01.04.2026
Ein Jahr nach Beginn des College-Sturms
Die 6+6-Regelung gilt heute als eine der grundlegenden Maßnahmen für die jüngsten DBB-Erfolge bei WM und EM. Die Einführung der NIL-Deals an US-Colleges gefährdete das Modell zur Nachwuchsförderung akut. Knapp ein Jahr später haben die Bundesligisten aber dennoch einen Umgang damit gefunden.

Mehr als 16 Jahre ist es nun her, dass die Bundesligisten die Regelung, die heute als "6+6" bekannt ist, mit großer Mehrheit verabschiedeten. Anstelle der bis dato drei obligatorischen Spieler mit deutscher Staatsangehörigkeit wurde diese Zahl nun schrittweise auf sechs Akteure angehoben. Immer wieder verlängerte die Liga die Regel. Eine Abschaffung gilt auch in Zukunft als unwahrscheinlich.
Denn: Aus heutiger Sicht ist sie ein voller Erfolg. Sie verschaffte heimischen Spielern auf Anhieb mehr Spielzeit. Plötzlich "wurden die Vereine quasi gezwungen in die Jugend zu investieren", erklärte Co-Bundestrainer Alan Ibrahimagic gegenüber dem kicker und basketball-world.news im vergangenen Jahr. "Sie mussten jeweils mindestens einen Jugendtrainer hauptamtlich beschäftigen und so weiter, das ging schon in die richtige Richtung."
Relativ schnell habe man erkannt: "Es ist genug Talent da, grundsätzlich auch eine gute Infrastruktur, also musste man ernsthaft und mit der nötigen Zeit arbeiten." Auch aus dem Ausland kam bereits früh die Erkenntnis: "Ihr habt alles, was man braucht, in ein paar Jahren werdet ihr ziemlich gut sein. Und so ist es gekommen", betonte der EM-Erfolgstrainer.
Heute gelten die Erfolge der deutschen Nationalmannschaft, mit dem Gewinn von Welt- und Europameisterschaft, als direkte Konsequenz der Einführung der 6+6-Regel. Aus dem WM-Kader von 2023 gingen bis auf David Krämer alle Spieler bei einem Bundesligaklub ihre ersten Schritte.

Nicht nur in der Spitze hat sich seither einiges getan, sondern auch in der Breite. Erhielten in der Saison 2008/09, vor der schrittweisen Einführung der Regel, noch 28 Deutsche mindestens zehn Minuten Spielzeit, hat sich diese Zahl heute auf 82 fast verdreifacht.
Dass die Regel auch noch in der laufenden Spielzeit Bestand hat, war aber längst keine ausgemachte Sache. Das folgenschwere Urteil des Obersten Gerichtshofs in den USA, das es College-Athleten fortan erlaubte, mit ihrem Wirken gutes Geld zu verdienen, hatte im vergangenen Sommer einen möglicherweise nie dagewesenen Abfluss deutscher Nachwuchsspieler zur Folge. Dabei waren es ausgerechnet sie, die die Erfüllung der Regelung maßgeblich ermöglichten. Alba-Sportdirektor Himar Ojeda schlug noch im vergangenen Jahr gegenüber dem Tagesspiegel Alarm: "Das ist dramatisch. Im Alter zwischen 18 und 23 Jahren wird es perspektivisch kaum Spieler geben, weil jeder mit Talent ans College gehen wird."
Nach zwei Dritteln der Spielzeit 2025/26 ist allerdings klar: Die Regel hat gehalten und erfreut sich auch weiterhin einer breiten Überzeugung und Unterstützung. Das liegt einerseits daran, dass für alle Beteiligten klar sein dürfte, dass die teils millionenschweren NIL-Verträge lediglich eine temporäre Einschränkung darstellen. Einige Spieler werden sicherlich den Sprung in die NBA schaffen, die meisten jedoch nicht. Und viele dieser Jungstars werden nach spätestens vier Jahren eben wieder in der Heimat anklopfen.
Andererseits wird die Umsetzung der 6+6-Regel auch durch viele Ausnahmen erleichtert. So kategorisiert die Liga Nachwuchsspieler als "Local Player", die in der Jugend mehrere Jahre im Verein ausgebildet wurden. Ein Beispiel ist hier der Däne Tobias Jensen von ratiopharm Ulm.
Noch viel tiefgreifender ist allerdings die Klausel, dass die Mindestzahl deutscher Spieler von der gesamten Kadergröße an einem Spieltag abhängig ist. Anstelle von 6+6 müsste es eigentlich "MAX 6" heißen. Denn: Nimmt eine Mannschaft lediglich elf anstelle der regulären zwölf Spieler mit zu einem Match, dann muss sie nur noch fünf Deutsche einsetzen. Beträgt die Gesamtzahl an Akteuren sogar nur zehn, dann genügen auch schon vier Deutsche - im Kader wohlgemerkt, eingesetzt werden, müssen sie nicht (siehe später). Die einzige Konstante in der Rechnung: die maximal sechs Spieler nicht-deutscher Herkunft.
| Teams | Dt. Spieler (eingesetzt) | Spieler gesamt |
|---|---|---|
| Bayern | 6 (5) | 12 |
| Berlin | 6 | 12 |
| Bamberg | 6 | 12 |
| Bonn | 4 | 10 |
| Ulm | 5* | 11 |
| Würzburg | 6 (4) | 11 |
| Ludwigsburg | 6 | 12 |
| Trier | 5 | 11 |
| Rostock | 5 | 11 |
| Chemnitz | 6 (4) | 12 |
| Frankfurt | 4 | 10 |
| Vechta |
Allein am vergangenen Spieltag zeigte sich, dass von dieser Ausnahmeregelung diverse Teams Gebrauch machen. Nur zehn der 18 Bundesligisten führten hier auch wirklich sechs Deutsche in ihrem Spieltagskader. Noch deutlicher sind die Zahlen in Bezug auf die tatsächlich eingesetzten heimischen Basketballer. Lediglich Berlin, Bamberg, Ludwigsburg und Jena brachten in der Vorwoche die sechs erforderlichen Spieler auch tatsächlich zum Einsatz. Bei der Hälfte der Liga (9) standen hingegen nur vier oder sogar weniger Deutsche auf dem Feld.
Ein Ausweg könnte eine Zusatzregelung sein, die erfordert, dass zu jedem Zeitpunkt ein Deutscher auf dem Feld stehen muss. Eine ähnliche Klausel hatte der ehemalige Bundestrainer Dirk Bauermann auch bei der Einführung der 6+6-Regel 2009 gefordert, fand damit aber nicht ausreichend Gehör.
Trotz aller Ausnahmen bleibt die 6+6-Regel eine Erfolgsgeschichte in der deutschen Basketball-Vergangenheit. Sie ist der Grundstein für die Stärkung des DBB auf breiter Basis. Dass nun auch die NIL-Deals kompensiert werden konnten, ist ein eindrucksvolles Zeugnis dessen.
Julius Ostendorf
| 5 (4) |
| 11 |
| Oldenburg | 4 (3) | 10 |
| Jena | 6 | 12 |
| Hamburg | 6 (5) | 12 |
| MBC | 6 (3) | 12 |
| Heidelberg | 5 (4) | 11 |
| Braunschweig | 6 (4) | 12 |