28.06.2025
Steile Karriere nimmt Fahrt auf
Hannes Steinbach war der Shootingstar der vergangenen BBL-Saison. Der 19-Jährige scheiterte mit den FIT/One Würzburg Baskets nur knapp im Play-off-Halbfinale, nun wechselt der Big Man ans College. Zuvor steht aber noch die U-19-WM mit dem DBB auf dem Programm.

NBBL-MVP, U-18-Europameister, erster Profivertrag, Schlüsselspieler in den Play-offs. Hannes Steinbach kletterte in der abgelaufenen Saison die Karriereleiter im Eiltempo nach oben, in der kommenden Spielzeit wird der Big Man für die renommierte University of Washington spielen.
Steinbach war am Ende der Saison für seinen Heimatklub plötzlich unverzichtbar, in den Play-offs verbuchte der Youngster 14.8 Punkte und 10,4 Rebounds im Schnitt, womit er der effektivste Akteur der kompletten Postseason ist. "Das habe ich so auch nicht erwartet", sagt Steinbach gegenüber basketball-world.news.
| Spiele | Punkte | Rebounds | Assists | Blocks |
|---|---|---|---|---|
| 41 | 9,1 | 6,9 | 1,0 | 1,0 |
Geplant war eigentlich, dass sich der Jugend-Nationalspieler vor allem in der ProB empfehlen solle, doch dort machte sich Steinbach so gut, dass er fester Teil der Rotation in Würzburg wurde. "Es hat sich einfach so entwickelt und später wurde ich dann mehr gebraucht." Starting-Center Owen Klassen kämpfte mit Rückenproblemen und fiel für die kompletten Play-offs aus.
Steinbach nutzte seine Chance, wurde gefühlt Spiel für Spiel besser und überzeugte als Center, auch wenn er selbst sich eher auf der Vier sieht. 52 Partien und über 1.000 Minuten wurden es, auch dank Steinbach erreichten die Baskets überhaupt das Halbfinale, da dieser im fünften Viertelfinalspiel in Braunschweig kurz vor dem Ende den Dreier zur Verlängerung versenkte.
Für den ganz großen Wurf reichte es nicht, dafür erhielt Steinbach zumindest ein wenig Verschnaufpause, bevor es am Samstag mit der U-19-WM im schweizerischen Lausanne weitergeht. "Wir rechnen uns natürlich etwas aus, schließlich sind wir U-18-Europameister", meint Steinbach, für den eine Absage nicht in Frage kam.

Der Kern der Erfolgsmannschaft aus dem Vorjahr ist weiterhin dabei. Jack Kayil (Alba Berlin), Christian Anderson (Texas Tech), Declan Duru (Real Madrid) und Steinbach waren die Schlüsselspieler, dazu ist diesmal auch Center Eric Reibe im Kader, dem gute Chancen für den NBA Draft 2026 ausgerechnet werden. Nur Ivan Kharchenkov fehlt, er stand mit dem FC Bayern noch bis Donnerstag im Finale um die deutsche Meisterschaft.
"Es macht einfach Spaß hier. Viele kennen sich schon seit der U16, zuletzt haben wir bei der U-18-EM erst Bronze und dann Gold geholt", sagt Steinbach über seine Beweggründe. Die Gruppe mit Slowenien (diese schlug man bei der U-18-EM im Halbfinale), Kanada und China hat es zunächst einmal in sich, doch in der Vorbereitung wurden kürzlich die hoch eingeschätzten Australier zweimal geschlagen.
Eine Medaille scheint erneut möglich, auch wenn Steinbach dies nicht direkt sagen möchte. Der deutsche Jugendbasketball boomt weiter, Jahr für Jahr setzen sich neue Spieler durch, auch wenn diese nicht mehr lange in Deutschland bleiben. Die Liste derjenigen, die im Sommer aufs College wechseln, war noch nie länger, was angesichts der neuen finanziellen Parameter rund um "NIL" nicht überrascht.
Auch Steinbach gehört dazu, ihn zieht es an die University of Washington, wo einst auch Detlef Schrempf, Chris Welp und Patrick Femerling ihre Ausbildung genossen. "Momentan ist das College die beste Wahl", findet auch Steinbach, der sich wegen der politischen Situation und der Zurückweisung ausländischer Studenten keine Sorgen macht. "Klar denkt man darüber nach, dass das einen auch erwischt und das ist natürlich alles nicht schön. Ich habe da Glück gehabt, weil ich mein Visum schon bekommen habe, bevor das begonnen hat."
Wie lange Steinbach dort bleiben wird, ist ohnehin offen. Die NBA bleibt das große Ziel, er wolle Jahr für Jahr abwägen, wann der nächste Schritt sinnvoll sei. Blickt man aber auf die vergangenen zwölf Monate und den kometenhaften Aufstieg des 18-Jährigen, kann man zu dem Schluss kommen, dass dies nicht die vollen möglichen vier Jahre dauern wird.
Robert Arndt