vor 4 Stunden
New York glänzt wieder im Kollektiv
Die New York Knicks haben die ersten beiden Spiele der NBA Finals für sich entschieden - und das, obwohl Jalen Brunson eine gute, aber keine überragende Serie spielt. Es zeigt sich: Der Erfolg der Knicks geschieht im Kollektiv.

Coach Mike Brown brachte es nach der Partie treffend auf den Punkt. "Irgendeiner ist immer zur Stelle" lobte der Trainer fest und lag damit goldrichtig. Jalen Brunson mag zwar in beiden vierten Vierteln jeweils den Sieg gesichert haben, doch dass die Knicks jeweils überhaupt erst in die Position kamen, war dem Großteil des Teams zuzuschreiben.
Denn: Die Spurs machen es defensiv fantastisch gegen den kleinen Guard, den in den Playoffs noch keiner stoppen konnte. Zwar erzielt dieser 25 Zähler im Schnitt, braucht dafür aber 28 Würfe und verwandelt davon nur 33,9 Prozent. Viele Teams könnten das nicht kompensieren, die Knicks gewinnen dennoch gleich zweimal - auswärts, in den NBA Finals.
In Spiel 2 war es plötzlich Mikal Bridges, der im Angriff glänzen konnte und zeitweise acht Würfe in Folge traf. Jener Bridges, für den New York vor zwei Jahren fünf Erstrundenpicks investierte und der immer wieder dafür kritisiert wurde, dass er nicht konstant genug sei. Das mag stimmen, zu sehr ist er von seinem Sprungwurf abhängig, doch die Qualität ist unumstritten weiter da.
"Mikal hatte eine Phase, wo er unfassbar wichtig für uns war - auf beiden Seiten des Feldes", wusste auch Brown. „Einen De’Aaron Fox stoppst du nicht, aber du kannst es ihm schwer machen - und genau das hat er in der zweiten Halbzeit gemacht. Neun seiner 20 Punkte machte Bridges im dritten Abschnitt, er hielt die Knicks-Offense am Laufen, als sowohl Brunson als auch Karl-Anthony Towns (Foulprobleme) auf der Bank saßen.
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New York gewann diese fünf Minuten mit 11:6, obwohl die Spurs die meiste Zeit Victor Wembanyama auf dem Feld hatten. Das ist bisher der kleine, aber feine Unterschied dieser Serie. Die Knicks können Minuten ohne ihre Stars überleben, San Antonio dagegen nicht. Wie Brown es bereits sagte: "Irgendeiner ist immer zur Stelle."
Beinahe eine Untertreibung, denn bei den Knicks waren es fast alle. Mitchell Robinson hielt im letzten Play Wembanyama vor sich, O.G. Anunoby war als Schweizer Taschenmesser überall. Der Brite traf seine Dreier, zog in der Crunchtime clever ein Foul beim Dreier. Jose Alvarado nervte die Spurs-Guards mit seiner Galligkeit, Landry Shamet bleibt weiter heiß aus der Distanz.
All die kleinen Dinge haben sich für die Knicks in den vergangenen Monaten zusammengefügt und macht es so schwer sie zu schlagen. "Wir kriegen so viel Produktion von all den Jungs. Das ist es, was ein Team ausmacht. Es kann von jedem der Abend sein und keiner unserer Spieler ist deswegen neidisch. Jeder opfert sich und heute haben wir wieder einen Weg gefunden, um das Spiel zu gewinnen", formuliert es Brown.

Bisweilen klingt das klischeehaft, auch bei Brunson klingelt das Phrasenschwein in seinen Interviews in einer Tour („Wir beginnen immer bei 0:0“), doch wenn man die Knicks so sieht, dann mag man es auch glauben. Die Knicks vereinen in dieser Woche Qualität mit Quantität und spielen mit einer Neun-Mann-Rotation, die seinesgleichen sucht, weil es einfach passt. Jeder könnte starten.
Dazu kommt die Erfahrung von bitteren Niederlagen, die der Gegner noch nicht kennt. Nur Anunoby wurde bereits NBA-Champion mit Toronto, fehlte in den Playoffs jedoch verletzt. Bridges scheiterte 2021 mit Phoenix, während Spieler wie Brunson und Towns mehrfach in den Conference Finals den Kürzeren zogen.
Sie kennen das Gefühl der Niederlage, umso näher rücken sie in dieser Saison zusammen und ordnen alles dem Erfolg unter. "Wir sind eine Einheit", betonte auch Towns. "Dieses Team fällt nicht auseinander, auch wenn es schwere Zeiten gab, weil wir uns alle vertrauen. So eine Saison ist eine Knochenmühle und wenn die Atmosphäre in einem Team nicht passt, dann ist Erfolg auch nicht möglich."
Robert Arndt