vor 41 Minuten
5 Breakout-Kandidaten zur neuen Saison
Dass die Besten immer besser werden, gehört irgendwie dazu. Aber wer überrascht? Wer spielt die ganz große Saison, ohne dass er damit Erwartungen erfüllt? Spielt sich beispielsweise Matas Buzelis in All-Star-Sphären? Trotzt Scoot Henderson Portlands Guard-Dichte und erfüllt Versprechen aus dem April? Bekommt Giannis Antetokounmpo in Miami unerwartete Hilfe? Fünf Breakout-Kandidaten für die neue Saison.

Bereits in Jahr zwei machte Matas Buzelis einen ansehnlichen Sprung. Seinen Punkteschnitt verdoppelte er fast. Gleichzeitig spielte Buzelis effizienter, griff sich außerdem mehr Rebounds. Die Verbesserung war spürbar. Und dennoch bestehen gute Chancen, dass sie in Jahr drei noch deutlicher ausfallen.
Für einen Menschen von 2,08 Metern Länge ist Buzelis unglaublich explosiv und beweglich. So kam er gerade in Jahr zwei immer wieder in die Zone, manövrierte sich durch Eurosteps und Geschwindigkeitswechsel an Gegenspielern vorbei. Das Problem: mit laut Cleaning the Glass 64 Prozent am Ring schafft es Buzelis unter Forwards nur ins 42. Perzentil. Dass er für einen, der regelmäßig Richtung Zone geht, sehr überschaubare 3,1 Freiwürfe zog, illustriert den Hebel zusätzlich.
Buzelis ist schmal. Sehr schmal. Einerseits begünstigt das seine fluiden, schnellen Bewegungen, andererseits hindert ihn seine Statur daran, beim Zug zum Korb Kontakt zu absorbieren. Oder hinderte? Über den Sommer besuchte Chicagos Forward regelmäßig den Kraftraum und wirkt nun tatsächlich kräftiger. Womöglich ein großer Schritt zu mehr Balance bei Kontakt.
Ein weiterer Schritt: der Wurf. Über seine Karriere trifft Buzelis 35,3 Prozent seiner Dreier. Vergangene Saison sackten die Quoten nach gutem Start auf 34,9 Prozent ab. Auch daran arbeitete der Forward; und das mit einem, der laut eigener Aussage Bälle recht gut in Körbchen schmeißen konnte. Um an seinem Wurf zu feilen, verbrachte Buzelis Teile seines Sommers mit Dirk Nowitzki. Nicht der schlechteste Lehrer, wenn es darum geht, passende Winkel zu finden und auch dann zu treffen, wenn eigentlich die Balance fehlen sollte.
Finden auch Nummer-4-Pick Caleb Wilson und dessen Aufmerksamkeitssog sowie Chicagos neuer Coach Tiago Splitter und dessen guter Ruf als Spielerentwickler ihren Weg in die Gleichung, lässt sich durchaus für einen weiteren Sprung für Buzelis argumentieren. Zumal Splitter in Portland Deni Avdija unterrichtete, wie er mit, zugegeben, mehr Masse, Geschwindigkeit, Handling und Richtungswechseln in die Zone, an die Freiwurflinie und am Ende ins All-Star Team kommt…

Als Guard schenkst du den Spurs nicht ohne Weiteres 31 Punkte ein, triffst dabei 64,7 Prozent deiner Würfe sowie fünf deiner neun Dreier und gewinnst Spiel zwei deiner Playoff-Serie dann auch noch. Scoot Henderson gelang es dennoch. Wer während der vergangenen Postseason gegen die Spurs mehr Punkte zusammenbrachte? Jalen Brunson, Anthony Edwards, Shai Gilgeous-Alexander und OG Anunoby.
Damit befindet sich Henderson in Gesellschaft derer, die zu Beginn seiner Karriere erreichbar zu sein schienen. Die er in drei Jahren jedoch nie wirklich erreichte. Vergangene Saison zwang den Guard eine Verletzung am hinteren Oberschenkel zu vier Monaten Pause. Nach seiner Rückkehr brauchte Henderson ein wenig, entwickelte aber dann eine Stärke, die ihm im neuen Backcourt der Blazers durchaus helfen könnte.
Im März traf der Guard 40,7, im April 38,7, während der Playoffs sogar 46,4 Prozent seiner durchschnittlich 5,6 Dreier. Henderson galt und gilt nicht als Scharfschütze, die Entwicklung scheint jedoch bereits in die richtige Richtung zu zeigen. Nun hat er mit Damian Lillard einen hervorragenden Lehrmeister an seiner Seite. Zumal Henderson bereits bewiesen hat, wie gut er aus dem Dribbling hochgehen kann, dass er den Ball gleichzeitig nicht permanent benötigt, um punkten zu können.

