vor 14 Stunden
Science City in der Offseason-Analyse
Den Klassenerhalt schaffte Jena nach Aufstieg in der vergangenen Saison dramatisch knapp. Mit runderneuerter US-Rotation sowie einem Pro-A-Erfolgstrainer soll das wieder gelingen. Der unglückliche Abgang eines Schlüsseltransfers wirft allerdings Fragen auf.

Mit der Verabschiedung all seiner ausländischen Spieler hatte Science City Jena nach Ablauf der vergangenen Spielzeit für Aufsehen gesorgt - wenngleich das für einen Bundesligisten längst keine Seltenheit ist. Stolz dürfte man an der Saale stattdessen darauf sein, dass die deutsche Rotation in ihrer Gänze erhalten geblieben ist.
Mit Youngster Raphael Falkenthal kehrte zudem ein Jenenser Eigengewächs nach Bremerhaven-Leihe zurück an die Kernberge. Mit im Gepäck hatte der junge Point Guard aber noch eine weitere Schlüsselpersonalie: Trainer Steven Esterkamp, mit dem er in der vergangenen Pro-A-Saison den Bundesliga-Aufstieg nur knapp verpasste.
Der Basketballlehrer soll Science City in der kommenden Saison nicht nur mehr Kontinuität verliehen, sondern auch eine Teambasketball-geprägte Identität einimpfen. Die starzentristische Offensivausrichtung unter Harmsen soll überwunden werden. Dafür bekommen die Thüringer jede Menge Youngster-Power: Mit Pierre Brooks II., Terrence Edwards und Isiah Moses stehen den vielen Abgängen drei Scorer gegenüber.
Zugänge: Raphael Falkenthal (Leihende, Bremerhaven), Jemarl Baker Jr. (Bremerhaven), Ira Lee (Ramat haScharon), Terrence Edwards Jr. (Saratov, bis 2027), Pierre Brooks II. (Ruvo di Puglia), Tanner Stuckman (Levice), Isaiah Moses (Perth)
Abgänge: Joe Wieskamp (Berlin), Uchenna Iroegbu, Chris Carter (Gießen), Keith Braxton, Great Osobor, Jack Pagenkopf (Juventus), Will McNair (AS Vikos), Javon Franklin

Moses wurde erst spät verpflichtet und soll das Loch füllen, das der überraschende Abgang von Star-Transfer Erick Neal aufgemacht hatte. Der "Guard of the Year" in Saudi-Arabien hatte sich aus persönlichen Gründen gegen einen Wechsel nach Jena entschieden. Moses band das Team kurioserweise vorerst nur bis Mitte September - mit Option auf Verlängerung. Ideal ist diese Situation, zumal der Saisonstart bevorsteht, damit definitiv nicht.
Ebenfalls Fragen wirft die große Rotation auf. Routinier Alex Herrera stellten die Kaderplaner den jungen Ira Lee an die Seite, der zuletzt in der zweiten israelischen Liga aktiv war. Mit 2,06 Meter sind beide Bigs die größten Spieler in einem Team, das sich ansonsten nicht durch Größe auszeichnet. Das könnte durchaus zum Problem werden.
| Datum | Heim | Auswärts | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| 15.8. | BG Göttingen | Science City Jena | 101:96 |
| 23.8. | Niners Chemnitz | Science City Jena | 98:92 |
| 25.8. | Würzburg Baskets | Science City Jena | abgesagt |
| 30.8. | Science City Jena | Slask Wroclaw (POL) | 87:87 |
| 4.9. | Science City Jena | Nitra Blue Wings (SVK) | 99:66 |
| 5.9. | Science City Jena | Nürnberg Falcons | 98:60 |
Die Vorbereitung lief für Jena eher durchwachsen. Zum Auftakt, der freilich nicht überbewertet werden muss, fingen sich die Thüringer gar gegen Zweitligist Göttingen über 100 Punkte und eine Niederlage. Die Formkurve zeigte im Verlaufe des Monats August nach oben.
Unter neuem Trainer und neuem Spielstil muss sich die Mannschaft natürlich erstmal finden. Die Einarbeitung in solche Systeme erfordert Zeit. Dennoch wirkt gerade die Point-Guard-Rotation mit Youngster Falkenthal und Neuzugang Moses sehr dünn. Die BBL gilt nicht umsonst als Guard-Liga.
Ein Blick in die Glaskugel ist bei sieben Neuzugängen nur schwer umzusetzen. Klar dürfte aber sein, dass am Kampf gegen den Abstieg in der nächsten Spielzeit nur wenig vorbeigehen wird. Dass es mit Hagen auch nur einen Aufsteiger gibt, spielt da nicht in die Karten.
jos