19.02.2026
Bundesliga-Geschäftsführer im großen Interview
Mit dem Top Four des BBL-Pokals steht ein Prestigeprojekt der Liga bevor. Im großen Interview mit basketball-world.news äußerte sich Bundesliga-Geschäftsführer Dr. Stefan Holz zum umstrittenen Rückzieher der Vergabe nach Düsseldorf. Außerdem machte er angesichts der Triple-Double-Strategie eine klare Ansage an alle Teams, die die erforderlichen Hallenstandards noch nicht erfüllen.

Herr Dr. Holz, mit dem BMW Top Four steht eines der Prestigeprojekte der BBL bevor. Weshalb war Ihnen die Aufwertung des Events so ein Anliegen?
Dr. Holz: Der Pokal hatte lange ein etwas stiefmütterliches Dasein, fand ausserhalb unserer Blase kaum statt, und hat in vielerlei Hinsicht Reserven. Zudem ist die jährliche Wander-Vergabe an zwei Grenzen gestoßen: wirtschaftlich ist sie begrenzt, und die kurzfristigen Hallenverfügbarkeiten nach dem Viertelfinale sind inzwischen ein echtes Problem. Deshalb haben wir uns für eine feste Heimat entschieden, wie man es auch aus anderen Sportarten kennt. Für zunächst drei Jahre in den SAP Garden nach München zu gehen, soll dem Wettbewerb mehr Profil geben und ihn Schritt für Schritt größer machen - in einer der besten Arenen Europas und mit einem starken Partner FC Bayern.
Ursprünglich sollte der Standort nicht nur "dauerhaft" sein, sondern auch neutral. Nun ging die Vergabe an den FC Bayern. Warum war der Punkt Neutralität letztlich weniger ausschlaggebend?
Dr. Holz: Alle Kriterien gleichzeitig zu erfüllen, ist schwierig. Neutralität war dabei nicht das Hauptkriterium - wobei der Standort München ja unabhängig von der Teilnahme ist. Der FC Bayern muss sich wie alle anderen erst qualifizieren, und im Pokal mit K.-o.-Spielen ist das kein Selbstläufer.

Viele Fans kritisierten die Vergabe nach München auch wegen der ohnehin schon anhaltenden Münchner Dominanz. Sehen Sie die Gefahr einer Vormachtstellung wie im Fußball?
Dr. Holz: Diese Frage höre ich seit zehn Jahren. Es ist doch vielmehr positiv zu sehen: Der FC Bayern ist zweifellos ein Aushängeschild - und starke Leuchttürme helfen dem Basketball. Es ist doch ein Glücksfall dass sich der FC Bayern vor 15 Jahren in den Spitzenbasketball aufgemacht hat - andere Sportarten würden sich dies bekanntlich auch wünschen. Und wir wollen die BBL gemeinsam weiter voranbringen, wie nun beim Pokal Top Four.
Der Düsseldorfer Veranstalter D.Sports hat den überraschenden Wechsel weg von Düsseldorf öffentlich als unprofessionell kritisiert. Können Sie die Kritik verstehen?
Dr. Holz: Ich möchte das Thema nicht weiter vertiefen. Wir haben uns mit Düsseldorf einvernehmlich verständigt und das sauber gelöst. Von außen wirkt ein solcher Kurswechsel natürlich nicht ideal - aber wenn man im Leben feststellt, dass eine Entscheidung im Nachhinein für eine Seite vielleicht doch nicht ganz passt, muss man sie auch korrigieren.
Der TV-Vertrag mit Dyn ist zur Hälfte vorüber. Wie lautet Ihr bisheriges Fazit zur Medienpartnerschaft?
Dr. Holz: Die Entscheidung hat sich als Gesamtkonstrukt bewährt - mit Dyn als Kern, dem Free-TV-Partner ARD und der starken Begleitung durch Springer/BILD. Wichtig ist für uns das 360-Grad-Produkt: Pay TV, Free TV, starke Content-Power. Unterm Strich sind insbesondere unsere digitalen Reichweiten stark gestiegen - und das spüren wir auch in der Vermarktung, weil die Resonanz im Markt deutlich besser ist als früher.
Es heißt, die Klubs könnten künftig wieder stärker in die Übertragungsproduktion eingebunden werden. Ist an diesem Gerücht etwas dran?
Dr. Holz: Nein. Dyn produziert weiterhin, nicht die Klubs. Dyn hat technisch teils von klassischer Broadcast-Produktion auf moderne Streaming-Setups umgestellt und prüft, ob weitere Standorte so angebunden werden. Aber das ändert grundsätzlich nichts daran, wer das Signal produziert.
Ihre Triple-Double-Strategie geht jetzt ins vierte Jahr. Stand jetzt: Befindet sich die BBL auf Kurs Zielerfüllung?
