22.01.2026
Wer kauft? Wer gibt auf?
Noch rund zwei Wochen bis zur Trade-Deadline. Wer macht was? Wer macht nichts? Womöglich könnten sich ausgerechnet die Pistons versucht fühlen, größere Deals einzugehen. Bei den Warriors rückt nach Jimmy Butlers Verletzung Jonathan Kuminga zurück in den Fokus. Bleiben zwei große Fragen: In welche Richtungen gehen die Bucks mit Giannis Antetokounmpo und die Grizzlies mit Ja Morant?

Wir stellen je drei Teams vor, die sich verbessern oder einreißen wollen - und zwei, bei denen es in beide Richtungen gehen kann. Die Trade Deadline ist am 5. Februar um 21 Uhr, bis dahin können Teams, Spieler untereinander tauschen.
Die Pistons sind gut. So gut, dass sie in ihrer Geschichte überhaupt erst einmal zu diesem Saisonzeitpunkt so viele Siege hatten. Grund genug also, um theoretisch alles zu belassen, wie es ist. Zumal GM Trajan Langdon regelmäßig betont, sich die Entwicklung aller genau anschauen zu wollen. Zurecht. Detroit stellt die zweitbeste Defense der Liga. Gut drei Punkte schwächer als OKC, ebenfalls gut drei Zähler vor den Spurs auf Rang drei. Gleichzeitig gibt es eine klare Lücke.
Scoring im Halbfeld bleibt eine Herausforderung - was es Cade Cunningham immer wieder verkompliziert, sich in die Zone zu manövrieren, um selbst zu scoren oder Mitspieler zu bedienen. Dass es ihm dennoch verlässlich gelingt, unterstreicht seinen Status als All-Star Starter. Mit Blick auf besser planende Defenses in den Playoffs stünde den Pistons offensive Unterstützung und Shooting - Detroit trifft als Team 35,2 Prozent seiner Dreier (Rang 19) für 11,2 erfolgreiche Distanzwürfe pro Spiel (26.) - dennoch.
Blicke könnten deshalb nach Utah oder Brooklyn wandern. Lauri Markkanen als sekundärer Scorer neben Cunningham könnte bestens funktionieren (das predigten wir schon im Oktober). Zumal der Finne nicht nur werfen, sondern auch den Korb attackieren kann. Ähnliches gilt für Michael Porter Jr., der in Brooklyn seine wohl beste Saison spielt. Angeblich informieren sich die Pistons auch über Jaren Jackson Jr. Dessen offensiver Beitrag wäre geringer, dafür bekäme die zweitbeste Defense der Liga einen ehemaligen Defensive Player of the Year hinzu, der sein Prime noch vor sich hat.
Bliebe der Gegenwert. Detroit besitzt für die kommenden Jahre all seine eigenen Picks. Jaden Ivey findet sich nach seiner langen Verletzungspause zwar noch langsam zurecht, Potenzial bietet der Guard dank seiner Geschwindigkeit dennoch. Ähnliches gilt für Ron Holland, dessen Energielevel den roten Bereich nie verlässt. Umso mehr könnte Detroit auf Kontinuität setzen. Gleichzeitig war der Osten lange nicht so offen wie in diesem Jahr. Womöglich versuchen die Pistons daher etwas Großes.

Trae Young ist schon weg - und dennoch ist Atlanta noch kein herausragendes Team. Erwartet hat das auch niemand. Vielmehr war der Trade, der C.J. McCollum und Corey Kispert zu den Hawks brachte, eher ein Zwischenschritt. Dank New Orleans’ First-Round Pick für den kommenden Draft, der, wenn nicht ganz, dann doch sehr weit vorne landet, hat die Franchise einiges anzubieten. Mit Zaccharie Risacher fand sich zudem ein Nummer-1-Pick der jüngeren Vergangenheit in einigen Trade-Szenarien wieder.
Jalen Johnson dürfte Atlantas neuer Fixpunkt sein. Nun braucht es die passenden Mitspieler - und da Kristaps Porzingis nur unregelmäßig spielt und Onyeka Okongwu zwar gut, für einen echten Center aber ein wenig zu klein ist, fällt der Blick schnell in Richtung Zone. Angeblich sollen die Hawks bereits an Anthony Davis interessiert sein. Dass der sich erneut - diesmal an der Hand - verletzt hat, verkompliziert ein mögliches Geschäft sicher.
