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    Basketball - EuroLeague

    vor 13 Stunden

    Neues Team hat sich noch nicht gefunden

    Was Gavels kurioser Wechselverzicht in Istanbul tatsächlich offenbarte

    In den letzten 13 Minuten bei Besiktas Istanbul wechselte Anton Gavel kein einziges Mal mehr. Seine Comeback-Fünf holte einen Rückstand von 28 Punkten auf und verlor am Ende trotzdem mit 87:95. Warum der Bayern-Trainer an dieser Gruppe festhielt und was das über seine Suche nach der richtigen Rotation verrät.

    Anton Gavel
    Anton Gavel sucht noch nach den richtigen Rotationen. IMAGO/PS Images

    Als Andreas Obst 3:25 Minuten vor dem Ende des dritten Viertels zwei Freiwürfe zum 47:69 verwandelte und anschließend auf der Auswechselbank Platz nahm, hatte der Münchner Führungsspieler - wahrscheinlich unwissend - seine letzte Minute in Istanbul gespielt. Für ihn kam Vladimir Lucic aufs Parkett. Damit stand jene Fünf auf dem Feld, die die Bayern bis zur Schlusssirene nicht mehr veränderten: Kamar Baldwin, Justinian Jessup, Lucic, Oscar da Silva und Johannes Thiemann. Letztere zwei würden sogar 16 Minuten durchweg auf dem Feld bleiben.

    Lange ging die Rechnung auf. Bis zum 75:75, das Lucic gut sechs Minuten vor Schluss per Dreier samt Bonusfreiwurf herstellte, gewann diese Formation ihren Abschnitt mit 28:6. Da Silva blieb bei sieben Versuchen aus dem Zweierbereich fehlerfrei, Lucic kam auf 17 Punkte und mit einem Effizienzwert von 28 auf den Münchner Bestwert.

    Gavel über ausbleibende Wechsel: "Hatten es verdient, das Spiel zu beenden"

    Dann kippte die Partie zurück. Scottie Wilbekin (20 Punkte) traf in der Schlussphase zwei Dreier und ein Dreipunktspiel, Jaylen Nowell (21) und Conor Morgan legten nach. Die Bank mit Obst, Duane Washington und MarJon Beauchamp blieb sitzen, und Besiktas gewann die letzten sechs Minuten mit 20:12.

    Hätte Gavel in dieser Phase seine tiefbesetzte Bank zurück ins Spiel bringen müssen, wurde der Bayern-Trainer später gefragt. "Die Jungs im letzten Viertel haben für uns funktioniert", erklärte er. "Sie haben uns zurück ins Spiel gebracht, wir haben ausgeglichen, und wir dachten, das ist die Gruppe, nach der wir gesucht haben."

    Zugleich räumte Gavel ein, dass Wechsel am Ende vielleicht doch die klügere Entscheidung gewesen sein könnten. "Aber hinterher sind wir immer schlauer", fügte er hinzu. Die Gruppe, die das Comeback schaffte, habe es eben auch verdient gehabt, das Spiel zu beenden. Nach über einer Viertelstunde Dauereinsatz ging derselben Fünf in der Crunchtime jedoch zunehmend die Puste aus. Mit Wilbekin hatten die Türken zudem den Matchwinner in ihren Reihen, der sein Team mit zwei Dreipunktspielen auf die Siegesstraße brachte.

    Sechs Spiele, fünf Startformationen

    Eine erfolgreiche Aufholjagd brachte Gavels gewagtes Experiment zwar knapp nicht, dafür weiteren Zündstoff in der ausstehenden Frage nach der richtigen Rotation. In sechs EuroLeague-Partien schickte der Ex-Nationalspieler nun fünf verschiedene Startformationen aufs Parkett, nur in Tel Aviv und bei Fenerbahce kam dieselbe Fünf von Beginn an zum Einsatz. Feste Größen sind lediglich Obst und Center Austin Wiley, die in allen sechs Spielen von Beginn an auf dem Feld standen, in der Schlussphase gegen Besiktas aber ebenfalls keinerlei Rolle mehr spielten.

