vor 4 Stunden
Neuerliche Geldprobleme in Lyon
Die Zukunft von Daniel Theis schien infolge seines Abgangs aus Monaco eigentlich klar. Der ambitionierte EuroLeague-Klub ASVEL schien die Verpflichtung des deutschen Welt- und Europameisters bereits eingetütet zu haben. Einen Monat später ist aber immer noch nichts passiert. Es ist das Symptom eines viel tiefgreifenderen Problems.

Als Tabellenletzter der Vorsaison hatte sich ASVEL in diesem Sommer große Ziele gesteckt. Angeführt vom langjährigen NBA-Spieler Tony Parker, der seinen Einflussbereich vom Management auf die Trainerbank ausgeweitet hat, sollte ein Kader zusammengestellt werden, der um den EuroLeague-Titel würde mitspielen können.
Und tatsächlich ließen die Franzosen den Worten auch Taten folgen. Mit Sylvain Francisco kam der möglicherweise am heißesten umworbene Guard der EuroLeague-Gegenwart. Dazu verpflichtete man Ex-Nationalspieler Nick Weiler-Babb (ehemals Defensivspieler des Jahres) und Armoni Brooks.
Ein weiterer bekannter Name sollte alsbald folgen: Daniel Theis. Nach dem EuroLeague-Austritt der AS Monaco und dem Auslaufen seines Vertrags stand oder steht der erfolgreiche Big Man kurz vor einem Engagement in Lyon-Villeurbanne. Parker nannte den Deutschen sogar in einem Interview als beinahe sicheren Transfer.
Das war Ende Juni. Inzwischen sind vier Wochen vergangen, eine offizielle Mitteilung, dass Theis zu ASVEL wechselt, ist allerdings ausgeblieben. Vielmehr ist es sogar sehr ruhig um die Personalie (sowie alle weiteren) geworden.
Der Grund dafür findet sich - wie so oft im europäischen Basketball - im Portemonnaie. Parkers ASVEL hatte zu Sommerbeginn die mündlichen Zusagen mehrerer finanzkräftiger Investoren, woraufhin der frühere Point Guard der San Antonio Spurs auf Shoppingtour ging. 59 Millionen Euro sollte das Budget der Franzosen ursprünglich betragen, womit man den französischen Vorjahresrekord Monacos mal eben um mehr als 20 Millionen torpediert hätte.

Wie die französische Zeitung L'Équipe berichtete, sei dafür maßgeblich die gescheiterte Einlage eines asiatischen Investors verantwortlich gewesen. Die finanziellen Sicherheiten hätten der nationalen Liga, LNB Pro A, nicht ausgereicht, weshalb man der Partnerschaft einen Riegel vorschob.
Erschwerend kommt hinzu, dass wohl noch ein zweiter Investor abgesprungen zu sein scheint. So standen auch Joey und Jesse Buss, die Söhne des verstorbenen Lakers-Besitzers Jerry Buss, kurz vor einem Engagement bei ASVEL. Angesichts steigender Konkurrenz in der europäischen Basketballlandschaft hätten sie den Vertrag allerdings nie unterzeichnet und sich stattdessen dem englischen Markt zugewandt.
Parker soll sich nun zwar selbst aktiv um weitere Investoren bemühen, in der LNB hat der Klub allerdings bereits seine Budgetpläne einreichen müssen. Anstelle der ursprünglich veranschlagten 59 Millionen Euro bleiben dem ambitionierten Team - Stand heute - lediglich 24 Millionen zur Verfügung.
Dabei soll wohl allein Francisco ein Jahressalär von fünf Millionen für die kommenden drei Saisons einstreichen. Auch Parker selbst hat sich wohl fürstlich entlohnt und mal eben zum bestbezahlten Trainer der EuroLeague gemacht. Viel Geld bleibt deshalb offenbar nicht mehr übrig, was auch Auswirkungen auf die weitere Kaderplanung haben könnte. Den letzten Neuzugang kommunizierte ASVEL am 7. Juli, also vor mehr als zwei Wochen. Seitdem herrscht Funkstille.
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Dass Theis in der kommenden Saison das Trikot der Franzosen tragen wird, ist deshalb ebenso unklar wie im Falle bereits erklärter Neuzugänge. Laut Medienberichten hätte unter anderem Panathinaikos Athen seine Fühler nach Francisco ausgestreckt. Es bleibt also spannend im Milliardärskosmos der EuroLeague.
Julius Ostendorf