vor 8 Stunden
Nationalspieler im Interview
Champions-League-Titel mit Rytas Vilnius, in den vergangenen vier WM-Qualifikationsspielen Teil der deutschen Nationalmannschaft - für Kay Bruhnke war es bislang ein erfolgreiches Jahr 2026. Über die Basketball-Kultur in Litauen spricht der 25-jährige Forward ebenso wie über seinen Karriereweg bis dahin: warum er von Bamberg enttäuscht wurde, warum deutsche Spieler seines Niveaus ins Ausland wechseln und was ein 16-jähriger Franz Wagner als sein Backup schon damals draufhatte.

Herr Bruhnke, in Ihren dritten und vierten Länderspielen waren Sie hinter Dennis Schröder und Chris Sengfelder direkt drittbester Scorer der DBB-Auswahl. 15 bzw. 16 Punkte hatten Sie im WM-Quali-Fenster Anfang Juli erzielt. Wie ist es Ihnen damals gelungen, so gut ins Team reinzufinden?
Kay Bruhnke: Zum einen hatte ich mich lange und intensiv auf dieses Fenster vorbereitet, weil ich wusste, dass ich dabei sein könnte. Zum anderen lag das an Dennis Schröder, der einen direkt an die Hand genommen und mitgezogen hatte.
Was haben ihre guten Leistungen beim Gewinn der Basketball Champions League vergangene Saison mit diesem Selbstverständnis, gute Leistungen zu erbringen, zu tun?
Wenn man meine Saison verfolgt hat, hat man gemerkt, dass ich viele Höhen und Tiefen hatte. Dann sind ein, zwei Dinge bei Rytas passiert, wie der Abgang unseres Starters auf der Vier. So kam viel Verantwortung auf mich zu. Ich war bereit, diese Rolle anzunehmen, und habe auch das Vertrauen der Trainer bekommen. Das hat mir sehr viel Selbstbewusstsein gegeben. Ich dachte mir: Wenn ich das auf dem Level schaffe, kann ich das im Prinzip auf jedem Level schaffen. Das neue Selbstbewusstsein habe ich dann mitgenommen.
Sie pendeln zwischen den Positionen Drei und Vier. Auf welcher Position fühlen Sie sich eigentlich wohler?
Im modernen Basketball macht das keinen so großen Unterschied. Wenn es in die höheren Ligen geht, wie beispielsweise die EuroLeague, sehe ich mich tendenziell mehr auf der Drei als auf der Vier. Ich denke, dass ich dort einem Team mehr geben kann. In Litauen spiele ich gerne auf der Vier, weil man dort viel mehr in die Offensive involviert ist. Auch bei der Nationalmannschaft hat man auf der Vier viel Verantwortung, aber ich fühle mich genauso auf der Drei wohl.

Erst Mazeikiai, jetzt Vilnius - Sie haben schon einiges an litauischer Basketballkultur wahrgenommen. Dort ist Basketball ja fast schon Religion. Wie zeigt sich das?
Es ist ja sogar statistisch belegt, dass Basketball der Nummer-eins-Sport in Litauen ist. Man merkt das unter anderem, wenn die Fans in die Halle kommen und dich anfeuern: Bei uns läuft direkt vor dem Spiel die Rytas-Hymne, dann stehen alle auf, schwenken ihre Schals und singen gemeinschaftlich. So etwas habe ich noch nie zuvor erlebt. So etwas kennt man vielleicht aus Belgrad von Roter Stern und Partizan oder aus Griechenland von Panathinaikos und Olympiakos, aber das war's dann schon. Das ist unglaublich. Egal, wie es läuft, die Fans sind da, die leben das wirklich. Wenn man mal verloren hat und Fans in der Stadt trifft, merkt das an ihrer Stimmung. Aber genauso, wenn das Team gewonnen hat. Als wir die Champions League gewonnen haben, warteten rund 2.500 Fans auf uns vor dem Hotel. 20, 30 Fans sind mir um die Arme gefallen und haben mir gesagt, dass sie das niemals vergessen werden und dass das ein Highlight ihres Lebens ist - sie haben sich tausendmal bedankt. Man merkt den Menschen die Liebe zum Basketball wirklich an.
Nach Ihrer starken Saison in Vilnius haben sicherlich auch einige BBL-Klubs bei Ihnen angeklopft?
Ja, es gab Interesse. Aber nichts kam an das heran, was ich in Vilnius habe.
Im Zuge von NIL und dem Abgang zahlreicher deutscher Nachwuchsspieler ist bei den BBL-Klubs ja ein Bedarf an deutschen Spielern vorhanden. Auf der anderen Seite haben zuletzt einige Spieler, die auf Champions-League- und EuroCup-Niveau spielen können, die BBL verlassen. Neben Ihnen beispielsweise Louis Olinde, Chris Sengfelder, Karim Jallow oder Len Schoormann. Woran liegt das?
Das ist definitiv ein kritisches Thema. Als ich noch in Deutschland gespielt habe, habe ich es so erlebt, dass man nicht wirklich das Vertrauen bekommen hat, das man sich gewünscht hat. Da wurden andere Spieler, die ausländischen Akteure, vorgezogen - was natürlich nicht so schön ist, vor allem, wenn man jahrelang im Jugend- und Nachwuchsbereich eines Vereins spielt, das Konzept durchlebt und sich hocharbeitet, am Ende sich aber nicht wirklich belohnen kann und nur Kurzeinsätze bekommt. Natürlich gibt es auch positive Ausnahmen und Mannschaften, bei denen das funktioniert. Ich denke aber, dass oftmals die Risikobereitschaft fehlt, jungen Spielern das Vertrauen zu schenken, sie spielen und einfach Fehler machen zu lassen.