Mit seiner Mischung aus jungen Spielern und mehreren Picks, dabei einem möglichen Hauptgewinn, hat Atlanta jedoch alle Möglichkeiten, Teams Angebote zu unterbreiten, die sie nur sehr schwer ablehnen können. Nach zwischenzeitlich vier Niederlagen in Folge sind die Hawks bis auf Rang zehn im Osten abgerutscht. Dennoch könnten sie sich einreden, mit dem richtigen Deal einen so großen Schritt zu machen, dass selbst die Finals, wenn schon nicht wahrscheinlich, dann doch auch nicht ganz unmöglich sind.
Wochenlang schien es, als hätten die Rockets auch ohne Fred VanVleet und einen erfahrenen, traditionellen Point Guard ihr Mittel gefunden. Sie sammelten eigene Fehlwürfe ein, verzwergten Gegner und waren lange das zweitbeste Team im Westen. Alperen Sengün passte und scorte rund um die Zone. Amen Thompson attackierte und assistierte durch seine Explosivität. Kevin Durant scorte. Dann verletzte sich Sengün. Houston schmierte etwas ab. Bis ins Play-in führte sie der Abwärtstrend zwischenzeitlich.
Nach vier Siegen in Folge, darunter gegen die Spurs, steht Houston nun wieder auf Rang vier im Westen. Kevin Durants Arbeitslast könnte das Front Office dennoch zum Nachdenken bringen. Lohnt es sich womöglich dennoch, einen weiteren Scorer hineinzuholen. Ist beispielsweise Chicagos Coby White trotz auslaufenden Vertrags das Profil, dass den Rockets für die Playoffs den entscheidenden Vorteil bringt?
Gut möglich, dass Houston etwas unternimmt. Zumal das Team nicht nur die eigenen Picks, sondern, dank des Harden-Trades, auch noch Swaps mit Brooklyn anzubieten hat und sich Steven Adams, der Meister des Offensiv-Rebounds, am Knöchel verletzte und erst einmal ausfällt. Da die Rockets dennoch tief ist, könnten sie durchaus ein Paket schnüren, das bei anderen Teams Interesse weckt.

Zwischenzeitlich lief es ein wenig besser. Sacramento gewann immerhin vier seiner letzten zehn Spiele. Das Play-in ist dennoch relativ sicher außer Reichweite. Umso mehr blicken die Kings auf ihre Struktur. DeMar DeRozan Vertrag ist für kommende Saison nicht vollständig garantiert. Zach LaVine besitzt für 2026/27 wiederum eine knapp 49 Millionen Dollar schwere Player Option. Malik Monk soll beim passenden Angebot gehen können - und auch Dennis Schröders Verbleib scheint nicht gänzlich sicher zu sein. Womöglich folgt ein weiterer Trade.
Große Sprünge sollten sich die Kings allerdings nicht erwarten. LaVines Vertrag gilt als zu groß, was für viele Teams schwerer wirkt als seine Qualitäten als Scorer und Schütze, der das Feld breit machen kann. DeRozans Spielerprofil und Alter bringen womöglich ebenfalls nichts zurück, was die Franchise aus der Krise führt. Andererseits könnten die Warriors interessiert sein, mit dem Forward kurzfristig Jimmy Butlers Lücke zu füllen.
Grundsätzlich gilt: Sacramentos Weg ist weit. Umso mehr dürfte das Front Office zuhören, wenn zum Beispiel Milwaukee mit LaVine einen weiteren verzweifelten Versuch unternehmen möchte, Giannis Antetokounmpo (entscheidende) Unterstützung an die Seite zu stellen.
Jimmy Butlers Verletzung ist verheerend. Dafür braucht es keine Raketenwissenschaft. Mit Butler und seinem Resümee hatten die Warriors eine gewisse Playoff-Upside. Ein Team, gemacht für die Postseason, gestählt durch Jahre der Erfahrung. Nun fehlt jedoch ausgerechnet der, der die vielen kleine Dinge macht. Der den Ball selten verliert. Der rund um die Zone ohne große Unterstützung seiner Kollegen scoren kann. Der an die Linie kommt. Der auf dem Flügel verteidigt. Golden States Aussichten trübt Butler Kreuzbandriss maximal ein.
Blieben Trades. Dass Jonathan Kuminga die Saison in der Bay Area zu Ende spielen würde, war bereits vor der Verletzung unwahrscheinlich. Gestiegen sollten die Chancen nicht sein. Coach Steve Kerr scheint mit dem Forward einfach nicht mehr viel anfangen zu können (oder zu wollen). Als Golden State kürzlich gegen Toronto verlor, spielte Kuminga, legte gute Zahlen auf. Interessenten scheinen GM Mike Dunleavy Jr. dennoch nicht zu belagern.
