01.07.2025
Der Start der Free Agency in der Zusammenfassung
Die Free Agency hat begonnen! Etliche Deals wurden bereits eingetütet, bei mehreren Teams zeichnet sich für 25/26 ein neues Bild ab - während andere noch abwarten, oder vielleicht zu langsam waren? Die Gewinner und Verlierer der Free Agency nach Tag 1.

Seit dem Trade für Kevin Durant war den Rockets dieser Status kaum noch zu nehmen, aber Houston setzt seither beständig einen nach dem anderen auf diese Transaktion drauf. Mit der Neuverhandlung mit Fred VanVleet etwa, der nun etwas mehr als die Hälfte von seiner Team-Option für 25/26 verdient, dafür aber länger bleibt, oder mit dem neuen Vertrag für Jabari Smith Jr. (5 Jahre, 122 Mio. Dollar).
In der Free Agency kam nun direkt der nächste Brocken, Houston machte das Rennen um einen der besten freien Spieler auf dem Markt und lotste Dorian Finney-Smith weg von den Lakers, weg von seinem Kumpel Luka Doncic. 53 Mio. Dollar über 4 Jahre werden die Rockets dem 32-Jährigen dafür überweisen.
Das ist nicht wenig, allerdings ergibt Finney-Smith in einem Team, das nächste Saison um den Titel mitspielen möchte, viel Sinn, als vielseitiger Verteidiger mit sicherem Dreier (41,1% 3FG in der vergangenen Saison), der offensiv sonst nicht allzu viel Sauerstoff verbraucht. Zudem holten die Rockets mit Clint Capela (3 Jahre, 21,5 Mio.) noch einen Altbekannten zurück.
Houston hat nun bereits 14 Kaderplätze gefüllt, profitiert aber davon, dass mehrere Leistungsträger noch immer auf ihren Rookie-Verträgen spielen - und liegt damit für kommende Saison noch unter dem First Apron. Bisher hätte diese Offseason kaum besser für die Rockets laufen können.

Mit Jake LaRavia (2 Jahre, 12 Mio. Dollar) haben die Lakers schnell und recht ordentlich auf den Verlust von DFS reagiert. Besser für das Team wären zwar beide Spieler, aber mit 23 Jahren hat LaRavia noch eine gewisse Upside und gerade seine beste NBA-Saison hinter sich (42,3% 3FG über 66 Spiele).
Einen Center haben die Lakers indes noch immer nicht, wenngleich sich das Gerücht hält, dass sie gern den in Portland aus seinem Vertrag herausgekauften Deandre Ayton verpflichten möchten. Rund 8 Mio. Dollar aus ihrer Non-Taxpayer Midlevel Exception könnten sie dem früheren Nr.1-Pick nun wohl noch anbieten.
Irritierender sind aber so oder so die Begleitgeräusche rund um das Team, beziehungsweise um LeBron James. Seitdem der 40-Jährige seine Option über 52 Mio. Dollar zog, spricht sein Agent Rich Paul nahezu permanent bei allen möglichen Plattformen mit einer gewissen Ambivalenz über die Absichten seines prominentesten Klienten.
Will er nun bleiben? Will er einen Trade? Gibt es interessierte Teams? Stört es LeBron wirklich, dass die Lakers "für die Zukunft" bauen? Versucht er, Druck auf die Lakers aufzubauen, ohne dabei zu merken, dass seine Druckmittel schlichtweg nicht mehr so stark sind wie in früheren Jahren, als er als bester Spieler der Welt Entscheidungen nahezu diktieren konnte?
Dass die Lakers DFS verloren, hatte wohl auch damit zu tun, dass sie keine Langzeitverträge aushändigen wollten, um Cap-Space für 2027 zu schützen. 2027 kann LeBron wohl tatsächlich nicht mehr interessieren, dann wäre er 42. "Es ist der Anfang vom Ende für LeBron bei den Lakers", kommentierte ESPN-Mann und LeBron-Kenner Brian Windhorst. Nur wann genau?
Eine große Baustelle verblieb bei den Magic, nachdem sie sich in der Offseason bereits mit Desmond Bane verstärkt hatten. Diese haben sie nun adressiert: Tyus Jones kommt für 1 Jahr und 7 Mio. Dollar, gibt ihnen den Backcourt-Organisator von der Bank, der Cole Anthony nicht regelmäßig genug war.
Jones hat bei den Suns zwar nicht sein bestes Jahr gespielt, war dort aber wohl auch etwas überbeansprucht; in Orlando wird er wie früher in Memphis von der Bank kommen, die Second Unit organisieren, viele Assists bei extrem wenigen Ballverlusten verteilen, seine Dreier treffen (41,4% 3FG in Phoenix) und wieder mit Bane zusammenspielen.
Jones ist mit 1,85 m klein und schmächtig und defensiv angreifbar - wenn es jedoch ein Team gibt, dass den Point Guard beschützen kann, ist es wohl Orlando. Die Magic müssen nun noch eine Entscheidung bei Moritz Wagner treffen, so oder so geht dieses Team aber gestärkt aus der Offseason hervor.
Für 3 Jahre und 42 Mio. Dollar hätte Beasley angeblich in Detroit verlängern sollen, die Belohnung für die beste Shooting-Saison seiner Karriere. Stattdessen platzte denkbar knapp davor die Bombe, dass gegen Beasley aufgrund möglicher Spielmanipulation ermittelt wird, weshalb ihn vorerst wohl gar kein Team signen wird.
Selbst wenn schlussendlich nichts bei diesen Ermittlungen herauskommen sollte - das Timing hätte nicht schlechter sein können, Teams warten (natürlich) nicht. Detroit scheint in Gesprächen zu sein, die Beasley-Position stattdessen mit Malik Monk zu füllen - was sportlich ein Upgrade wäre.

