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    NBA

    vor 22 Stunden

    Wieso die Niederlage umso mehr Sorgen bereitet

    Nach starkem Celtics-Einstand: Ist George der perfekte Fit?

    Auf der einen Seite haben sich die Boston Celtics bei ihrem Saisonauftakt blamiert. Auf der anderen Seite haben sie einen Neuzugang gesehen, der einen nahezu idealen Einstand feierte. Über die Möglichkeiten, die Paul George seinem neuen Team eröffnet - und die Unterschiede zu seinem Vorgänger.

    Paul George
    Paul George ist laut eigener Aussage vollständig genesen. Rick Osentoski

    Für Freunde von Überreaktionen sind die ersten Tage einer NBA-Saison immer wieder gefundenes Fressen. Gerade dann, wenn es so läuft wie bei den Celtics im Auftaktspiel gegen Detroit - für knapp drei Viertel zumindest: War der kontroverseste Trade des Sommers am Ende vielleicht doch eine Verstärkung?

    Um das vorwegzunehmen: Kontrovers wird dieser Trade auch weiterhin bleiben. Das hat aber nicht in erster Linie mit Paul George zu tun. Und wenn dieser von jetzt an öfter so spielt wie bei seinem Debüt, wird er die Konversation verändern, die Logik hinter der Trade-Entscheidung Bostons zumindest etwas verständlicher machen.

    Es war nur ein Spiel. Ein Spiel, das verloren wurde. Das aber Hoffnung machte, weil das wenig mit ihm zu tun hatte. Individuell hätte es für George tatsächlich nicht besser laufen können. "Ich bin kein Freund von moralischen Siegen", sagte er zwar, nachdem er den Pistons 38 Punkte eingeschenkt hatte, die meisten jemals in einem Celtics-Debüt. "Es bedeutet nichts."

    Das stimmte zwar, in diesem Moment. Im Großen und Ganzen stimmte es aber gleichzeitig auch nicht.

    Difference-Maker

    George ließ direkt die Möglichkeiten erahnen, die er seinem neuen Team eröffnet. Wobei er die Erwartungen maßlos übertraf - er wird sicherlich nicht konstant der Topscorer oder beste Spieler des Teams sein. Das wäre früher vielleicht möglich gewesen, als Boston Berichten zufolge schon mehrfach für ihn traden wollte, heute nicht mehr. Einen Unterschied kann er dennoch machen.

    Abgesehen von all den persönlichen Differenzen gab es stets auch sportliche Gründe, warum George als guter Fit für dieses Team galt, als besserer womöglich als Jaylen Brown. Allen voran wurde dabei sein Shooting genannt, gerade aus Catch-and-Shoot-Situationen, und dies war gegen Detroit von Beginn an zu sehen.

    Paul George: Statistiken in seinem Celtics-Debüt

    Statistik
    Punkte38
    Würfe12/21
    Dreier7/12
    Rebounds5
    Assists3
    Steals5
    +/-+9

    Sieben Dreier versenkte George. Im dritten Viertel waren auch Heatchecks aus dem Dribbling dabei, zuvor jedoch resultierten seine Würfe primär aus guten, smarten Bewegungen, aus dem Fluss einer Offense, die diese neue Waffe immer wieder fand. George cuttete, bot sich an, war abseits des Balles jederzeit bereit für Abschlüsse oder eine Attacke von der Second Side.

    Mehr als die Drives und And-One-Finishes am Ring, die er in dieser Partie ebenfalls situativ auspackte, wird das ein Aspekt seines Spiels sein, auf den sich Boston voraussichtlich immer verlassen kann, zumal er seit Jahren um die 40 Prozent seiner Catch-and-Shoot-Dreier trifft - und gleichzeitig weiß, wie er zu harte Closeouts attackieren kann.

    Ein perfekter Fit

    "Das Spiel hat ihn gefunden, er hat über die Partie immer wieder großartige Reads gemacht", erkannte Head Coach Joe Mazzulla an. "Es ist ihm immer wieder gelungen, Vorteile für ihn selbst oder für andere zu finden."

    Bisweilen wirkte es tatsächlich, als sei George schon lange Teil dieser Offense, so intuitiv bewegte er sich und so selbstverständlich kam er an seine Abschlüsse. Und auch defensiv brauchte er keine Eingewöhnungszeit. Bis zur Halbzeitpause hatte er bereits vier Steals angehäuft und fast allein dazu geführt, dass Boston mehrfach ins Laufen kommen konnte.

