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Bundestrainer exklusiv
Seit Jahren hindern Verletzungen die deutsche Nationalspielerin Nyara Sabally am großen Durchbruch in der WNBA. Dabei wird der talentierten Center-Spielerin seit ihrem ersten Draft immenses Potenzial nachgesagt. Ausgerechnet nach dem nun zweiten Draft könnte diese Prophezeiung endlich Realität werden.

Die WNBA ist so deutsch wie nie! Nach dem Draft von Senkrechtstarterin Frieda Bühner gehen in der neuen Saison insgesamt fünf deutsche Spielerinnen in der besten Frauenbasketball-Liga der Welt an den Start - ein Allzeithoch! In den vergangenen Jahren hatte sich vor allem DBB-Star Satou Sabally einen Namen unter den Top-Akteurinnen der Liga gemacht. Dabei hatte in ihrem Schatten längst eine weitere Sabally ihr Unwesen getrieben: Satous Schwester Nyara.
Die knapp 1,90 Meter große Center-Spielerin war 2022 an fünfter Stelle des Drafts von den New York Liberty ausgewählt worden. Und das nicht etwa überraschend: Die kleine Sabally-Schwester gilt vor allem für ihre Größe als überaus flexibel spielbar - sowohl defensiv als auch offensiv. Dank Athletik, Spielintelligenz und soliden Wurfansätzen sagen Experten bereits seit Jahren den kommenden Durchbruch voraus.
Unterschiedliche Faktoren verhinderten bislang allerdings, dass Sabally diesen realisieren konnte. Einerseits sind hier zahlreiche Verletzungen über die Jahre zu nennen. Erst im vergangenen Jahr fehlte die gebürtige Berlinerin über acht Monate wegen Knieproblemen. Andererseits war der Fit in New York nicht ideal. In Breanna Stewart und Jonquel Jones verfügte der Meister aus dem Jahr 2024 schließlich bereits über zwei Bigs auf All-Star-Niveau. Für eine aufstrebende Konkurrentin ohne Rhythmus war da nicht mehr viel Platz.
Beide Faktoren könnten nun aber der Vergangenheit angehören. Laut ihren Trainern sei Sabally nun endlich wieder fit. In Toronto erwartet sie zudem eine deutlich vergrößerte Rolle: "Hier [in Toronto, Anm. d. Red.] ist die Situation in der Breite eine andere. Wir sind einfach nicht so viele Bigs", erklärte sie im Interview mit basketball-world.news.
Für die gebürtige Berlinerin spricht auch das Vertrauen, welches sie bei der neu gegründeten Franchise aus Kanada erhält. Trainerin Sandy Brondello und Co-Trainer Olaf Lange sind in Saballys Vita nämlich keine Unbekannten. Bereits 2022 wählte das Trainer-Pärchen die Deutsche im Draft - damals allerdings noch in Diensten der New York Liberty.
"Wir haben sie damals in New York gedraftet, obwohl wir wussten, dass sie eine Operation hinter sich hatte und das ganze Jahr nicht spielen kann", sagt Wegbegleiterin und Dauer-Trainerin Sandy Brondello gegenüber basketball-world.news. "Wir haben einfach erkannt, wie viel Potenzial in ihr schlummert."

Ihre gesamte WNBA-Karriere verbrachte Sabally bislang unter den Fittichen von Brondello und Lange - letzterer ist gar ihr Bundestrainer in der deutschen Nationalmannschaft. "Wir haben über die Zeit eine sehr enge Beziehung zueinander entwickelt", betont Lange, der wie die Nationalspielerin auch aus der Hauptstadt kommt: "Sie ist Berlinerlin, ich bin Berliner. Wir reden immer mal, wenn ich oder sie nach Hause fahre. Das schafft natürlich eine ganz andere Verbindung."
Diese Verbindung - zumindest auf dem Platz - hatte mit dem Ende der vergangenen Saison beinahe zum Ende kommen sollen. Zusammen mit seiner Partnerin und Cheftrainerin Sandy Brondello wurde Lange im Herbst 2025 von seinen Aufgaben bei den New York Liberty entbunden. Eine neue - erneut gemeinsame - Aufgabe fanden sie beim neu gegründeten Franchise Toronto Tempo, das in dieser Saison vor seiner Premierensaison steht.
Dass die gemeinsame Geschichte mit Nyara auf kanadischem Boden weitergehen sollte, war für das Trainerduo sofort eine Selbstverständlichkeit: "Als New York sie [im Expansion-Draft] nicht geschützt hat - was mir bis heute unverständlich ist -, war es natürlich klar, dass wir sie auf jeden Fall draften müssen", so Lange über die Entscheidung Torontos, Sabally direkt mit dem zweiten Pick auszuwählen. "Sie ist eine Spielerin von einer Qualität, die man nicht alle Tage bekommen kann - unabhängig von jeder Connection, ob Deutsch oder Nicht-Deutsch - sie ist einfach eine super Spielerin."
| Jahr | Spiele | MIN | PTS | FG% | REB | BLK |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 2023 | 33 | 7,9 | 2,3 | 42,4 | 2,1 | 0,2 |
| 2024 | 26 | 13,5 | 4,9 | 57,5 | 4,0 | 0,7 |
| 2025 | 17 | 17,9 | 5,4 | 48,7 | 4,5 | 1,0 |
Dem pflichtete auch Brondello bei, die auf ihr Verletzungspech in den vergangenen Jahren hinwies, und zugleich klarstellte: "Sky is the limit für Nyara." Nach vielen Jahren, in denen für die Center-Spielerin an der Konkurrenz kein Vorbekommen war, winkt ihr bei den Tempo nun endlich eine große Rolle - sehr wahrscheinlich sogar mit Starter-Minuten. Die australische Trainerin ging in ihrer Analyse vor Saisonbeginn gar noch einen Schritt weiter: "Ich glaube, sie wird eines Tages ein All-Star sein, wenn sie gesund bleibt - das zeigt, wie gut sie ist und wie sehr ich an sie glaube."
Zuvor dürfte Sabally aber zunächst langsam an das hohe Spielniveau herangeführt werden. Wenngleich Lange einen Platz in der Starting Five in Aussicht stellte, machte er klar, dass sie aufgrund der Verletzungshistorie noch unter Minutenlimit spielen werde: "Wir werden sie eher unter 30 Minuten halten - unabhängig von den Leistungen, sondern einfach, um das Knie nicht zu überlasten." Erst mit Blick auf die finale Phase der Saison könne sich das ändern.
Nyara selbst sollte das nicht weiter stören. Auch für sie sei Gesundheit freilich die oberste Priorität. Gleich danach komme aber der Teamerfolg - Debütsaison in Toronto hin oder her: "Ich weiß, bei Expansion-Teams geht es um das Aufbauen und so. Aber ich finde, das ist kompletter Quatsch", machte sie klar. "Ich bin überzeugt von der Gruppe, die wir haben. Wir sind ein sehr starkes Playoff-Team."
Nach vier durchwachsenen und aufgrund der Ausfälle teilweise auch enttäuschenden Saisons ist der Druck für Sabally groß. Ebenso aber auch die Chancen auf den so lang herbeigesehnten Durchbruch.
Julius Ostendorf