Nach dem Porzingis-Trade und einem sehr vielversprechenden Draft-Trade blieb Atlanta auch in der Free Agency aktiv. Die Hawks machten das Rennen um den viel umworbenen Nickeil Alexander-Walker (4 Jahre, 62 Mio.) und sicherten sich überdies auch noch Scharfschütze Luke Kennard für ein Jahr (11 Mio.).
NAW ersetzt dabei den nach Detroit abgewanderten Caris LeVert und passt aufgrund seines Alters - und seiner besseren Defense - wohl noch besser ins Team und neben Trae Young. Der neue General Manager Onsi Saleh hat binnen weniger Wochen ein tieferes, talentierteres Team zusammengestellt, das im Osten durchaus oben mitspielen könnte.
Eine bereits recht verwirrende Offseason wurde in der Free Agency nicht weniger konfus, New Orleans hortet weiter Center. Neben Sophomore Yves Missi und Nr.13-Pick Derik Queen, für den die Pelicans einen ungeschützten Erstrundenpick 2026 nach Atlanta abgaben, beschäftigen sie nun auch noch Kevon Looney (2 Jahre, 16 Mio.).
Nicht, dass an Looney per se etwas auszusetzen wäre - als gestandener Veteran mit Championship-Erfahrung könnte er den jungen Pelicans durchaus gut tun. Neben Zion Williamson passt er indes wohl eher nicht. Und eigentlich ist auch diese Verpflichtung eines "Mentors" eher eine, die inmitten eines Rebuilds Sinn ergibt. Was wiederum leichter zu verstehen wäre, wenn NOLA den eigenen Pick für 2026 nicht weg getradet hätte …