    Gemeinsam mit unter anderem Jayson Tatum und Derrick White trug er viel dazu bei, Pistons-Star Cade Cunningham lange mehr oder weniger aus dem Spiel zu halten. Der 36-Jährige mag nicht mehr der Athlet früherer Tage sein, ein disziplinierter, langarmiger und smarter Verteidiger mit sehr schnellen Händen ist er immer noch.

    "Es hat viel Spaß gemacht, ihm zuzusehen", sagte White, genau wie George ein mehrfacher All-Defensive-Spieler. "Wie er Ballverluste forciert hat und disruptiv war, das war großartig. Er hat ein tolles Spiel gemacht."

    Paul George: Es gibt Grenzen

    Auch das ist ein Bonus dieser Verpflichtung: Boston hatte 25/26 zwar die fünftbeste Defense der NBA, zwang seine Gegner aber fast nie zu Ballverlusten, rangierte mit Turnover-Raten um die 13 Prozent seit 22/23 stets unter den schlechtesten sieben Teams der Liga. Gegen Detroit waren es 17 Prozent, das wäre letzte Saison Liga-Bestwert gewesen. Nur ein Spiel, klar - aber vielversprechend!

    Trotz der Niederlage, die auch George nicht verhindern konnte. Einerseits, weil er im Zuge des 23:0-Runs (!) der Pistons zum Teil nicht auf dem Court stand, wegen einer Mischung aus Foul-Trouble und der Tatsache, dass er 36 Jahre alt ist und nicht zu viele Minuten gehen sollte. Und andererseits auch deshalb, weil das nun eben nicht (mehr) seinen Kompetenzen entspricht.

    Teilweise versuchte es Boston zwar am Ende, George den Ball in der Hoffnung zu geben, er solle das Spiel jetzt wieder umbiegen. Das zeugte aber eher von den Problemen anderswo; George ist nicht derjenige, der aus dem Nichts Offense kreieren und das Team auf seinen Rücken nehmen kann. Die physische Dominanz und Unwiderstehlichkeit eines Browns etwa hat er nicht.

    Den Drive auch nicht; Brown verzeichnete vergangene Saison fast 25 Drives pro Partie, die drittmeisten der Liga. Er war der Celtic, der den Großteil der Paint Touches kreierte. "PG" kam in Philly auf ein Drittel dieser Drives, gegen Detroit wurden laut Tracking-Daten der NBA ganze zwei davon verzeichnet.

    Das ist in Boston aber ohnehin eigentlich Tatums Job. Der Superstar zeigte Detroit kein gutes Spiel (13 Punkte, 6/23 FG) und vor allem eine schaurige zweite Halbzeit (2 PTS, 1/10 FG) - es ist davon auszugehen, dass das nicht von nun an dessen Standard sein wird, sonst hätte Boston ohnehin größere Probleme.

    Jayson Tatum
    Jayson Tatum steht nach einem verkorksten Saisondebüt ebenfalls unter Druck. Rick Osentoski

    Wie geht es mit Paul George weiter?

    Bei George ist es derweil gar nicht so leicht, konkrete Erwartungen zu formulieren. Seine letzte All-Star-Saison ist erst zwei Jahre her, nur waren diese beiden Jahre eben problematisch. Bloß 78-mal lief er aufgrund diverser Verletzungen für die Sixers auf, die Punktzahl aus seinem Celtics-Debüt übertraf er in Philadelphia lediglich ein einziges Mal.

    George äußerte jedoch die Hoffnung, dass er diese schwierige Zeit hinter sich habe. "Die Reise hierher ist etwas, worauf ich stolz sein kann", sagte George. "Die letzten beiden Jahre waren sehr schwierig, ich habe immer wieder mit Verletzungen gespielt und war nie ganz bei 100 Prozent." Nun fühle er sich wieder wie er selbst, "zurück in meinem eigenen Körper."

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    Es wird sich zeigen, ob er tatsächlich noch einmal dauerhaft gesund bleibt. Und wie sich seine Rolle entwickelt, ob er eher ein guter Rollenspieler sein wird oder ein veritabler zweiter Star. Im ersten Spiel hat Boston in jedem Fall gesehen, wie er das Team bereichern kann, mit seinem Shotmaking, seiner Rafinesse, seiner Defense. Diese Kombination muss keine 38 Punkte machen, um einen konstanten Mehrwert zu liefern. Man nimmt sie natürlich trotzdem gerne.

    "Er war unglaublich", sagte Tatum - der nun nachziehen muss. Der kontroverseste Deal des Sommers kam bekanntermaßen nicht nur deshalb zustande, weil das Front Office George für einen besseren Fit hielt als Brown. Allen voran war dieser Move auch eine Wette auf Jayson Tatum.

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    Ole Frerks

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