14.04.2025
Phoenix' Superteam verpasst sogar die Play-Ins
Die Phoenix Suns starteten erneut mit großen Ambitionen in die Saison, am Ende reichte es nicht einmal für die Play-Ins. Wie geht es nun weiter beim teuersten Team der NBA?

Es ist nicht einmal ein Jahr her, als Besitzer Mat Ishbia nach dem Playoff-Aus in der ersten Runde gegen die Minnesota Timberwolves folgendes sagte: "Fragt doch die anderen 29 GMs in der Liga. 26 davon würden ihr ganzes Team für unseres und unsere Draftpicks tauschen." Ein Zitat, welches damals schon belächelt wurde und nun nur noch für Kopfschütteln sorgt.
Mit einer Bilanz von 35-47 verpassten die Suns diesmal sogar die Play-Ins und holten mit einem ähnlichen Kader 14 Siege weniger als im Vorjahr. Inklusive Luxussteuer kostete das Team fast 370 Millionen Dollar bei einem eigentlichen Salary Cap von rund 140 Millionen Dollar. Das Trio aus Kevin Durant, Bradley Beal und Devin Booker verschlang allein 150 Millionen und sorgte dafür, dass die Suns finanziell maximal eingeschränkt waren.
| Stat | Zahl |
|---|---|
| Bilanz | 35-47 (Platz 11 im Westen) |
| Offensiv-Rating | 114,8 (13.) |
| Defensiv-Rating | 117,7 (27.) |
| Net-Rating | -2,9 (21.) |
Die Gründe dafür sind vielschichtig. In seiner Zusammenstellung hätte Phoenix eine elitäre Offense sein müssen (um Erfolg zu haben), letztlich waren die Suns in dieser Hinsicht aber nur gehobenes Mittelmaß. Auch der neue Coach Mike Budenholzer, der in Atlanta und Milwaukee stabile Systeme installierte und vor allem in der Regular Season stets gute Resultate einfuhr, konnte keine nachhaltigen Prinzipen etablieren. Aufgrund von Problemen mit dem Team und Verantwortlichen wurde Coach Bud einen Tag nach dem Ende der Regular Season gefeuert.
33 verschiedene Starting Fives präsentierte Budenholzer, ohne je die richtige Mischung zu finden. Center Jusuf Nurkic wurde Anfang Januar nicht mehr berücksichtigt und wenig später getradet. Beal wurde zum Sixth Man degradiert, um nach dem All-Star Break wieder als Starter zu fungieren.
Verletzungen waren auch (kein großes) Problem. Durant verpasste 20 Spiele, Beal fast 30, aber das ist bei den beiden keine Überraschung. Booker war sogar in 75 Partien mit dabei, allerdings legte der Guard die schwächsten Quoten seit sieben Jahren auf. Nach zwei recht bescheidenen Jahren muss man zu dem Schluss kommen, dass dieses Trio einfach nicht gut harmoniert (Net-Rating des Trios: -3,3 Punkte pro 100 Ballbesitze). Booker und KD waren auch nicht die erhofften Top-10-Spieler.
Tyus Jones erwies sich zudem nicht als der erhoffte Stabilisator auf der Point-Guard-Position und verlor seinen Spot in der Starting Five. Es war schon bezeichnend, dass man am Ende eher Collin Gillespie bevorzugte, der nur mit einem Two-Way-Vertrag ausgestattet war. Sein Vorzug? Er ist einigermaßen athletisch, kann verteidigen und Würfe treffen. Solche Spieler gab es im Kader ansonsten nicht und auch Gillespie ist nicht mehr als ein durchschnittlicher Rollenspieler. So viel zur Tiefe des Kaders.

