um die Bucks ohne Lillard irgendwie konkurrenzfähig zu machen. Auch der Draft hat seit Giannis in 2013 gefühlt nur zwei wirklich gute Spieler in Malcolm Brogdon und Donte DiVincenzo abgeworfen, die beide aus finanziellen Gründen weggeschickt wurden.
Durch den Trade für Jrue Holiday 2020 und seinen Tausch gegen Lillard 2023 haben die Bucks obendrein keine Kontrolle über ihre Erstrundenpick bis 2031, um irgendwelche Deals aufzuhübschen. Heißt auf dem Papier: Milwaukee hat so gut wie keine Möglichkeit, seinen aktuellen Kader in irgendeiner Form zu verbessern. Der Verzweiflungs-Trade, der Hometown Hero Khris Middleton für Kuzma zu den Wizards geschickt hat, kann als Blaupause für den Spielraum des Teams gesehen werden.

Auf der anderen Seite kann Milwaukee nicht einfach so weitermachen. Der Anspruch von Giannis ist, wie er schon mehrmals formuliert hat, eine weitere Championship zu gewinnen, und die Bucks sind in ihrer aktuellen Situation meilenweit davon entfernt. Gerüchte über eine Unzufriedenheit des Griechen gab es in den vergangenen Jahren immer wieder, jetzt ist die Lage aber deutlich prekärer. Während man sich in den vergangenen Spielzeiten noch einreden konnte, dass die Bucks im Bestfall mit den ganz Großen mithalten könnten, ist das durch die Verletzung von Lillard schlichtweg nicht mehr möglich.
Die Bucks sind festgefahren und können sich nur durch einen bis dato nicht vorstellbaren Move aus ihrer Misere befreien: Sie müssen ihren Superstar in diesem Sommer traden. Giannis' neuer Dreijahresvertrag über 175 Millionen Dollar startet im Sommer, für 2027 hat er eine Spieleroption. Das bedeutet, dass er auf jeden Fall noch zwei Jahre unter Vertrag steht und die Bucks in eine gute Verhandlungsposition bringt.
Sollte Milwaukee diesen Schritt wirklich gehen wollen (oder Giannis im Zweifel einen Trade fordern), werden sie schließlich einen Gegenwert sehen wollen, der in der NBA-Historie seinesgleichen sucht. Und dafür braucht ein potenziell aufnehmendes Team Planungssicherheit. Zur Erinnerung: Für Kawhi mussten die Raptors, neben DeMar DeRozan, damals nur einen Erstrundenpick auf den Tisch legen, da die Klaue nur noch ein Jahr unter Vertrag stand (und Toronto ja bekanntlich auch wieder verließ).
Milwaukee wird sich hüten, die neuen Mavs zu bekommen und einen Deal hinter verschlossenen Türen zu arrangieren, über den die gesamte Liga sich wundern wird. Wenn ein Team Giannis haben will, einen zweimaligen MVP, einen DER Unterschiedsspieler der Liga, der fünfmal in Serie im MVP-Ranking die Top-5 belegt hat, muss es schon seinen halben Hausstand opfern. Es dürfte im Sommer ein regelrechtes Wettbieten um den Griechen geben, der mit 30 Jahren mitten in seiner Prime ist und Jahr für Jahr nur noch unaufhaltsamer wird.
Welche Teams sind aber realistische Trade-Partner für die Bucks?

Ganz oben auf der Liste müssen die Rockets stehen. Das junge Team hat sich jetzt schon den zweiten Seed im Westen mit ihrer harten Spielweise gesichert, die Giannis sicherlich liegen würde. Wie man aktuell gegen die Warriors sieht, fehlt ihnen aver ein offensiver Closer, der immer für leichte Punkte zu haben ist. Genau dieser könnte Antetokounmpo für Houston sein. Zudem hat das Team Unmengen junges Talent, kommende Stars und Picks, um ein dickes Paket zu schnüren.
Die Spurs wären sicher auch nicht abgeneigt von der Idee, Victor Wembanyama mit Giannis zu paaren. Das Personal und die nötigen Picks dafür hätten sie wohl, für den Rest der Liga wäre das allerdings ein Albtraum. Ähnlich würde es der Liga wohl ergehen, wenn die Thunder den Zuschlag für den Forward bekommen würden, sollte ihr diesjähriger Playoff-Run erfolglos enden.
Vielleicht schielen die Bucks aber auch darauf, einen gestandenen Star als Gegenwert zu bekommen, der erst in ein paar Jahren in seiner Prime ist. Was wäre zum Beispiel mit Ja Morant? Oder Franz Wagner?
So oder so könnte Milwaukee sich auf einen Schlag eine Zukunft erkaufen und - wenn es gut läuft - schon in ein paar Jahren wieder konkurrenzfähig sein. Dafür müssten sie allerdings zunächst einsehen, dass ihr Titelfenster jetzt endgültig geschlossen ist.
| Spiel | Datum | Uhrzeit | Team 1 | Team 2 | Ergebnis |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 19. April (Sa) | 19 Uhr | Pacers | Bucks | 117:98 |
| 2 | 23. April (Mi) | 1 Uhr | Pacers | Bucks | 123:115 |
| 3 | 26. April (Sa) | 2 Uhr | Bucks | Pacers | 117:101 |
| 4 | 28. April (Mo) | 3.30 Uhr | Bucks | Pacers | 103:129 |
| 5 | 30. April (Mi) | 0 Uhr | Pacers | Bucks | |
| 6* | 3. Mai (Sa) | tba | Bucks |
Gianluca Fraccalvieri
| Pacers |
| 7* | 4. Mai (So) | tba | Pacers | Bucks |