vor 10 Stunden
Teure Stars gibt es keine mehr
Partizan Belgrad will nach einer Seuchensaison wieder in die Normalität zurückkehren. Der Saisonstart ist geglückt, doch wirklich aussagekräftig war dieser nicht. Das Spiel bei den Bayern wird zur ersten echten Standortbestimmung.

"Was machen wir da? Bin ich der Einzige, der denkt, dass es kompletter Wahnsinn ist?" Diese Frage stellte Spielmacher Carlik Jones im Sommer auf X in den Raum und so ziemlich jeder wusste, dass damit die Transferbemühungen von seinem Team Partizan gemeint waren. Der Nationalspieler aus dem Südsudan hatte selbst gegen Ende der Saison seinen Vertrag verlängert, doch anschließen wollte sich ihm kaum jemand.
Shake Milton (Hapoel Jerusalem), Duane Washington (Bayern), Nick Calathes (PAOK), Sterling Brown (Zalgiris), Isaac Bonga (Panathinaikos), Dylan Osetkowski (Valencia), Aleksej Pokusevski (Krasnodar) und Bruno Fernando (Anadolu Efes) - sie alle verließen den Klub und kamen zumeist bei guten Teams unter - trotz einer turbulenten und enttäuschenden Saison bei Partizan.
Chaos würde es wohl eher treffen. Die Causa Zeljko Obradovic beschäftigte den Klub die ganze Saison, Nachfolger Joan Penarroya konnte da einem fast schon etwas leidtun. Der Sommer stellte vielmehr eine Zäsur dar, gleichzeitig merkte Partizan schnell, dass sich Parameter verändert haben. Die Fan-Proteste dominierten die Schlagzeilen, Free Agents überlegten sich genau, ob sie sich wirklich auf dieses Pulverfass setzen wollen.
| Zugänge | Abgänge |
|---|---|
| Lamar Stevens (Paris) | Isaac Bonga (Panathinaikos) |
| Kevarrius Hayes (Monaco) | Duane Washington (Bayern) |
| Alessandro Pajola (Bologna) | Bruno Fernando (Anadolu Efes) |
| Derek Willis (Paris) | Nick Calathes (PAOK) |
| Kyle Allman (Türk Telekom) | Shake Milton (Hapiel Jerusalem) |
| Luca Vildoza (Bologna) | Aleksej Pokusevski (Lokomotiv Kuban) |
| Ethan Thompson (Indiana Pacers) | Sterling Brown (Zalgiris) |
| Nikola Tanaskovic (Buducnost) | Dylan Osetkowski (Valencia) |
| Bandja Sy (Oradea) | Mitar Bosnjakovic |
Dazu kommt, dass sich Partizan selbst ein Limit auferlegt hat. Man hat die Lehren aus dem Fall Jabari Parker gezogen, der einer der Sündenböcke im Vorjahr war und laut Aussage von Präsident Ostoja Mijailovic in dieser Saison noch 2,5 Millionen Dollar erhalten soll. Eine Rolle spielt der ehemalige Nr.2-Pick nicht mehr, dennoch findet man einfach keinen Abnehmer für den Forward.
"Wir werden nie wieder Spieler mit solch einem Gehalt verpflichten", kündigte Mijailovic im März an. "Mehr als 1,5 Millionen Euro netto wird hier niemand mehr bekommen, das wurde auch schon vom Vorstand abgesegnet. Und das besitzt seine Gültigkeit, solange wir diesen Klub führen." Ausnahmen gebe es womöglich nur für serbische Spieler, allerdings konnte Partizan keinen Local Hero überzeugen.
Stattdessen konnte Partizan erst recht spät den Kader füllen. Es ist ein Mix aus EuroLeague-Rollenspielern wie Alessandro Pajola, Lamar Stevens, Derek Willis oder Kevarrius Hayes, angereichert mit G-League-Talent wie Ethan Thompson. Auf große Namen wartete man vergeblich, entsprechend gedämpft waren die Erwartungen. 5.000 Plätze blieben beim ersten Heimspiel gegen Mailand frei, ein weiteres Zeichen, dass die Mannschaft sich die Liebe der Fans erst wieder erarbeiten muss.

Arbeit ist bei dieser Mannschaft auch das Stichwort. Mit Ausnahme von Star-Spieler Jones fehlen individuelle Könner, stattdessen bilden Arbeiter wie Pajola, Stevens oder Center Hayes den Kern des Teams. Ein Big Man und ein weiterer großer Forward sollen noch kommen, auch weil Vierer Willis zunächst einmal verletzt ausfiel.
Dennoch sind die ersten Eindrücke gut. Auch in Paris wurde gewonnen, gleichzeitig sei gesagt, dass dies Teams sind, die eher im unteren Drittel der EuroLeague zu verorten sind. Das Spiel in München wird nicht nur für die Bayern, sondern eben auch für Partizan zu einer echten Standortbestimmung.
Gewonnen haben die Belgrader ihre Spiele über die Verteidigung, auch das ist neu. Mir Pajola und Luca Vildoza stachen zwei Neue hervor, Hayes ist einer der besten Defensiv-Center in Europa. Ein Funken von Aufbruchstimmung ist zu verspüren, in dieser Hinsicht war die Qualität der ersten beiden Gegner egal. Hoffnung ist es, was gegenüber den Fans verkauft werden muss, denn das hat man nach solch einer Chaos-Saison bitter nötig.
Robert Arndt