Dass er zudem mit viel Energie verteidigt, könnte sich zwischen Lillard, Jrue Holiday und Ja Morant ebenfalls als Vorteil erweisen. Neben den beiden Offensivkünstlern (Lillard und Morant) benötigen die Blazers dringend jemanden, der am Ball Druck machen kann. Womöglich bekommt Henderson daher mehr Spielanteile, als Berichte über große Rollen für Lillard und Morant erahnen lassen.
Wichtig ist die Gesundheit. Über seine drei Jahre bremsten Verletzungen Henderson immer wieder ein. Zudem muss der Guard lernen, seine Explosivität gewinnbringender zu nutzen. Henderson kann das Spiel lenken, um dann aber wieder wildeste Pässe ins Nichts zu feuern. Ebenso kann er zum Korb kommen, um dort den Ball an den Ring zu setzen.
Nur 57 Prozent seiner Würfe traf Henderson vergangene Saison laut Cleaning the Glass direkt am Ring, womit er sich unter Point Guards im 25. Perzentil befindet. Über den Sommer scheint Henderson noch mal an seiner Athletik gearbeitet zu haben. Schließt er direkt am Korb verlässlicher ab, befindet er sich am Ende der Saison womöglich häufiger in Gesellschaft der Besten…
Knapp 40 Prozent von draußen, dazu 9 Rebounds und 1,1 Blocks - und das in nur 22,1 Minuten. Dazu geschmeidige Bewegungen, ausgeführt von einem 2,13 Meter langen Körper. Weshalb die Bucks Kel’el Ware wollten, nachdem sie mit einem rohen, extrem langen, dennoch beweglichen Ausnahmeathleten bereits beste Erfahrungen gemacht haben, ist verständlich.
Nun ist Ware sicher nicht gleich Giannis Antetokounmpo - und dass Erik Spoelstra seinen Big Man in zwei Jahren nie mehr als gut 22 Minuten pro Spiel auf den Court schickte, hat Gründe. Wares Antrieb gilt nicht als der stärkste, was Spoelstra mitunter frustrierte und die Spielanteile des Bigs reduzierte. Für eine Franchise im Neuaufbau - und das sind die Bucks nach dem Giannis-Trade - lohnt sich der Versuch dennoch.
Wichtig wird sein, dass Ware mehr Drive entwickelt als in Miami. Das legt die Basis. So oder so dürften Milwaukee seinem Neuen mehr Zeit auf dem Court zugestehen und davon auf lange Sicht profitieren.
In 29 Spielen durfte Ware während seiner Karriere bislang 30 Minuten ran. Ergebnis: 16,2 Punkte, 12,2 Rebounds, 2,2 Blocks. Dazu kommt der weiche, sichere Dreier; und fertig ist das Bild eines besonderen NBA-Spielers. So schnell geht es natürlich nicht. Zumal Ware in Milwaukee nicht Bam Adebayo neben sich hat, der die Defense steuert. Mehr wird auf Ware selbst ankommen.
Das kann funktionieren. Und sollte es funktionieren, haben die Bucks in Jahr eins nach Giannis plötzlich einen Scharfschützen, der an den Brettern aufräumen und den Ring beschützen kann. Wenn Ware die nötige Motivation findet…

