vor 12 Stunden
Kommentar zu LeBrons Entscheidung
LeBron James schreibt sein letztes Karriere-Kapitel bei den Philadelphia 76ers. Nicht wenige werfen ihm vor, dass dies einfach nur eine Jagd auf einen weiteren Ring ist. Warum denn auch nicht?

Letztlich kann man es sowieso niemandem recht machen. Egal, wo LeBron unterschrieben hätte, seine Kritiker hätten mit Sicherheit ein Argument gefunden, warum diese Entscheidung verwerflich war. Philly ist es geworden und schon wird James die Jagd nach einem weiteren Ring vorgeworfen.
Ja, warum denn nicht? James ist 41 Jahre alt, hat vier Meisterschaften mit drei verschiedenen Teams gewonnen, ist Rekord-Punktesammler, hat die meisten NBA-Spiele aller Zeiten absolviert und, und, und … Welche Motivation sollte es sonst noch geben, um seine Karriere fortzuführen? Um ein Aus in der ersten Runde zu spielen sicherlich nicht.
Wir sprechen hier nicht von Karl Malone, der mit Utah unzählige Male scheiterte, um sich dann mit 40 Jahren bei den Los Angeles Lakers in ein (scheinbar) gemachtes Nest zu setzen. Diese Kritik hätte er sich nur gefallen lassen müssen, wenn er bei den New York Knicks für das Minimum unterschrieben hätte.
| Zeitraum | Team |
|---|---|
| 2003-2010 | Cleveland Cavaliers |
| 2010-2014 | Miami Heat |
| 2014-2018 | Cleveland Cavaliers |
| 2018-2026 | Los Angeles Lakers |
| seit 2026 | Philadelphia 76ers |
Stattdessen wechselt James zu einer darbenden, manche würden gar sagen verfluchten Franchise, die über 40 Jahre auf eine Meisterschaft warten und die seit 25 Jahren nicht mehr über die zweite Runde herausgekommen sind. Es ist also durchaus noch einmal eine Herausforderung, auch wenn auf dem Papier natürlich in Tyrese Maxey, Jaylen Brown und Joel Embiid drei weitere All-Stars schon da sind.
Es wird über mindestens ein Jahr ein spannendes Experiment, wie diese Mannschaft zusammen funktionieren wird. Vermutlich wird es eine Weile dauern und für die notorisch nervösen Sixers-Fans eine Geduldsprobe werden.
Wenn man James etwas vorwerfen kann, dann eher den Prozess. Brauchte er wirklich drei Wochen, um seine Entscheidung zu treffen, wenn doch Berater Rich Paul am zweiten Tag der Free Agency auf seinem Whiteboard schon alle Argumente pro Philly nannte? Es wirkte ein bisschen wie eine Nummer fürs Ego, eine große Show - wie so vieles in LeBrons Karriere.

Womöglich war das bei den Lakers nicht mehr gegeben, denn eigentlich hätte er auch einfach bleiben und zusammen mit Luka Doncic einen weiteren Ring jagen können. Womöglich wollten die Lakers das aber nicht, auch wenn das öffentlich nicht kommuniziert wurde und das LeBron-Camp den ersten Schritt machte und die Trennung verkündete.
Auf dem Papier sind die Chancen in Philly größer und es ist garantiert, dass diese Saison ein riesengroßer Zirkus sein wird mit einer Menge Nebenschauplätzen. Und wenn etwas nicht garantiert ist, dann ist es ein Ring mit den Sixers, denn dafür muss schon wirklich sehr viel passen.
Robert Arndt