05.05.2025
Zukunft des Point Guard mal wieder unsicher
Die Detroit Pistons sind nach sechs engen Spielen denkbar knapp gegen die New York Knicks aus den Playoffs ausgeschieden. Die Franchise wirkt dennoch auf dem richtigen Weg - wird Dennis Schröder diesen Weg mit ihnen beschreiten? Über die Situation des werdenden Free Agents.

Ein Happy End war den Pistons und Dennis Schröder nicht vergönnt. Wobei es dabei auf die Perspektive ankommt - die Serie wurde verloren, ein Gewinn war die Saison als Ganzes trotzdem, zweifelsohne. Und Schröder entschied nicht das letzte Spiel per Game-Winner, aber immerhin das zweite, tütete von draußen den ersten Playoff-Sieg der Pistons seit 17 Jahren ein.
Auch danach war Detroit mittendrin in jedem Spiel. Die letzten vier Partien der Serie endeten allesamt mit drei Punkten Unterschied oder weniger, wobei die Pistons dreimal den Kürzeren zogen. Eine ärgerliche Art und Weise, um aus der Postseason auszuscheiden, natürlich. Aber auch ein Beleg dafür, dass man nicht weit weg war vom nächsten Schritt.
Nun stellen sich naturgemäß einige Fragen, welche Detroit mit in die Offseason nimmt. Eine davon: Geht Schröder diesen nächsten Schritt mit?
Es wäre irgendwie nett, wenn sich diese Frage gar nicht erst stellen würde. Fair, eigentlich. Schröder kam zur Trade Deadline als Teil des Jimmy-Butler-Trades nach Detroit, wo sich der zweite wichtige Ballhandler (Jaden Ivey) verletzt für die Saison abgemeldet hatte und ein Backup für Cade Cunningham gesucht wurde, der auch neben dem Franchise-Player auf dem Court stehen konnte - und der dann, anders als Ivey, auch noch kampferprobt in Sachen Playoffs war.
Schröder erfüllte dieses Aufgabenprofil auf dem Papier und dann in der Realität; auch wenn sein Wurf in der Regular Season nicht fiel, bereicherte er die Pistons als Playmaker und Verteidiger. Sein Wert zeigte sich dann noch stärker in den Playoffs, als er den Wurf wiederfand und Cunningham als wichtigstes Outlet und bisweilen zweitbester Scorer unterstützte.
Dass er nebenher fast immer Jalen Brunson verteidigte, wenn dieser Starter Ausar Thompson in Foul-Trouble gebracht hatte, rundete das Gesamtpaket ab. Seine ersten drei Spiele der Serie waren besser als die hinteren drei, von einem Backup, für den Detroit de facto gar nichts abgeben musste, hätte man dennoch nicht mehr erwarten können.
| Bewerb | Spiele | MIN | PTS | FG% | 3P% | AST |
|---|---|---|---|---|---|---|
| RS | 28 | 25,2 | 10,8 | 37,8 | 30,2 | 5,3 |
| PO | 6 | 27,3 | 12,5 | 49,1 | 47,6 | 3,7 |
Zumal sich Schröder perfekt in die neu entstehende Kultur der Pistons einfügte - und diese noch bereicherte. "Detroit ist eine der besten Situationen, die ich erlebt habe", sagte Schröder selbst. "Ich muss hier mein Spiel nicht ändern, kann einfach ich selbst sein." Die Pistons, insbesondere Head Coach J.B. Bickerstaff, zeigten ihrerseits enorme Wertschätzung für den 31-Jährigen.
Knapp ausgedrückt war der Schröder-Trade ein Volltreffer für die Pistons. Es wäre jedoch nicht Schröder, wenn dadurch automatisch Gewissheit da wäre, dass diese Ehe länger bestehen wird. Die Pistons waren sein drittes Team in 24/25, seine achte neue Situation seit 2020. Die wohl turbulenteste Saison seiner bisherigen Karriere beendet er nun als Unrestricted Free Agent.
Er kann also überall einen neuen Deal unterschreiben. Auch in Detroit, allerdings stehen bei den Pistons noch einige andere Entscheidungen an, die womöglich vor der Entscheidung zu ihm abgehandelt werden müssen.

