05.02.2026
Zwei All-Stars zum Discount-Preis
Die Washington Wizards haben nach Trae Young in Anthony Davis einen zweiten Superstar für wenig Gegenwert erworben. Die Hauptstädter gehen dabei einen neuen Weg, den es so in der NBA noch nicht gegeben hat.

In der NBA gibt es seit ein paar Jahren den Begriff "Pre-Agency". Es heißt, dass man quasi einen Trade deutlich vor einer möglichen Free Agency durchführt. Das kann mehrere Gründe haben. Man kann sich einen Spieler vor Vertragsverhandlungen mal genauer anschauen oder aber tradet für einen Akteur, den man im Sommer womöglich aufgrund größerer Konkurrenz nicht bekommen würde.
Im Fall von Trae Young Anfang Januar machten die Wizards genau das. Der ehemalige Spielmacher der Atlanta Hawks könnte im Sommer vertragslos werden, die Wizards sicherten sich stattdessen die Dienste vorzeitig. Aber: Der Point Guard fehlt weiterhin mit Knieproblemen und wird in dieser Spielzeit aller Voraussicht nach nicht mehr auflaufen. Man kann davon ausgehen, dass hinter vorgehaltener Hand bereits ein Verständnis vorherrscht, was für einen Vertrag Young im Sommer bekommen wird.
Und nun tradeten die Wizards auch noch für einen zweiten verletzten Superstar in Anthony Davis. Zwar könnte dieser in der Saison noch einmal zurückkehren, doch so recht glauben mag daran keiner. In D.C. selbst stört das niemanden, denn die Wizards schafften es, Davis zu bekommen, ohne den eigenen Draft-Pick für den kommenden Sommer abzugeben.

Stattdessen gaben die Hawks für das All-Star-Duo Young und Davis lediglich die auslaufenden Verträge von C.J. McCollum und Khris Middleton ab. Auch die Abgänge von A.J. Johnson, Malaki Branham, Marvin Bagley II sowie Corey Kispert sind verkraftbar, sie alle spielten kaum eine Rolle in den langfristigen Planungen. Dazu wurden der Erstrundenpick der OKC Thunder für diese Saison sowie ein Warriors-Pick 2030 abgegeben. Noch einmal: Für zwei potenzielle All-NBA-Spieler ist das nicht viel.
Das hat natürlich Gründe. Young polarisiert und passt nicht zu jedem Team, die Verletzungssorgen rund um Davis sind ebenfalls bekannt. Dazu heißt es, dass der 32-Jährige im Sommer gerne eine vorzeitige Vertragsverlängerung hätte. Beide Stars sind nicht radioaktiv, aber eben auch keine sichere Sache.
Washington kann mit diesem Risiko leben, weil die Bücher kaum belastet sind und aus dem aktuellen Kader außer den beiden Neuen sowie Big Man Alex Sarr niemand über zehn Millionen Dollar kassiert. Viele Youngster spielen noch mit ihren Rookie-Verträgen, Talente wie Sarr, Bilal Coulibaly, Kyshawn George oder Rookie Tre Johnson können an der Seite der Stars wachsen und haben ihr Potenzial schon mehrfach angedeutet, wenn auch abseits des Rampenlichts.
Denn: Die Wizards haben in dieser Saison erst 13 Spiele gewonnen, viele werden vermutlich nicht mehr dazu kommen mit diesem zerfledderten Kader. Das bedeutet auch, dass die Wizards zwei Dinge erreicht haben. Sie werden mit zwei neuen Stars in der kommenden Saison kompetitiv sein und können gleichzeitig in den letzten Saisonmonaten tanken, um in einer unglaublich tiefen Draft-Klasse einen hohen Pick, womöglich sogar den Top-Pick abzustauben.
Damit schlagen die Wizards also zwei Fliegen mit einer Klappe. Wie gut die neuen Wizards dann sein werden, wird sich erst 2026/27 zeigen, es ist aber ein interessanter neuer Weg, den so noch niemand gegangen ist. Klar kann einiges schief gehen, vor allem mit der Gesundheit von Davis, doch der junge Kern ist weiterhin komplett intakt und die eigene Pick-Schatulle weiter gut gefüllt.
Nach vielen trüben Jahren in Washington gibt es wieder eine Perspektive, die Playoffs anzugreifen. Dafür muss nur noch die restliche Saison überstanden werden, aber nach so viel Tristesse sollten das Wizards-Fans auch so schaffen.
Robert Arndt