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    WNBA

    vor 10 Stunden

    Trump-Jünger sorgen für zusätzliche Probleme

    Zwischen Boom und Kulturkampf: Warum die WNBA nicht zur Ruhe kommt

    Es vergeht beinahe kein Tag, in der die WNBA nicht in eine Kontroverse verstrickt ist. Die Gehälter steigen endlich, doch mit mehr Aufmerksamkeit kommen auch mehr Probleme. Im Fokus stehen dabei vor allem Superstar Caitlin Clark und ihr Team, die Indiana Fever.

    Caitlin Clark
    Um Caitlin Clarks Person gibt es immer wieder Diskussionen. USA TODAY Network via Reuters Connect

    Es könnte doch alles so gut sein. Nach einem langen Tarifstreit erkämpften sich die Spielerinnen der WNBA deutlich verbesserte Gehälter, bei den Spitzenspielerinnen verfünffachte sich bisweilen das Salär. Dazu wird es bis 2030 drei neue Teams und damit auch entsprechend mehr Arbeitsplätze geben.

    Die Liga boomt, doch mit dem Erfolg kommen auch die Aufmerksamkeit und die Probleme. Die WNBA steckt in einem Kulturkampf, der von außen herangetragen wird und sinnbildlich für den Zustand der USA steht. Im Mittelpunkt stehen dabei die Indiana Fever um Superstar Caitlin Clark. Die Spielmacherin war schon auf dem College ein Star, 2024 brachte sie eine komplett neue Generation Fans mit und hat ebenfalls einen Anteil daran, dass die Liga im Aufwind ist.

    Leicht hat sie es jedoch nicht. Immer wieder war die Rede von eifersüchtigen Gegenspielerinnen, die eben nicht die Aufmerksamkeit wie Clark bekommen. Sie ist bekannt für tiefe Dreier, ist eine gute Ballverteilerin, doch noch konnte sie ihr Team nicht ins gelobte Land führen. Dennoch ist sie der Aufhänger zahlreicher Diskussionen.

    Cunningham wird zum Werkzeug der Rechten

    Im Juli schickten zum Beispiel elf republikanische Anwälte einen Brief an die Liga, in der sie die WNBA aufforderten, härter gegen harte Fouls an Clark vorzugehen. In den sozialen Medien werden vor allem von rechten Accounts immer wieder Clips von Fouls geteilt, es wird Stimmung gemacht. Kurios dabei: Clarks ebenfalls weiße Mitspielerin Sophie Cunningham ist selbst bekannt für Fouls, teilweise jenseits der Grenze, diese werden jedoch gefeiert, da sie ja nur ihre Mitspielerinnen schützt.

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    Cunningham selbst, eine gute Rollenspielerin, ist womöglich inzwischen die zweitbekannteste Spielerin. Dafür sorgte nicht zuletzt ein ESPN-Interview, in dem sie vor Transgender-Frauen warnte. Sie wolle junge Mädchen schützen, damit diese nicht gegen biologische Männer antreten müssten. Zur Erinnerung: In der WNBA gibt es keine Transgender-Frauen, doch mal wieder wurde damit von rechts Stimmung gemacht.

    "MAGA-Barbie" ist inzwischen einer von Cunninghams Spitznamen, die weiterhin hinter ihren Aussagen steht, sich aber selbst politisch eher in der Mitte sieht. Dass sie inzwischen Werkzeug der Rechten ist, dürfte ihr bewusst sein. Zuletzt schien es auch ihr zu viel zu werden, als sie angab, sich "lieber wieder auf Basketball" zu konzentrieren. So einfach ist das aber nicht. Medien wie Fox News schlachten solche Sachen aus, immer wieder wird über Rassismus gegen Weiße und über Transgender-Athleten debattiert.

    Commissioner Engelbert steht in der Kritik

    Wenig hilfreich ist dabei auch, dass die ehemaligen NBA-Spieler Enes Kanter Freedom und Royce White bekanntgaben, sich für den WNBA-Draft angemeldet zu haben. Beide erklärten in diesem Zusammenhang, sich als Frauen zu identifizieren. Dass sie tatsächlich zum Draft zugelassen werden, gilt als nahezu ausgeschlossen.