Richtig große Verträge wurden an Tag 1 der Free Agency eigentlich nicht ausgehändigt - eine Folge der Tatsachen, dass nicht mehr viele Topspieler echte Free Agents werden, und dass Teams im neuen CBA schlichtweg nicht allzu spendabel sind. Jackson bildete bisher die einzige Ausnahme, unterschrieb einen neuen Deal für 5 Jahre und 240 Mio. Dollar in Memphis.
Der Vertrag ist dabei ein Kompromiss für beide Seiten gewesen. Da Jackson das All-NBA-Team knapp verpasste, stand ihm kein Super-Max zu - nach dem Bane-Trade hatten die Grizzlies dafür die Möglichkeit, ihm für 25/26 eine Gehaltserhöhung zu verpassen und vier weitere Jahre an den Vertrag dranzuheften.
Mit einer Top-Saison hätte JJJ kommenden Sommer als "echter" Free Agent zwar sogar noch für etwas mehr verlängern können, der Big Man entschied sich jedoch offensichtlich für die Sicherheit und beendete damit zumindest vorerst die Spekulationen, ob er Memphis vielleicht verlassen könnte.
Ihren besten Free Agent (Brook Lopez) haben die Bucks erwartungsgemäß verloren, der Center spielt nun für die Clippers. Verlängert haben sie dafür mit Kevin Porter Jr., Gary Trent Jr. und Taurean Prince (jeweils für 2 Jahre), nachdem vorher bereits Bobby Portis an der Reihe gewesen war. Neuzugänge gab es dafür keine.
Bisher ist das keine Offseason, die Giannis Antetokounmpo unmissverständlich aufzeigt, dass er mit den Bucks noch einmal einen Titel holen kann. Das muss am Ende nicht viel bedeuten, Stand jetzt kreisen den Insidern zufolge aber weiterhin diverse Geier über Milwaukee, die darauf spekulieren, dass der Grieche früher oder später doch noch den Absprung suchen wird.

Denver hat sein Championship-Team von 2023 weiter eingerissen - wobei das nur teilweise stimmt: Mit Michael Porter Jr. ist nun zwar ein Langzeit-Starter nicht mehr da, mit Bruce Brown kam dafür jedoch in der Free Agency ihr Sixth Man von 2023 zurück ins Team. Brown hat zwei eher schwache Jahre hinter sich, wenn er jedoch irgendwo wieder zu alter Stärke zurückfindet, dann vermutlich an der Seite von Nikola Jokic auf einem Minimumvertrag.
Der Headliner für Denver war indes natürlich der Porter-Trade. MPJ wurde für Cameron Johnson nach Brooklyn getradet, in dem Deal gaben die Nuggets außerdem ihren 2032er Erstrundenpick ab (ungeschützt), den einzigen First-Rounder, den sie derzeit anzubieten hatten.
Denver spart durch diesen Trade Geld; beide Forwards stehen noch zwei Jahre unter Vertrag, MPJ verdient jedoch noch fast 80 Mio., während es bei Johnson 44 sind. Die Nuggets hätten nun noch rund 10 Mio. Dollar für weitere Free Agents übrig, ehe sie den First Apron überschreiten. Wenn sie diesen Platz richtig nutzen, könnten sie einer der großen Gewinner der Offseason werden.
Ob Johnson ein Upgrade für den manchmal frustrierenden Porter ist, wird sich indes zeigen müssen. Beide sind exzellente Shooter, Johnson liefert etwas mehr Playmaking, Porter ist dafür größer, ein etwas besserer Rebounder. Er steht im Ruf, ständig verletzt zu sein, ist unter diesen beiden Forwards aber trotzdem der verlässlichere Spieler.
MPJ hat über die vergangenen beiden Jahre bloß sechs Regular-Season-Spiele verpasst - er war in den Playoffs gegen OKC zwar angeschlagen, stand aber auf dem Court. Johnson, der zwei Jahre älter ist, hat in seiner Karriere noch nie 66 Regular-Season-Spiele übertroffen, über die vergangenen drei Jahre waren es 42, 58 und 57 Spiele, in den Playoffs stand er zuletzt 2023.
Wenn weitere Moves folgen und die Nuggets ihre neue Flexibilität richtig nutzen, kann sich der Trade als richtig herausstellen. Stand jetzt ist aber auch festzuhalten, dass das Risiko signifikant ist, zumal die Nuggets nun keinen First-Rounder mehr im Köcher haben.
Ole Frerks