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Nationalspielerin zurück bei Bundestrainer Lange
Für die deutsche Nationalspielerin Nyara Sabally ist in der kommenden Saison vieles anders: neues Team, neues Zuhause und neue Rolle. Unverändert sind jedoch ihre Trainer geblieben. Im exklusiven Interview spricht die 26-Jährige über ihr enges Verhältnis mit dem Trainerpaar Brondello/Lange, den Umstand, dass sie Schwester Satou in New York verpasst sowie ihre Ziele für die neue Saison.

Wir treffen Nyara Sabally im Goldring Centre in Toronto, das zum Sportkomplex der University of Toronto gehört. Das hochmoderne Trainingszentrum der neu gegründeten Tempo-Franchise befindet sich noch bis ins kommende Jahr hinein im Bau. Die gesamte 2026er Spielzeit über werden sich die WNBA-Stars ihre Trainingshallen mit den Teams der hiesigen Studierenden teilen.
Für die deutsche Nationalspielerin Sabally ist es die zweite Station ihrer Karriere in der nordamerikanischen Profiliga. Vor dem Expansion-Draft vor einigen Wochen, indem sie von den Toronto Tempo ausgewählt wurde, ging sie über vier Jahre bei den New York Liberty auf Korbjagd.
Frau Sabally, Sie wurden im Expansion-Draft der WNBA von dem neuen Klub Toronto Tempo ausgewählt und mussten die New York Liberty damit zwangsweise verlassen. Wie sind Sie mit der Nachricht umgegangen?
Sabally: Es war ein bisschen wild. Ich hatte gemischte Gefühle: Einerseits wollte ich natürlich in New York bleiben. Da habe ich mich wohlgefühlt, es war mein Zuhause. Aber andererseits ist es auch richtig geil, so eine Chance zu bekommen - besonders, weil es Toronto mit Sandy [Brondello, Anm. d. Red.] und Olaf [Lange, Anm. d. Red.] war.
Das hat den Schock sicherlich etwas gemildert …
Sabally: Ja, genau. Ich war immer noch hin und hergerissen. Man fühlt sich in einer Stadt wohl, kennt und schätzt die Leute und will nicht weggehen. Aber das gehört zu diesem Sport dazu. Nachdem sich der erste Schock gelegt hatte, habe ich mich auch freuen können. Ich verstehe es als Lob, ausgewählt zu werden - zumal sie [Sandy Brondello und Olaf Lange, Anm. d. Red] mich auch in New York trainiert haben. Außerdem ist es das erste Team in Kanada. Die Unterstützung hier ist sehr groß - das fühlt man sofort.

Brondello und Lange haben sie jetzt nach 2022 bei den Liberty also bereits zum zweiten Mal gedraftet ...
Sabally: Es scheint, als werde ich die beiden einfach nicht los (lacht). Olaf ist ja auch noch Trainer der deutschen Nationalmannschaft.
Aber Spaß beiseite: Ich habe eine wirklich tolle Beziehung zu den beiden - auch abseits des Feldes. Sie sind einfach super Menschen und eine super Familie. Sie passen in jeglicher Hinsicht sehr gut auf mich auf.
Ausgerechnet nach ihrem Abgang aus New York hat sich ihre Schwester Satou den Liberty angeschlossen. Wie haben Sie darauf reagiert?
Sabally: Ich wusste das schon. Sie hatte mir von den Gesprächen natürlich erzählt. Klar hätte ich mir gewünscht, mit Satou zusammenzuspielen. Aber so ist es jetzt nun mal. Für sie ist New York jetzt einfach passender und da freue ich mir für sie. Das ist ein super Franchise, bei dem sie ihr Ding machen wird.
Haben Sie noch versucht, Satou von Toronto zu überzeugen?
Sabally: Ja, ich habe es noch versucht (lacht). Aber jetzt sind wir immerhin näher beieinander. New York und Phoenix letztes Jahr waren wirklich kein Katzensprung. Also hat das trotzdem noch sein Gutes.
Kommen wir zum Sportlichen. Ihre Rolle in New York war primär auf Einsätze von der Bank beschränkt. Ändert sich das nun in Toronto?
Sabally: Ich bekomme definitiv eine größere Rolle als in New York. Dort war es hinter JJ [Jonquel Jones, Anm.] und Stewie [Breanna Stewart] ein bisschen schwer. Hier ist die Situation in der Breite eine andere. Wir sind nicht so viele Bigs. Daher freue ich mich darauf, so eine größere Rolle zu haben und dass sie das Vertrauen in mich setzen.
Sie hatten in den vergangenen Jahren viel mit Verletzungen zu kämpfen. Ihre Trainer trauen in der neuen Saison Großes zu …
Sabally: Mein Ziel ist es immer, gesund zu bleiben. Außerdem muss ich mich in der neuen Rolle zurechtfinden. Dann kann ich den nächsten Schritt gehen. Als Team wollen wir natürlich so gut wie möglich abschneiden. Ich bin davon überzeugt, dass wir eine richtig gute Gruppe beisammenhaben - ich finde sogar ein sehr starkes Playoff-Team. Aber klar: Man muss erstmal sehen, wie wir uns zusammenfügen.
Die Franchise steht vor ihrer Premierensaison. Da werden die Playoffs bereits so klar kommuniziert?
Sabally: Auf jeden Fall. Das ist natürlich immer das Ziel. Man hat gesehen, was Golden State letztes Jahr gemacht hat. Bei Expansionsteams sagt man zwar immer erstmal, dass sie aufbauen müssen. Aber das ist meiner Meinung nach kompletter Quatsch. Besonders mit einem so guten Kader, guten Coaches und gutem System.
Interview von Julius Ostendorf