vor 9 Stunden
EuroLeague-Final-Four in Athen
Niemand hat vor diesem Final Four der EuroLeague so viel Druck wie Olympiakos Piräus. Durch die Absenz von Panathinaikos Athen haben die Hafenstädter den klaren Heimvorteil. Im Weg steht ein Fluch und der mentale Aspekt des ewigen Anrennens.

Es ist fast schon zur Gewohnheit geworden. Olympiakos Piräus dominiert die Hauptrunde, spielt bisweilen wunderschönen Basketball unter Coach Giorgios Bartzokas, um dann aber im Final Four abermals zu scheitern. Für viele Teams ist das Erreichen des Endturniers ein riesiger Erfolg, für die Griechen dagegen beinahe ein Gesetz.
Nur mit dem Titel, mit dem will es einfach nicht klappen. Piräus steht zum fünften Mal in Serie im Finalturnier, gewann den letzten Titel allerdings vor 13 Jahren mit Legende Vassilis Spanoulis als Anführer, der inzwischen selbst auf die Trainerbank gewechselt ist und im Vorjahr mit Monaco seine alte Liebe im Halbfinale aus dem Wettbewerb kegelte.
| Saison | Bilanz RS | Platz | Playoffs |
|---|---|---|---|
| 21/22 | 19-9 | 2. | Vierter |
| 22/23 | 24-10 | 1. | Zweiter |
| 23/24 | 22-12 | 5. | Dritter |
| 24/25 | 24-10 | 1. | Dritter |
| 25/26 | 26-12 | 1. | ? |
Wie auch in diesem Jahr ging Olympiakos als Favorit in das Halbfinale, auch weil man in drei der vergangenen vier Jahre jeweils als Erster in die Playoffs ging. Die Qualität in der Mannschaft ist unbestritten da, das lassen sich die Griechen auch kosten - und doch reicht es in den entscheidenden Momenten einfach nicht.
Sicherlich, der Modus spielt eine Rolle, weil es eben keine Serie ist, sondern ein Spiel über die ganze Saison entscheiden kann. "Wenn man sich das ganz objektiv anschaut, dann ist es natürlich ein bisschen unfair, dass all seine Leistungen wegen einem Spiel dann keine Rolle mehr spielen", bemängelt auch EuroLeague-MVP Sasha Vezenkov.
Der Bulgare steht dabei sinnbildlich für das Team. Der Forward ist ein famoser Abschlussspieler, der effizient wie kaum ein anderer ist (vor gut einem Jahr schenkte er den Bayern 45 Punkte ein - bei 20 Würfen), aber eben auch keiner, der Spiele einfach übernimmt und den Ball dominiert. Nein, Olympiakos hat sich unter Bartzokas zu einer Offensiv-Maschine entwickelt, die über Parität, Selbstlosigkeit und starker Ballbewegung kommt.
Während einer Saison ist das schwer zu schlagen, erst recht wenn man auf die Tiefe im Kader blickt. Oly kann im Prinzip zwei Mannschaften stellen, die in Europa um den Titel spielen könnten. Als Beispiel: Die Ex-NBA-Profis Frank Ntilikina und Monte Morris werden es vermutlich nicht einmal in den Spieltagskader schaffen, weil Bartzokas ein solch unverschämtes Überangebot zur Verfügung hat.
| PG | SG | SF | PF | C |
|---|---|---|---|---|
| C. Joseph | T. Dorsey | T. Ward | S. Vezenkov | N. Milutinov |
| T. Walkup | E. Fournier | S. McKissic | A. Peters | D. Hall |
| M. Morris | F. Ntilikina | K. Papanikolaou | T. Jones | |
| M. Fall |

Was allerdings fehlt, ist der klare Go-to-Guy auf der Guard-Position - und das seit Jahren. Piräus probierte hier viel, doch eine Premium-Lösung wurde noch nicht gefunden. Thomas Walkup ist ein Defensiv-Spezialist, Cory Joseph fehlt der Speed, Evan Fournier hat in dieser Saison massiv abgebaut. Stattdessen ruhen die Hoffnungen auf Tyler Dorsey, der nach einer Katastrophen-Spielzeit in 25/26 plötzlich der Mann für die wichtigen Würfe war.
Kann er das auch in der Höhle des Löwen - in der OAKA, der Halle von Erzrivale Panathinaikos? Ohnehin fragt sich jeder, wie die Stimmung dort sein wird. Haben die Pana-Fans ihre Tickets verkauft oder feuern sie einfach leidenschaftlich den Gegner des Erzrivalen an? Im Halbfinale wartet Fenerbahce, der Titelverteidiger, der sich scheinbar rechtzeitig aus dem Formloch herausgezogen hat.
Es ist der ultimative Test für Olympiakos, schließlich sind die Türken so etwas wie die Antithese. Fener spielt oft nicht schön, verteidigt dafür aber unter Trainer-Fuchs Sarunas Jasikevicius enorm clever und ist für seine Switch-Verteidigung gefürchtet, die Oly durchaus vor Probleme stellen kann.
Die Frage ist natürlich auch, was es mit dem Kopf macht, wenn man immer wieder scheitert. Große Teile des Teams sind seit Jahren zusammen, sie hören die Zweifel, vor allem in einem Basketball-verrückten Land wie Griechenland.
Und dann ist bekanntlich auch noch der Fluch des Top-Seeds. Seit der Einführung des Round-Robin-Formats im Jahr 2016 konnte noch nie das beste Team der Hauptrunde auch das Final Four gewinnen. Soll das jetzt wirklich ausgerechnet Piräus im fünften Anlauf ändern? Die Hoffnung stirbt auch in der Hafenstadt zuletzt.
Robert Arndt