    Kanter Freedom sorgte wenig später auch bei einem WNBA-Spiel zwischen den Chicago Sky und Indiana Fever für Aufsehen. Der frühere NBA-Center saß an der Grundlinie und trug ein T-Shirt mit der Aufschrift "WOMAN noun. adult human female". Nachdem Sky-Spielerin Natasha Cloud auf ihn zugegangen war und ihn konfrontiert hatte, setzte Kanter Freedom einen Fuß auf das Spielfeld. Sicherheitskräfte und mehrere Spielerinnen gingen dazwischen, anschließend wurde der 34-Jährige aus der Halle geführt.

    Der Vorfall schuf einen weiteren Nebenkriegsschauplatz für eine Liga, die mit der aktuellen Situation zunehmend überfordert wirkt.

    Caitlin Clark, Cathy Engelbert
    Commissioner Cathy Engelbert (re.), hier mit Caitlin Clark, steht massiv in der Kritik. picture alliance / ASSOCIATED PRESS

    Commissioner Cathy Engelbert steht für ihr passives Handeln massiv in der Kritik, nach den harten Tarifverhandlungen ist wohl auch die Beziehung zu den Spielerinnen enorm belastet. Denn während die Liga nur zögerlich Statements veröffentlicht, müssen sich die Frauen beinahe täglich mit Fragen zu heiklen Themen auseinandersetzen. Themen, die gar nicht ihre sind, sondern durch Medien und Politik aufgeblasen wurden.

    Zumeist geht es natürlich um Clark, die ihre politischen Ansichten komplett privat hält und somit Raum für Spekulationen lässt. Als sie nun im Juni von Alyssa Thomas (sie wurde nachträglich für ein Spiel gesperrt), einer schwarzen Spielerin, hart gefoult wurde, berichtete die Flügelspielerin der Phoenix Mercury, dass sie sogar Morddrohungen erhalten habe und online von einer großen Anzahl von Accounts rassistisch beleidigt wurde.

    Die Liga ist eine Zielscheibe für Trump-Jünger

    Clark ist gewissermaßen auch eine Außenseiterin. Rund 70 Prozent der Spielerinnen sind schwarz, gut ein Drittel queer. Natürlich macht es die Liga zu einer Zielscheibe von Trump-Jüngern, die vermutlich überhaupt kein Interesse am Spiel haben, sich aber damit politisches Profil erhoffen. Gefühlt geht es in der Saison kaum um Sport. Dass Olivia Miles als Rookie dafür sorgt, dass die Minnesota Lynx klarer Tabellenführer sind und dass A’ja Wilson weiter an ihrem Argument arbeitet, als beste Basketballerin aller Zeiten zu gelten, geht in diesem Kulturkampf beinahe unter.

    Die Liga wächst, es gibt so viel Reichweite wie noch nie und doch droht der WNBA von all diesen Themen verschluckt zu werden. Dabei ist es gar nicht so lange her, als es die WNBA war, die Akzente setzte. Die Liga setzte sich sehr deutlich für Menschenrechte ein und als eine Teil-Eigentümerin der Atlanta Dream, Kelly Loeffler, die "Black Lives Matter"-Bewegung kritisierte, wurde sie letztlich dazu gebracht, ihre Anteile zu verkaufen.

    Die WNBA reagiert meist nur - und das zu spät

    Den Mund verbieten lassen sich die Spielerinnen weiter nicht, doch die Dynamiken von außen können sie nicht kontrollieren. Die WNBA sucht im Moment weiter nach Antworten, auch eine kleine Taskforce brachte zunächst keine Resultate. Dies ist womöglich auch das Problem, die WNBA reagiert meist nur - und dies zumeist viel zu spät.

    Dabei hat die Liga mit vielen schwarzen und queeren Spielerinnen ein klares Profil und der Basketball hat sich auch mit den vielen neuen Gesichtern aus Europa enorm verbessert. Das Produkt auf dem Feld ist gut, mal abgesehen von den weiterhin oft schwachen Schiedsrichterleistungen.

    Doch wie man diesen Morast trockenlegen will, ist in diesen USA anno 2026 eine Frage, die kaum lösbar scheint. Zu sehr unterscheidet die Liga sich davon, was derzeit im Weißen Haus gepredigt wird und was deren Jünger versuchen, im Land zu verbreiten.

    Robert Arndt