Noch steht über 2027 hinaus nur Cunningham fix in Detroit unter Vertrag, für 26/27 kommt noch Isaiah Stewart hinzu. Die Lottery-Picks der letzten Jahre wie Ivey, Jalen Duren oder Thompson sind jedoch bald Extension-Kandidaten, bei Duren und Ivey könnte es schon diesen Sommer dazu kommen, sonst würden sie 2026 Restricted Free Agents.
Das Team wird also bald teurer werden, nachdem es 24/25 das günstigste der Liga war. 2025 könnte man noch Cap-Space für einen Superstar-Free-Agent freischaufeln - allerdings müsste Detroit in diesem Fall die Rechte an den eigenen Free Agents wie Schröder, Malik Beasley und Tim Hardaway Jr. abgeben, die 24/25 allesamt prominente Rollen spielten.
Entscheiden sie sich dagegen - was im kleinen Markt Detroit wahrscheinlicher wirkt - ist damit zu rechnen, dass Beasley, der 24/25 319 Dreier traf und Zweiter bei der Sixth-Man-of-the-Year-Wahl wurde, oberste Priorität genießen würde. Sein Shooting ist neben Cunningham unverzichtbar. Wird Schröder so ebenfalls gesehen?
Auf der einen Seite soll Ivey für die neue Saison zurückkehren, der als dynamischer Guard mit nicht immer verlässlichem Wurf (auch wenn er sich 24/25 extrem steigerte) einige Parallelen zu Schröder aufweist und eine jüngere, größere und athletischere Version dieses Spielertypen darstellt.
Auf der anderen Seite deutete GM Trajan Langdon schon kurz nach dem Trade an, dass Schröder durchaus auch Teil der Zukunft des Teams sein könnte. Mindestens als qualifizierter Backup; die Pistons haben 24/25 ja gerade gute Erfahrungen damit gemacht, ihren diversen Talenten auch Veteranen an die Seite zu stellen, die den Basketball schon in allen Facetten kennen.
Schröder personifiziert das mittlerweile wie nur wenige andere Akteure. Im Weltbasketball ist er über die Jahre zu einem veritablen Star geworden. In der NBA ist er das nicht, aber unter dem Star-Level ist er so ziemlich alles schon einmal gewesen. Oder mehrfach. In dieser Spielzeit allein hat sich sein Rollenprofil dreimal recht drastisch verändert.

"Ich liebte es in Brooklyn. Ich habe dort gespielt, habe großartig gespielt. Sie wollten einen anderen Weg einschlagen", sagte Schröder über die Nets, wo er seine Saison als Starter begann und mit 18,4 Punkten und 6,6 Assists mit den besten Basketball seiner Karriere zeigte.
"Bin nach Golden State, habe unglaubliche Leute kennengelernt", sagte er über den Stint bei den Warriors, der nur 24 Spiele andauerte und von Beginn an nie richtig in den Tritt kam. In Detroit war das anders, obwohl die nackten Zahlen sich nur unwesentlich von denen in der Bay Area unterschieden.
"Ich habe hier einen Coach, der die Refs angeht, der sich nichts gefallen lässt. So bin ich auch. Das ist der Grund, warum ich seit zwölf Jahren in der Liga bin. Ich bin nur 1,85 m, irgendwie muss ich meinen Weg finden. Ich muss mich hier nicht verbiegen und kann einfach sein, wer ich bin", sagte Schröder über die Pistons-Zeit.
Wer ist Schröder - in der NBA? Ein sekundärer Creator, dessen Wurf schwankt (und der am Korb bei aller Dynamik unterdurchschnittlich effizient abschließt), der sich dafür nicht vor großen Momenten versteckt. Einer der schnelleren und fitteren Spieler der Liga. Ein giftiger On-Ball-Verteidiger, eine "Pest", wie es die Knicks ausdrückten. Ein Anführer, wenn man ihn lässt. Als Sixth Man erfolgreicher denn als Starter.
| Zeitraum | Team |
|---|---|
| 2013-2018 | Atlanta Hawks |
| 2018-2020 | Oklahoma City Thunder |
| 2020-2021 | Los Angeles Lakers |
| 2021-2022 | Boston Celtics |
| 2022 | Houston Rockets |
| 2022-2023 | Los Angeles Lakers |
| 2023-2024 | Toronto Raptors |
| 2024 | Brooklyn Nets |
| 2024-2025 | Golden State Warriors |
| 2025- | Detroit Pistons |
Ein Spieler, den eigentlich jedes ambitionierte Team brauchen kann - der aber nicht zwingend unverzichtbar ist oder in den Planungen an vorderster Stelle steht. Was dann eben diesen Strudel bedingt, den Schröder im Februar selbst als "moderne Sklaverei" bezeichnete und der dazu führt, dass er über die vergangenen Jahre so oft die Koffer packen musste.
Schröder wird 32 sein, wenn die neue Spielzeit anfängt. Auch wenn sich die Grenzen des Alterns in der Liga seit Jahren verschieben: Jung ist das, gerade für einen kleinen Guard, nicht mehr. Entsprechend ist damit zu rechnen, dass es wieder viele interessierte Teams geben wird, vermutlich aber keine ewig langen Vertragsangebote.
Natürlich spielen dann auch seine persönlichen Prioritäten mit hinein. Steht die Sicherheit an erster Stelle, die Laufzeit, die Finanzen? Geht es darum, nach all den Jahren auf der Suche eine gesicherte Rolle zu haben? Falls so etwas für Spieler, die keine Stars sind, in der NBA überhaupt existiert?
Gut möglich (und vielleicht wünschenswert), dass es am Ende tatsächlich in Detroit weitergeht. Wie gesagt: Er hat seinen Teil erledigt. Ein Happy Ending gab es nicht, aber vielleicht sind die vergangenen Monate in Wirklichkeit ein Happy Beginning. Für die Pistons wirkt das ohnehin wahrscheinlich. Ob Schröder ein Teil der weiteren Reise sein soll, wird sich im Juli zeigen.
Ole Frerks