Niemand sollte es überraschen, wenn Durant in diesem Sommer getradet wird. Der 36-Jährige hat nur noch ein Jahr Vertrag, Gespräche über eine mögliche vorzeitige Verlängerung gab es nicht, dazu kamen die Trade-Gerüchte vor der Deadline, die für zusätzliche Unruhe sorgten. The Ringer meldete zwar, dass Durant sich ein weiteres Jahr bei den Suns vorstellen könnte, doch wollen das auch die Suns?
KD ist immer noch ein begnadeter Scorer, der mit Leichtigkeit Abend für Abend 30 Punkte erzielen kann, doch dies gelingt vor allem durch die Fähigkeit, schwere Würfe zu treffen. Damit können die Gegner aber leben, weil man Durant in solchen Situationen ohnehin nur schwerlich verteidigen kann.
Ein Paket wie noch im Februar 2023 wird es aber nicht mehr geben, als die Suns vier Erstrundenpicks, zwei Pick-Swaps, Mikal Bridges, Cam Johnson und Jae Crowder für den Star-Forward abgaben. Durant ist fast 37, hat nur noch ein Jahr Vertrag. Da wird deutlich weniger zu holen sein. Und auch der Kandidatenkreis ist eingeschränkt.
Wer braucht einen alternden Star, der zwar fast überall passt, aber eben auch weit über 50 Millionen Dollar kassiert? Wer für Durant tradet, will Meister werden, alles andere ergibt keinen Sinn. Houston gilt schon länger als möglicher Kandidat, die Dallas Mavericks könnten verzweifelt genug für einen solchen Move sein. Danach wird es aber schon dünn. So ist es möglich, dass die Suns weniger für einen Spieler von Durants Kaliber bekommen, als man meinen mag.
Die Suns gaben seit dem Trade für Durant zahlreiche Minimum-Deals aus, vor allem weil ihnen anderweitig die Hände gebunden sind. Entsprechend laufen gleich fünf solche Deals aus und zwar die von Mason Plumlee, Tyus Jones, Damion Lee, Monte Morris und Bol Bol.
Jones spielte die drittmeisten Minuten bei den Suns, war aber nicht der erhoffte Heilsbringer auf der Point-Guard-Position. Der Spielmacher verzichtete auf Geld im Sommer, fraglich, ob er dies noch einmal tun wird. Plumlee ist ein solider Backup-Center, er könnte auch für das kommende Jahr wieder eine Option sein. Das Trio Lee, Morris und Bol sollte dagegen keine Zukunft haben.
Offen ist dazu noch, wie es mit Cody Martin, Nick Richards und Vasilije Micic weitergeht. Beim Serben hält Phoenix eine Team-Option über 8,1 Millionen Dollar, allerdings spielte der Guard keine Rolle und wird zudem mit Hapoel Tel Aviv in Verbindung gebracht. Der Vertrag von Center Richards ist nicht garantiert, allerdings legten die Suns für den Big als Nurkic-Ersatz drei Zweitrundenpicks sowie Josh Okogie auf den Tisch.
Ein NBA-Starter ist Richards dennoch nicht, nur sind die Alternativen rar gesät. Martin würde rund 8,7 Millionen im kommenden Jahr einstreichen, Flügelspieler könnten die Suns weiterhin gebrauchen, auch wenn man sich bei einer Trennung jede Menge Geld einsparen könnte.
Die Suns haben fast alles getradet, was sie haben. Zwar können sie mit Ausnahme von 2031 immer in der ersten Runde picken, allerdings bekommen sie von mehreren Teams immer das schlechteste Auswahlrecht. Es ist daher wahrscheinlich, dass Phoenix in den kommenden sechs Jahren keinen einzigen Lottery Pick haben wird, es sei denn, es werden Trades eingefädelt, um diesen Umstand zu ändern.
- 2025: Erstrundenpick der Cavs (Position 29)
- 2026: Schlechtester Pick aus Phoenix, Orlando, Memphis und Washington
- 2027: Schlechtester Pick aus Cleveland, Minnesota und Utah
- 2028: Schlechtester Pick aus Phoenix, Washington, Brooklyn und Philadelphia
- 2029: Schlechtester Pick aus Cleveland, Minnesota und Utah
- 2030: Schlechtester Pick aus Phoenix, Washington und Memphis

Die Suns haben wie schon erwähnt kaum eine Wahl. Der Trade des 36-jährigen Durant ergibt auf allen Ebenen Sinn, doch auch Booker sollte nicht mehr unantastbar sein. Der Fanliebling betonte zwar stets, dass er für den Rest seiner Karriere in Phoenix bleiben wolle, doch derzeit stehen die Sterne schlecht, dass die Franchise um Booker herum noch einmal einen Contender aufbauen kann.
Phoenix hat keine finanzielle Flexibilität, noch weniger Draft-Picks und eben noch den Beal-Klotz am Bein (zur Erinnerung: No-Trade-Klausel!). Booker ist neben Durant der zweite Joker, um einen klaren Schnitt zu machen. Mit 28 Jahren ist der Shooting Guard in der Blüte seiner Karriere, viel mehr Gegenwert als im Sommer wird man vermutlich nicht mehr für Booker bekommen.
Das wird auch Booker einsehen müssen. Die Alternative, mit einem schwachen Team 30 Siege einzufahren, wird niemanden zufriedenstellen. Ein Trade von Durant allein wird nicht reichen, um in einer starken Western Conference mehr als nur ein Play-In-Team zu sein.
Dass es in dieser Zusammenstellung nicht reicht, wurde 24/25 sowieso mehr als deutlich. Es braucht einen radikalen Schnitt, der kurzfristig schmerzen wird und bitter ist, nachdem man 2021 die Finals mit einem jungen Kern sowie Chris Paul erreichte. Der Durant-Trade bot ein kurzes Championship-Fenster, dieses ist offensichtlich zu. Die Frage ist nun, ob Besitzer Ishbia das hinnehmen kann.
Der 45-Jährige kam mit großen Ambitionen, brachte der Franchise Durant mit der Brechstange und wollte Erfolg um jeden Preis. Er ist dabei nicht der erste neue Besitzer, der mit einer solchen Hau-Drauf-Strategie auf die Nase fällt. Es gilt, die richtigen Lehren daraus zu ziehen und dies fängt an der Spitze der Franchise an. Und für diesen Weg braucht es jede Menge Geduld.
Robert Arndt