Augenscheinlich betrat Alex Sarr in Jahr zwei den Pfad der Erleuchtung. Wo er, trotz mangelnder Treffsicherheit, während seiner Rookie-Saison unglaublich gern von draußen abdrückte, sank der Dreieranteil zuletzt. Seine Abschlüsse am Ring steigerte Sarr laut Cleaning the Glass dafür von 28 auf 39 Prozent. Für einen Sevenfooter immer noch massiv ausbaufähig, zumal der ehemalige Nummer-2-Pick am Korb "nur" 69 Prozent seiner Würfe traf (57. Perzentil unter Bigs), die Richtung stimmt jedoch. Und nicht nur dort.
Sarr wirkte während seiner zweiten NBA-Saison deutlich verbessert. Er spielte mehr wie ein Großer, der auch ein paar Dinge der Kleinen beherrscht, als wie ein Kleiner im Körper eines Großen. Auch sein defensiver Impact war spürbar. Stand Sarr auf dem Feld, trafen Gegner am Ring laut Cleaning the Glass beispielsweise um 2,5 Prozent schwächer, womit sich der Franzose unter Bigs immerhin im 78. Perzentil befindet.
Nun darf er, so sich nichts fundamental verändert, neben Anthony Davis ran und von AD lernen. Einer der vielversprechenderen Big-Verteidiger tut sich mit einem der besten Big-Verteidiger der letzten Dekade zusammen. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass Sarr gleich doppelt profitiert: Einerseits sieht er aus der Nähe, wie sich Davis bewegt, wie er sich positioniert, Angriffe zerstört, bekommt direkte Anweisungen. Andererseits kann er sich noch mehr auf den Ringschutz konzentrieren und muss die Defense nicht allein schultern.
Offensiv hat Sarr mit Trae Young zudem erstmals einen erfahrenen Point Guard neben sich, der zwar gern selbst scort, dazu aber massig bewiesen hat, dass er Teamkollegen anleiten und einsetzen kann. Young ist gewissermaßen ein eigenes Offensivsystem, innerhalb dessen Leitplanken Sarr seine Offense womöglich weiter aufpoliert.
Am Ende könnte das neue Ökosystem der Wizards das Wachstum des Franzosen durchaus nachhaltig beschleunigen. Zumal mit AJ Dybantsa ein weiterer Scorer da ist, der Sarr Aufgaben abnimmt, damit der Franzose weniger machen muss und das machen kann ... was er kann.

Tyler Herro? Zurück in Milwaukee. Norman Powell? Ab sofort in Chicago. Zwar holten die Heat dafür Tim Hardaway Jr. und Klay Thompson, zwischen Backcourt und Flügel besteht in Miami jedoch weiterhin Bedarf. Um rund um Bam Adebayo und Giannis Antetokounmpo Balance zu bekommen, benötigen die Heat Creation und Schützen. Nummer eins kann Pelle Larsson liefern, Nummer zwei illustriert Entwicklungsbedarf.
32,3 Prozent seiner Dreier traf der Schwede vergangene Saison. Das sollte sich kommende Spielzeit ändern, was nicht selbstverständlich ist für einen, der in zwei Jahren nur gut ein Drittel seiner Distanzwürfe traf.
Interessant ist dafür der Creation-Aspekt: Larsson versteht es hervorragend, mit Anlauf Richtung Zone zu gehen, dabei Kontakt zu absorbieren. Coach Spoelstra bezeichnete seinen Flügel einmal als "Bully mit dem Basketball". Doch das ist nicht alles. Larsson zieht klug, wechselt permanent Richtung und Geschwindigkeit und windet sich so Richtung Korb.

Natürlich sind Drivinglanes in Miami ab sofort gern für Antetokounmpo reserviert. Gleichzeitig benötigen Giannis und Adebayo Unterstützung. Larsson könnte sie trotz kleinerem Namen liefern. Weil er in der Lage ist, mit dem Ball etwas anzufangen. Was nicht zuletzt die WM-Qualifikation zeigte, während der er Finnland bei Schwedens knappem Sieg 31, Frankreich und Victor Wembanyama bei einer Niederlage immerhin 23 Punkte einschenkte.
Der Distanzwurf bleibt ein Fragezeichen - wobei auch der gegen Finnland fiel, zumal Miami Spacing für Antetokounmpo und Adebayo braucht. Nur ist Spacing eben nicht nur Shooting. Kluge Bewegungen und die Bedrohung des nächsten, schwer zu verteidigenden Drives, nachdem Giannis die Defense bereits aus ihren Angeln gehoben hat, zwingen Verteidiger ebenfalls, ein Augenpaar auf einen Offensivspieler zu richten. Das bringt Larsson - und vielleicht noch ein bisschen mehr.
Max Marbeiter