    Wie extrem Gavel teilweise rotiert, zeigt das Beispiel Rokas Jokubaitis. Der litauische Guard war in der Vorwoche gegen Bologna nur zu einem Kurzeinsatz gekommen. Am Mittwoch bei Efes traute ihm der Trainer dann den Schlüssel zum Spielaufbau in der entscheidenden Spielphase an, was dieser mit dem Siegtreffer belohnte. Gegen Besiktas saß der Point Guard dann in Trainingskleidung an der Seitenlinie - ohne Einsatz. Wenngleich Jokubaitis' Fehlen am Freitagabend infolge seiner Langzeitverletzung auch Belastungssteuerung zugrunde liegen könnte, lässt sich dasselbe Beispiel auch wahllos auf viele weitere Münchner Akteure anwenden.

    Selbst da Silva, der bislang einen starken Start in die neue Saison erwischte, ist sich seiner Spielzeit bisher unsicher. Bei Bologna avancierte der Nationalspieler mit 18 Punkten zum wahrscheinlich besten Münchner. Bei Efes im darauffolgenden EuroLeague-Spiel bekam er dann nur noch neun Minuten zu sehen, ehe er nun gegen Besiktas wieder eine Schlüsselrolle innehatte.

    Gavel versucht viel, ist bei seiner Suche nach der richtigen Rotation aber augenscheinlich noch nicht weit vorangekommen. Die zweite Hälfte gegen Besiktas stellte das nochmal eindrucksvoll unter Beweis: Eine in diesem Moment funktionierende Fünf zog er allen anderen Kombinationsmöglichkeiten mitsamt der individuellen Klasse einzelner Spieler vor!

    Die Startformationen des FC Bayern in der EuroLeague 2026/27

    SpieltagGegnerErgebnisStartformation
    1Hapoel Tel Aviv (A)86:84 (S)Hollatz, Obst, Beauchamp, Norris, Wiley
    2Fenerbahce Istanbul (A)76:100 (N)Hollatz, Obst, Beauchamp, Norris, Wiley
    3Partizan Belgrad (H)84:86 (N)Baldwin, Obst, Lucic, Thiemann, Wiley
    4Virtus Bologna (H)87:94 (N)Hollatz, Obst, Lucic, Thiemann, Wiley
    5Anadolu Efes Istanbul (A)101:93 (S)Baldwin, Obst, Beauchamp, Thiemann, Wiley
    6Besiktas Istanbul (A)87:95 (N)Baldwin, Obst, Beauchamp, Norris, Wiley

    Gavel hat seine Topspieler noch nicht entfesselt bekommen

    Mindestens so viel Kopfzerbrechen dürfte Gavel jener Umstand machen, dass es ihm noch nicht gelungen ist, seine wichtigsten Punktesammler zu entfesseln. Obst kommt im Schnitt auf 11,5 Punkte, doch der Durchschnitt täuscht. In den beiden EuroLeague-Siegen erzielte der Nationalspieler 19 und 20 Punkte, in den vier Niederlagen zusammen gerade mal 30.

    Washington war zwar bislang der verlässlichste Scorer, dennoch ist der Guard zuweilen sehr fehleranfällig und steht wie kein anderer für den jüngst von Gavel gerügten "Hero Ball", der einige der vergangenen Niederlagen zu verantworten hatte.

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    Noch überhaupt nicht im europäischen Basketball angekommen ist zudem Beauchamp. Der ehemalige NBA-Spieler wirkt teilweise unkonzentriert (acht Ballverluste in den vergangenen drei Spielen) und hat seinen Wurf noch immer nicht gefunden (29,4 Prozent Dreier).

    Bei Besiktas kam das Trio, das im Schnitt zusammen rund 37 Punkte beisteuert, auf 14 Zähler bei 4 von 15 Würfen aus dem Feld. Zwar funktionierte Gavels späterer Plan, auf das Trio gänzlich zu verzichten, mittelfristig werden sich so aber (ebenfalls) kaum Spiele gewinnen lassen.

    Klar ist: Die Saison ist noch jung und Schwarzmalerei kommt deutlich zu früh. Dennoch muss Gavel schnellstens Fortschritte auf der Suche nach einer funktionierenden Rotation machen. Zeit für Experimente bleibt kaum: Bereits am Sonntag sind die Bayern zum Pokal-Achtelfinale in Hamburg gefordert. Danach geht es gegen das formstarke Dubai in der Königsklasse weiter.

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    Julius Ostendorf