vor 3 Stunden
Dubs träumen groß
Die Golden State Warriors träumen schon länger davon, ihre alten Hasen gemeinsam mit LeBron James auf ein letztes Abenteuer zu schicken und noch eine Championship zu gewinnen. Nun soll sogar Anthony Davis noch Teil dieses Plans sein. Aber wie realistisch wäre ein Titelgewinn der Altstars wirklich?

Ein letzter gemeinsamer Ritt von LeBron James, Stephen Curry und Draymond Green in den Sonnenuntergang hätte schon etwas Episches. In den 2010er Jahren duellierten die drei sich über vier Finals-Serien in Folge, als James noch im Trikot der Cavs auflief. Die Verpflichtung von Kevin Durant machte die damalige Rivalität dann zwar sehr einseitig, legendär waren die Duelle aber dennoch.
Das letzte Finals-Duell ist mittlerweile acht Jahre her und die Stars, die damals in ihrer Prime waren, gehören heute zu den Oldies der Liga. James ist mit 41 Jahren der älteste Spieler, Curry folgt ihm mit seinen 38 Lenzen nicht weit dahinter. Auch Green ist das Alter mittlerweile in seinem Bart anzusehen, mit 36 Jahren wirkt er im Vergleich zu LBJ aber fast noch jugendlich.
Die Gerüchte um einen Wechsel von James nach Golden State schwirren dabei schon seit Jahren durch die Liga, wirklich konkret wurde es aber erstmals zur Trade Deadline 2024. Damals gab der Meister von 2022 sogar ein Angebot ab, die Lakers schoben einem Wechsel jedoch einen Riegel davor. Ein solcher Trade wäre sie damals teuer zu stehen gekommen, mehr als zwei Jahre später ist die Situation aber eine andere: James ist zum ersten Mal in seiner Karriere UFA und kann seine Zukunft ganz frei bestimmen.
Kaum verwunderlich also, dass seit dem Lakers-Aus in den Playoffs viel über seine Zukunft spekuliert wird. Mittlerweile scheint klar, dass es drei realistische Möglichkeiten gibt: 1.: Er verlängert bei den Lakers. 2.: Er schließt sich den Warriors an. Oder 3.: Er kehrt zu den Cavs zurück. Option Nummer drei scheint aktuell die unwahrscheinlichste und mit einem fehlenden Bekenntnis von James zu den Lakers wächst wohl die Hoffnung der Warriors.
Und diese probieren wohl alles. Laut Kevin O'Connor von Yahoo Sports will Golden State James mit einem geschickten Lockversuch in die Bay Area lotsen. Der Plan sieht wie folgt aus: Anthony Davis per Trade von den Washington Wizards nach Golden State holen und LeBron im Anschluss als Free Agent zu einer Unterschrift bewegen. Dafür müssten die Warriors zwar Jimmy Butler abgeben, möglich wäre so ein Trade aber ohne weiteres. Draymond Green hat zumindest schon einmal seine Spieler-Option nicht gezogen, das hilft schon einmal enorm.
LeBron würde dabei zwar deutlich unter seinen maximalen Bezügen bleiben, am Ende aber dennoch bei rund 15 Mio. Dollar landen, was deutlich mehr sein dürfte als das, was die Lakers ihm bieten wollen. Zumal Gehalt für den wohl reichsten Spieler der Liga ja ohnehin in seiner vielleicht letzten Saison kein Beweggrund mehr sein sollte ...
Nehmen wir also mal an, die Warriors zögen den Trade für AD tatsächlich durch, wäre die Versuchung für James sicherlich noch mal deutlich groß. Er würde nicht nur mit seinen Buddies Curry und Green zusammenspielen, mit denen er bei Olympia stets harmonierte, sondern auch noch einmal gemeinsam mit AD auflaufen, der einst sein designierter Nachfolger bei den Lakers war. Nimmt man jetzt noch hinzu, dass die Warriors erst kürzlich mit Al Horford verlängert haben und laut Marc Stein und Jake Fischer wohl mit Kristaps Porzingis verlängern, könnte es in Golden State bald ein Legenden-Team geben, das in der NBA-Geschichte seinesgleichen sucht.
Während sich die NBA aufgrund der Einschaltquoten die Hände reiben dürfte, bleibt jedoch eine wichtige Frage: Kann dieses Oldie-Team wirklich etwas reißen?

Um das zu beantworten, müssen wir uns den potenziellen Kader dieses Legenden-Teams mal genauer anschauen. Curry auf Point Guard ist natürlich gesetzt, genau wie James auf Small Forward, Green auf Power Forward (wenn er bleibt) und Anthony Davis als Center. In diesem Fall wäre die Shooting-Guard-Position vakant. Aktuell scheint dort Brandin Podziemski gesetzt, der Guard ist aber schon länger nicht unumstritten.