Gut möglich, dass die Warriors versuchen, durch Deals rund um weitere jüngere Spieler wie Brandin Podziemski Steph Curry doch noch einmal entscheidende Unterstützung geben. Ob es dann auch funktioniert, ist natürlich eine andere Frage.

Gut 25 Punkte bei rund 48 Prozent aus dem Feld und 39 Prozent von der Dreierlinie (knapp zehn Versuch), dazu gut 7 Rebounds und 3,2 Assists. Michael Porter Jr.’s spielt eine herausragende Saison. Die Nets führt er dennoch nicht weit. Gleichzeitig hat der Forward bereits bewiesen, dass er sich in ein höchst funktionelles großes Ganzes eingliedern und zu Meisterschaften beitragen kann. Hat er individuell noch mal einen Schritt gemacht? Gut möglich.
Seine Länge, gepaart mit einem unglaublich sicheren Wurf und seinem Rebounding machen ihn für jedes Team interessant, das Scoring-Unterstützung benötigt. Nun lassen die Nets durchsickern, nicht zwingend traden zu wollen. Was Interesse beim passenden Angebot sicher nicht ausschließt. Am Ende hat Brooklyn dank Porter Jr.’s Profil einen der interessanteren Trade-Kandidaten in seinen Reihen; dazu Cap-Space, um größere Verträge aufzunehmen. Picks können die Nets ebenfalls gebrauchen.
Im Grunde blickt die halbe Liga nach Milwaukee. Möchte Giannis nun einen Trade? Und wenn ja, jetzt oder im Sommer? Passiert bis zur Deadline nichts - und das ist alles andere als ausgeschlossen - ändern einige Franchisen womöglich ihren Ansatz und gehen eher konservativ vor, um sich eine mögliche Chance auf Antetokounmpo im Sommer nicht durch einen zu großen Deal im Januar oder Februar zu verbauen.
Doch was plant Milwaukee? Möchten die Bucks Giannis unbedingt halten, peilen sie womöglich den nächsten leicht verzweifelten Deal an. LaVine soll sie interessieren. Gegenüber Ja Morant, so fragwürdig der Fit auch sein mag, wird Milwaukee zumindest keine Abneigung angedichtet.
Geht Giannis, setzt das womöglich eine Kettenreaktion in Gang, an deren Ende die Bucks ganz anders aussehen. Hindernis: Ihnen steht derzeit nur ihr First-Rounder 2031 für einen Deal zur Verfügung. Da Picks maximal sieben Jahre im Voraus getradet werden dürfen, käme im Sommer noch der für 2033 hinzu.
So oder so gilt: Milwaukees Entscheidung dürfte Einfluss auf diverse Teams in der Liga haben. Die Chance auf Giannis, und mag sie noch so klein sein, ist einfach zu verlockend.
Ja Morant gleich das ganz großes Comeback zu attestieren, wäre nach einem, zugegeben, exzellenten Spiel in London ein wenig früh. Entsprechend dürfte auch nicht gleich die halbe Liga bei Memphis’ GM Zach Kleimann durchgeklingelt haben. Interessant werden die nächsten Spiele. Hält Morant die Energie hoch? Kommt er weiter in die Zone? Scort er selbst und setzt seine Teamkollegen ein? Spielt der Defense? Dann ist er immer noch wertvoll. Allerdings auch für Memphis.
Denn so ungern Morant scheinbar unter Tuomas Iisalo spielt, für die Grizzlies übersteigt sein Wert seine Leistung auf dem Court. Morant, das zeigte nicht zuletzt London, zieht weiter Zuschauende an, verkauft Trikots. Solche Spieler bekommen Märkte wie Memphis nur äußerst selten. Hoffen die Grizzlies deshalb auf ein Wunder? Möglich, wenn auch nicht höchst wahrscheinlich.
Sie könnten Morant traden und Jaren Jackson Jr. gleich mit, um neu aufzubauen. Sie könnten um JJJ, Cedric Coward, Jalen Wells und Zach Edey retoolen. Sie könnten auch gar nichts machen oder nur mit kleineren Deals Minischritte gehen. Sind alle fit, bleibt Memphis ein mindestens solides, eher gutes Basketballteam. Es kann in alle Richtungen gehen.
Max Marbeiter