28.07.2024
Trotz falsch abgespielter Hymne zu Beginn
Bei der Olympia-Premiere des Südsudan stand zunächst weniger das Sportliche im Vordergrund, da die Veranstalter eine falsche Hymne abspielten. Für die Spieler war das Ganze aber umso motivierender.

Es sollte ein großer Moment werden für die Basketballer des Südsudans: Die erste Teilnahme an den Olympischen Spielen für das seit 2011 unabhängige Land, das zu den ärmsten der Welt gehört. Entsprechend sollte die Nationalhymne der Ostafrikaner zelebriert werden. Blöd nur, dass die Veranstalter zunächst eine falsche Hymne abspielten. Niederschmetternd für die Spieler, die sich am Ende aber nicht von der Panne vor dem Spiel beirren ließen. Coach Royal Ivey blickte nach dem Spiel zurück auf die Szenen an der südsudanischen Bank vor Tip-Off: "Ich habe ihnen im Huddle gesagt: 'Das ist unglaublich. Aber wisst ihr was? So ist das Leben. Wir müssen rausgehen, spielen und den Kampf annehmen.'"
Nach dem starken Beginn Puerto Ricos kam Iveys Mannschaft mit der Zeit immer besser in die Partie und ging Anfang der zweiten Halbzeit erstmals in Führung. Diese sollten sie bis zum Spielende nicht mehr abgeben. Ein Grund dafür: Die starke Arbeit am offensiven Brett, wo der Südsudan starke 24 Punkte aus zweiten Chancen erzielte. Ex-NBA-Profi Wenyen Gabriel erarbeitete seiner Mannschaft alleine vier zweite Gelegenheiten und griff insgesamt neun Rebounds ab: "Es hat wehgetan, die falsche Hymne zu hören. Ich denke aber, dass uns das geholfen hat, uns zu motivieren. Schwierige Umstände motivieren uns, Widrigkeiten zu überwinden, macht uns stärker", sagte der Big Man nach der Partie dem Portal BasketNews.
Ein wichtiger Sieg in der Gruppe, schließlich warten mit den beiden Medaillenfavoriten USA und Serbien noch zwei absolute Schwergewichte in den zwei ausstehenden Vorrundenspielen. Gerade das mit Stars gespickte Team USA kennen die Südsudaner aber bereits gut, hatte man die vermeintliche Übermannschaft um LeBron James in der Vorbereitung doch am Rande einer Niederlage. Nur mit einem Zähler Differenz (100:101) musste man sich den US-Boys geschlagen geben.
"Das hat uns viel Selbstvertrauen gegeben, dass wir aus einem bestimmten Grund hier dabei sein dürfen. Viele Leute haben an uns gezweifelt, aber das knappe Spiel gegen die USA hat unser Team und unser Land näher zusammengebracht", betonte Gabriel, der ab der kommenden Saison für Maccabi Tel Aviv auflaufen wird, die Wichtigkeit des Testspiels: "Es hat uns viel Selbstvertrauen gegeben, zu wissen, dass wir hier rausgehen können, um uns einen Namen zu machen."
Zunächst feierten die Südsudanesen den Auftaktsieg gegen Puerto Rico aber gebührend mit ihren Fans, das Hymnen-Dilemma vor der Partie war da schon wieder fast vergessen: "Diese Jungs wollten spielen und ihre Hymne hören. Die Hymne haben die Veranstalter vermasselt, ihren Fehler dann aber korrigiert. Wir machen alle Fehler. Am Ende des Tages sind diese Jungs Brüder", zeigte sich Coach Ivey versöhnlich und voll des Lobes für seine Truppe. Trotz der nur knappen Niederlage wird dieser Zusammenhalt nun auch gegen Team USA vonnöten sein, das man bereits am Mittwoch (21 Uhr) wiedertrifft.
amw