31.07.2024
Luol Deng finanziert sein Land mit Privatvermögen
Als Kind musste Luol Deng einst seine Heimat Südsudan verlassen. Später schaffte er es in die NBA, wurde sogar All-Star. Mittlerweile engagiert er sich wieder in seinem Herkunftsland - und fördert den Basketball.

Basketball-Fans haben Luol Deng vermutlich noch als den defensivstarken, robusten Forward der Chicago Bulls in Erinnerung. Für die Franchise stand er von 2004 bis 2014 in der NBA auf dem Parkett, ehe er seine Laufbahn im Jahr 2019 nach 15 Jahren in der besten Liga der Welt beendete. Zweimal hatte er es in seiner Zeit bei den Bulls auch zum Allstar gebracht, einmal wurde er ins All-Defensive-Second-Team berufen. Oder aber sie erinnern sich an den Lakers-Flop, der für 72 Millionen US-Dollar unterschrieb, dann aber nur 57 Spiele machte und noch bis 2022 bezahlt wurde.
Wie dem auch sei: Was Deng nach seiner Karriere macht, hat nicht mehr viel mit der US-amerikanischen Glitzerwelt zu tun. Und doch verwendet Deng das viele Geld, was er während seiner NBA-Karriere verdient hat, weiter für seinen Sport.
Dem Basketball ist Deng nämlich auch nach seiner Karriere treu geblieben. Seit 2019 ist er Präsident des Basketballverbandes des Südsudan. Jenes Landes, dass er im Kindesalter einst mit seiner Familie aufgrund des Bürgerkrieges über Ägypten in Richtung London verlassen hatte. Als er nach England kam, hieß das Land noch gar nicht Südsudan.
Deng gehört, wie auch der größte NBA-Spieler aller Zeiten, der bereits verstorbene Manute Bol, dem im Südsudan lebenden Dinka-Stamm an. Erst im Jahr 2011 erklärte das Land, in dem statistisch gesehen die größten Menschen der Welt leben, seine Unabhängigkeit vom Sudan. Als Nationalspieler lief Deng für die Briten auf, nach seiner Laufbahn versucht er in seiner neuen Position, den Basketball im erst 2013 gegründeten Basketballverband seines Herkunftslandes nach vorne zu bringen.
"Ich habe aufgehört und hatte vorher auch immer schon Basketball-Camps veranstaltet. Ich kenne viele Basketballer aus dem Südsudan und wusste, dass wir etwas Spezielles auf die Beine stellen können", erklärte der heute 39-Jährige jüngst seine Motivation. "Ich möchte beim Wachstum des Spiels helfen, aber ich möchte Basketball auch dazu nutzen, das Narrativ und die Geschichten über den Südsudan zu ändern."

Endlich positive Schlagzeilen schreiben mit dem Land, das doch zumeist wegen seiner Armut und inneren Konflikte im Fokus steht, will er also. Und auch den Zusammenhalt stärken: "Sport bringt Gemeinschaft. Er zeigt Menschen die Möglichkeiten auf, zusammenzuarbeiten. Der Wettkampf lenkt die Gedanken außerdem auf andere Dinge. Ich denke, dass der Basketball in den letzten vier Jahren eine große Rolle gespielt hat für Frieden und auch unsere Entwicklung."
Die zwölf Spieler, die das Land bei Olympia vertreten sind so etwas wie Botschafter des Landes. Es ist ihre erste Teilnahme an den Olympischen Spielen, 13 Jahre nach der Unabhängigkeit des Landes. Nur um bei den Spielen dabei zu sein, sind die "Bright Stars" aber nicht angereist. Das zeigte sich bereits beim Auftaktspiel gegen Puerto Rico, das die Südsudanesen nach einer Hymnen-Panne zu Beginn für sich entscheiden konnten. "Ich will nicht, dass die Leute uns zuschauen und denken, wir kommen einfach so. Ich will, dass die Leute uns und die Richtung, in die ich den Sport versuche zu bringen, anerkennen."
Das Projekt ist eine Herzensangelegenheit für Deng. So finanzierte er das Team in den ersten Jahren mit Millionen aus seinem Privatvermögen. Talentierte Spieler gibt es in Afrika zuhauf, nur bei der Organisation, Finanzierung und Professionalität mangelt es bei den meisten Verbänden. Ein gutes Beispiel dafür ist Kamerun. Joel Embiid erklärte zuletzt, dass er gerne für sein Geburtsland aufgelaufen wäre, nun spielt er für die USA. Auch ein anderer NBA-All-Star, Pascal Siakam, hat noch nie für Kamerun gespielt.
Im Südsudan hält stattdessen Deng die Fäden zusammen. Nachdem er zunächst auch das Amt des Nationaltrainers übernommen hatte, sprang Deng zwischenzeitlich auch immer wieder in die Bresche, wenn Coach Royal Ivey, den er bereits seit Jugendtagen kennt, passen musste. Der ist nämlich zudem in den USA als Vereinstrainer aktiv.
Bei der Weltmeisterschaft 2023 assistierte der Ex-Bulls-Forward seinem Nationalcoach zudem als Co-Trainer. Mit Platz 17 erreichte der Südsudan die beste Platzierung aller afrikanischen Mannschaften. Bei Olympia ist das nicht schwer, sind die "Bright Stars" doch die einzige qualifizierte Mannschaft aus Afrika. Doch nach dem überzeugenden Sieg zum Auftakt ist vielleicht sogar der Einzug ins Viertelfinale drin, auch wenn es in den abschließenden Gruppenspielen gegen Topfavorit USA und die Serben geht.
Die Afrikaner hatten die US-Boys bereits in der Vorbereitung am Rande einer Niederlage und verloren mit nur einem Punkt. Im Anschluss daran hatten Hall of Famer Paul Pierce und der dreimalige All-NBA-Spieler Gilbert Arenas sich mit abwertenden Kommentaren über die Ostafrikaner lustig gemacht. Die werden in Lille nun sicherlich mit jeder Menge Wut im Bauch antreten und versuchen, an das gute Testspiel anzuknüpfen. Sie sind schließlich nicht nur angereist, um dabei zu sein.
Amadeus Wolff