Dr. Holz: Die Triple-Double-Strategie war für uns enorm wichtig, weil sie Wachstum strukturiert und messbar macht. Wir haben Ziele gesetzt, die wir selbst beeinflussen können: mehr Menschen im Basketball, größere Reichweiten und mehr Geld im System - in allen drei Zielbereichen wollen wir uns bis 2032 verdoppeln. Bei Breite und Reichweiten sind wir sehr weit, der Boom durch die Nationalmannschaft hilft natürlich und unsere Medienstrategie zahlt darauf ein. Die größte Herausforderung bleibt die Etat-Entwicklung an den Standorten - und dafür ist die Halle ein zentraler Hebel.
| Team | Einwohnerzahl | akt. Hallenkapazität | Mindestgröße ab 2032 |
|---|---|---|---|
| ALBA BERLIN | 3.686.000 | 14500 | 7000 |
| Veolia Towers Hamburg* | 1.911.000 | 3400 | 7000 |
| FC Bayern München Basketball | 1.506.000 | 11200 | 7000 |
| SKYLINERS (Frankfurt a. M.)* | 757.000 | 5002 | 7000 |
| Telekom Baskets Bonn | 344.000 | 6000 | 4500 |
| Basketball Löwen Braunschweig | 257.000 | 6358 | 4500 |
| NINERS Chemnitz | 252.000 | 5000 | 4500 |
| ROSTOCK SEAWOLVES | 206.000 | 4850 | 4500 |
*Erfüllt derzeit nicht die ab 2032 vorgeschriebenen Mindeststandards für Hallenkapazitäten. Alle Infos zur Triple-Double-Strategie gibt es hier.
Sechs aktuelle BBL-Standorte haben in der Hinsicht dringenden Nachholbedarf, um die ab 2032 vorgeschriebene Mindestkapazität zu erreichen…
Dr. Holz: Hallenbau ist komplex: Es braucht einen Standort, Politik, Finanzierung und vor allem einen Business Case. Eine moderne Multifunktionsarena trägt sich nicht mit 17 BBL-Heimspielen allein, sondern mit vielen zusätzlichen Events. Gleichzeitig ist die Halle der zentrale Wachstumstreiber für einen Klub - über mehr Plätze, Werbeflächen, Logen und neue Vermarktungsmöglichkeiten.
Die Umsetzung eines Hallenbaus liegt nicht nur in Händen der Vereine selbst. Können die Klubs im Falle der Nichterfüllung bis zum Stichtag im Jahr 2032 mit Kulanz der Liga rechnen?
Dr. Holz: Das ist nicht vorgesehen. Wir brauchen klare Vorgaben und damit Planungssicherheit und Wettbewerbsgleichheit. Die Zielgröße für die Hallenkapazität orientiert sich an der Stadtgröße (vereinfacht: 1 Prozent der Einwohner, mit Deckelung, aber mindestens 4.500) und kann im übrigen auch über sogenannte Event Games rechnerisch erreicht werden. Aber ein generelles "Sternchen" oder Ausnahmen sind derzeit nicht geplant.
Wie eng sind die ProA-Klubs in den Prozess eingebunden? Fürchten Sie die Gefahr, dass sich letztlich immer nur dieselben Klubs mit Ab- und Aufstieg abwechseln werden, weil anderen die Voraussetzungen fehlen?
Dr. Holz: Die Kriterien sind transparent und mit großem Vorlauf kommuniziert, auch im Detail an die ProA und ihre Klubs. Wer in die BBL strebt, weiss auf was es ankommt, und muss entscheiden, ob er diesen Weg gehen kann und will. Wenn man nachhaltig in einer Topliga spielen will, muss man wachsen und aus der Komfortzone heraus.
Gleichwohl sehe ich nicht, dass der Abstand automatisch größer wird: Die jüngsten Aufsteiger waren und sind absolut wettbewerbsfähig. Auch die ProA-Klubs, die im letzten Lizenzierungsprozess Unterlagen eingereicht hatten, waren weitgehend auf Kurs - mit noch unterschiedlich viel Arbeit, aber grundsätzlich BBL-tauglich.
Interview: Julius Ostendorf
| EWE Baskets Oldenburg |
| 177.000 |
| 6200 |
| 4500 |
| MLP Academics Heidelberg | 156.000 | 4410 | 4500 |
| ratiopharm ulm | 130.000 | 6000 | 4500 |
| Fitness First Würzburg Baskets* | 129.000 | 3140 | 4500 |
| Science City Jena* | 112.000 | 3125 | 4500 |
| VET-CONCEPT Gladiators Trier | 105.000 | 5400 | 4500 |
| MHP RIESEN Ludwigsburg | 96.000 | 4700 | 4500 |
| BMA365 Bamberg Baskets | 80.000 | 5700 | 4500 |
| SYNTAINICS MBC (Weißenfels)* | 38.000 | 3000 | 4500 |
| RASTA Vechta* | 34.000 | 3140 | 4500 |