Zumal natürlich auch möglich wäre, dass die Lakers einfach eine komplett Oldie-Starting-Five aufstellen. In diesem Fall würde James, die gefühlt jede Position auf dem Court spielen kann, auf SG rücken und Porzingis als Center auflaufen. Dadurch würde AD zurück auf die Vier rutschen, was ja ohnehin seine liebste (wenn auch nicht beste) Position ist.
Die zweite Garde würde dann nach aktuellem Stand aus Podziemski, Horford, Moses Moody, Gui Santos, Will Richard und Rookie Yaxel Lendeborg bestehen. Das klingt erstmal recht mau, hier wollen die Warriors aber noch zulegen. Berichten zufolge haben sie in der Free Agency Big Man Jock Landale sowie die Guards Anfernee Simons und Collin Sexton im Blick, die allesamt viel Erfahrung mitbringen würden, was in diesem Team ja einer der wichtigsten Faktoren zu sein scheint.
| PG | SG | SF | PF | C |
|---|---|---|---|---|
| Stephen Curry | LeBron James | Draymond Green | Anthony Davis | Kristaps Porzingis |
| Brandin Podziemski | Moses Moody | Gui Santos | Yaxel Lendeborg | Al Horford |
| Will Richard |
Kommen wir aber noch mal auf die Legenden-Starting-Five zurück. Während alle fünf Spieler individuell zu den besten ihrer Zunft gehör(t)en, kommen in der Kombination schon einige Fragen auf. Außer Curry bringen alle enorme Länge mit, schnelle athletische Guards kann aber niemand in diesem Team verteidigen. Green, James und Davis gehörten in ihren besten Jahren zu den besten Verteidigern der Liga, besonders fußschnell ist aber keiner der drei mehr. Wie schnell sich so etwas rächen kann, haben wir erst jüngst bei den Nuggets erlebt, die von den Playoffs von den pfeilschnellen Guards der Wolves aufgefressen worden sind.
Auch offensiv bleiben viele Fragezeichen. Curry wäre der einzige wirklich gefährliche Shooter in der Starting Five, bei allen anderen war der Trend über die vergangenen Jahre eher rückläufig. Davis hat gefühlt seit dem Bubble-Titel keinen Dreier mehr getroffen und aus dem restlichen Trio knackte in der Vorsaison keiner die 32-Prozent-Mark von Downtown. Selbst wenn man Porzingis rausrechnet und mit einem echten Shooter auf der Zwei ersetzt, droht das Feld doch schon sehr klein zu werden.
Spannend wäre es aber natürlich allemal. James ist trotz seines hohen Alters einer der besten Passer der Liga und würde sich mit Green regelmäßig um die schönsten Assists des Teams streiten. Zudem würde Curry auch viel Playmaking-Last an LeBron abgeben und mehr als Spot-Up-Shooter in Erscheinung treten, was ihm noch mehr einfache Würfe generieren würde. Man darf auch nicht vergessen, dass die Warriors mit einem fitten Jimmy Butler ein richtig gutes Basketball-Team waren, ohne dabei eine vernünftige Bank zu haben.
Was aber natürlich bleibt, ist das Thema Verletzungsanfälligkeit. Selbst der unverwüstliche LeBron verpasst in den letzten Jahren immer wieder 20+ Spiele, die Probleme von AD und Porzingis sind zudem längst bekannt. Auch Curry stand aber 2025/26 nur in 43 Spielen auf dem Parkett und schlug sich immer wieder mit altersbedingten Wehwehchen rum. Dass der wichtige Kern dieses Legenden-Teams wirklich pünktlich zu den Playoffs fit und eingespielt wäre, ist daher kaum vorstellbar.
Und selbst wenn, muss man schon an große Wunder glauben, will man dieses Team wirklich um einen Titel mitspielen sehen. Die Thunder und Spurs haben zuletzt eindrucksvoll gezeigt, dass sie im Westen die Teams sind, die es zu schlagen gilt, mit der Qualität der Youngster können die Oldies schlichtweg nicht mithalten. Aufgrund der Umbrüche in Minnesota, L.A. und potenziell in Denver ist allerdings dahinter viel offen und es wäre nicht undenkbar, würden die Legenden-Warriors sich den Heimvorteil sichern. Viel mehr als das Erreichen der Semifinals scheint daher undenkbar. Gerne sehen würden wir's aber doch trotzdem alle gerne.
Gianluca Fraccalvieri