vor 7 Stunden
Drei Spiele, drei hohe Niederlagen
Die neue BBL-Saison ist zwar erst drei Spiele alt, in Jena dürften aber schon heute die Alarmglocken leise läuten. Die Niederlagenserie zu Saisonbeginn ist nur das Ergebnis eines verfehlten Sommers.

Drei Spiele, drei krachende Niederlagen. Der zweite Bundesliga-Saisonstart ist für Science City Jena gehörig schiefgelaufen. Gegen Frankfurt (Pokal), Weißenfels und Trier (beide Liga) blieben die Thüringer nicht nur sieglos, sondern verloren alle Duelle sogar sehr deutlich mit im Schnitt 20 Punkten Unterschied. Dabei sind insbesondere der MBC und die Skyliners Teams, die vom Abstiegskampf ebenfalls nicht weit entfernt sein sollten. Mit Trier war Jena zudem erst im Vorjahr gemeinsam aufgestiegen.
Dabei hakt es, wie so oft, an beiden Enden des Parketts. Auch in der vergangenen Saison waren die Wissenschaftsstädter nicht für ihre erstickende Defensive bekannt. Letztlich war es jedoch die Offensive, die den Klassenerhalt sicherte. Man profitierte dabei von vielen guten Transfers. Youngster Great Osobor zeigte bis zu seiner folgenschweren Verletzung vielversprechende Leistungen. Aufgefangen wurde der Ausfall dann insbesondere von Joe Wieskamp, der nicht nur ebenfalls einen MVP-Case für sich aufmachte, sondern zu einer echten Lebensversicherung für Jena wurde.
Wieskamp schloss sich im Sommer bekanntermaßen dem deutschen Meister Alba Berlin an. Auch die gesamte weitere internationale Rotation wurde ausgetauscht. Eine Entscheidung, die in der BBL keineswegs untypisch ist, aber dennoch seine Risiken mit sich trägt.
Im Falle von Jena lief der Umbruch eher unglücklich vonstatten. In einer Guard-lastigen Liga wie der BBL ist die Verpflichtung eines Scoring-starken Aufbauspielers bekanntermaßen eine Schlüsselpersonalie. Mit Erick Neal wähnte sich Jena auch einen solchen gefunden zu haben - ehe sich der "Guard of the Year" Saudi-Arabiens spät im Sommer dann doch gegen den Wechsel entschied.
Die Lücke füllte Isaiah Moses. Dass Jena vom US-Amerikaner aber nicht in gleicher Weise überzeugt war, äußerte sich allein schon im zunächst ausgehandelten Probevertrag. Bislang ist der Point Guard auch tatsächlich noch nicht wirklich in der Liga angekommen. 5,6 Punkte brachte er bislang pro Spiel aufs Tableau - eindeutig zu wenig, um ein BBL-Team als Starting-Point-Guard anzuführen.
Aber freilich liegen die Probleme in Jena noch tiefer. Die deutsche Rotation, die weitgehend unverändert blieb, agiert bislang weit unter ihren Möglichkeiten. Fünf der sechs schlechtesten Scorer der ersten drei Spiele besitzen die deutsche Staatsbürgerschaft. Es müssen also jene Ausländer richten, die allesamt erst kürzlich zusammengewürfelt wurden.
Die Saison ist zwar noch lang und viele Schlachten zu kämpfen, doch sollte es mit dem erneuten Klassenerhalt klappen, müssen sich die Thüringer in vielen Bereichen verbessern. Ein kleiner statistischer Ausschnitt (im Ligavergleich): Platz 18 in erzielten Punkten, Platz 17 in erzielten Dreiern, Platz 17 im Net-Rating, Platz 15 in Rebounds. Letzteres war noch im Vorjahr die große Stärke des Klubs.
Nach der ernüchternden BBL-Auftaktniederlage erklärte Neu-Trainer Steven Esterkampf vielsagend, man müsse "grundsätzlich besser werden". Die Vielzahl der Baustellen ist offensichtlich. Es bleibt die Frage, ob auf den entscheidenden Positionen überhaupt die nötige Qualität vorhanden ist.
Gegen Rasta Vechta muss das Team das nun unter Beweis stellen. Dafür scheint sich der ideale Zeitpunkt anzubieten: Vechta fehlen mit Kuhse und Sabally zwei Leistungsträger. Nach einer strapaziösen BCL-Qualifikation verlor das Team dann zuletzt auch seine beiden Bundesligapartien deutlich. Kleiner macht das die Drucksituation für Jena jedoch nicht.
Julius Ostendorf