Sie haben den Jugend- und Nachwuchsbereich angesprochen: Als Nachwuchsspieler haben Sie 2017 am Jordan-Brand-Classic und 2018 am Basketball-Without-Borders-Camp teilgenommen. Sie haben mit der U18-Nationalmannschaft 2018 das Albert-Schweitzer-Turnier gewonnen. Sie standen damals ja schon im Fokus. Dann haben Sie sich innerhalb eines halben Jahres zweimal einen Mittelfußbruch zugezogen. Während sich Spieler in Ihrem Jahrgang weiterentwickelten, waren Sie mit Reha beschäftigt. Wie blicken Sie auf diese Zeit zurück?
Ich war davor nie schwer und lange verletzt. Für mich persönlich war das eine sehr sensible Situation. Ich war in Bamberg fünf Jahre lang im Jugendbereich aktiv und zu dem Zeitpunkt in der elften Klasse. Nach meinen zwei Mittelfußbrüchen wurde ich einfach fallengelassen und mein Vertrag wurde aufgelöst. Ich musste in der elften Klasse die Schule und damit meine Kurse wechseln, was in Deutschland ja sehr ungewöhnlich ist. Ich war verletzt. Und ich musste mich darum kümmern, einen neuen Verein zu finden - da kam viel zusammen. Das war für mich eine sehr schwierige, aber gleichzeitig auch sehr wichtige Zeit, um zu verstehen, was es heißt, Profi zu sein.
| Zeitraum | Verein | Land |
|---|---|---|
| 2015-2020 | Brose Bamberg (Jugend) | Deutschland |
| 2015-2018 | Regnitztal Baskets (Leihe) | Deutschland |
| 2016-2020 | 1. FC Baunach (Leihe) | Deutschland |
| 2020-2023 | Medi Bayreuth | Deutschland |
| 2023-2025 | Mažeikiu M Basket | Litauen |
| 2025 | Türk Telekomspor | Türkei |
| 2025- | BC Rytas | Litauen |
Beim AST-Titel 2018 waren Sie Starter des DBB-Teams, Ihr Backup: Franz Wagner. Haben Sie damals schon gesehen, dass in ihm etwas Besonderes steckt und er mal groß rauskommen würde?
Zu der Zeit ist das natürlich schwer vorherzusehen. Er war aber schon immer ein sehr intelligenter Spieler mit einem Basketballverständnis auf einem sehr hohen Level. Zum damaligen Zeitpunkt war er mit 16 Jahren noch relativ jung und sein Körper hatte sich dementsprechend noch nicht angepasst. Wir hatten auch als Team eine Menge Potenzial: Neben Franz standen ja auch Ariel Hukporti oder Joshua Obiesie, der damals ein großes Talent war, im Kader. Viele von uns hatten Potential, Franz dementsprechend natürlich auch.
Manuel Baraniak