vor 10 Stunden
Warum der Unmut wächst
Das europäische NBA-Projekt kommt - so viel ist bereits seit vielen Monaten klar. Tatsächliche Neuigkeiten sind in der weiterhin stetigen Kommunikation der US-Amerikaner aber schon längst nicht mehr hinzugekommen. Das liegt auch an einigen strukturellen Problemen.

Da wäre einerseits das drängendste Thema: Die Kooperation mit der EuroLeague. War die NBA ursprünglich mit dem Ziel angetreten, das in zahlreiche Ligen und Unübersichtlichkeiten getrennte Europa zu vereinen, müsste inzwischen allen Beteiligten klar sein, dass das nicht so einfach ist, wie zunächst dargestellt.
Das liegt natürlich einerseits in der Natur der Sache, dass Machthabende ihre administrative Position nur ungern aufgeben. Ganz konkret hat es in diesem Fall aber auch mit der jüngsten Expansion der EuroLeague zu tun. Die derzeitige europäische Königsklasse verfügt über 20 Mannschaften und drängt laut Medienberichten sogar auf eine Erweiterung auf bis zu 24 Teams in naher Zukunft.
Die NBA hält bislang jedoch an ihren Plänen fest, eine Liga (zunächst) mit maximal 16 Mannschaften an den Start zu bringen - zehn bis zwölf feste Teilnehmer sowie zwei bis vier Qualifikanten. Diese beiden Herangehensweisen übereinzubringen, gestaltet sich freilich schwer - dafür muss man kein Mathematiker sein.
Die EuroLeague hat in vielen Fällen mehrjährige Lizenzen ausgegeben und dabei - beispielsweise im Fall von Dubai - ordentlich die Kasse klingeln lassen. Die NBA will außereuropäische Teams aber bekanntlich nicht dabei haben. Einfach so rausschmeißen werden sich die Scheichs allerdings gewiss nicht, gleiches gilt für vermeintlich kleinere Märkte, die der NBA ein Dorn im Auge sind (Zalgiris Kaunas, Partizan und Roter Stern Belgrad, Valencia, etc.).

Diverse Interessenten am NBA-Europe-Projekt kommen indes direkt aus der EuroLeague: Der FC Bayern, Real Madrid oder der FC Barcelona sind hier prominente Beispiele, ohne die eine solche Liga wohl nur schwerlich wird auskommen können. Alle drei (sowie einige weitere) sind allerdings A-Lizenzinhaber der EuroLeague.
Das bedeutet nicht nur, dass sie als Anteilseigner der Liga ein intrinsisches Interesse an dessen Fortbestehen haben, sondern auch, dass sie sich eines garantierten Platzes mit klarer Umsatzbeteiligung sicher sind. Die NBA hingegen verlangt den Einkauf in die Liga mittels einer Franchise-Gebühr, die dem Vernehmen nach im hohen dreistelligen Millionen- bis hin zum Milliardenbereich liegt.
"Wir brauchen einen Business Case, der sich für uns auch rechnet", machte Bayern-Boss Herbert Hainer nun nochmal deutlich. "Die Investitionen, die wir tätigen, müssen sich auch irgendwann ausbezahlen." Aber hier gibt es begründete Zweifel. Zwar ist die NBA bekanntlich eine Marketingmaschine mit bester Vernetzung. Aber wird es deshalb möglich sein, das notorische Verlustgeschäft des europäischen Basketballs in die schwarzen Zahlen zu hieven?
Darüber hinaus ist noch völlig unklar, was mit den Franchisegebühren geschieht. Die NBA erklärte, in den nächsten zehn Jahren zehn Milliarden Dollar in den Kontinent investieren zu wollen. Laut Informationen von basketball-world.news speist sich dieser Betrag in Teilen auch aus den Franchisegebühren.
Einigen Standorten dürfte dieses Geld zugutekommen, um ein dauerhaftes Geschäftsmodell auf die Beine zu stellen, indem Arenen, Sportkomplexe und klare Vereinsstrukturen geschaffen werden. Eine gute Sache. Der FC Bayern (als Beispiel) hat für all das aber bereits selbst gesorgt. Wie vergleichbar kann eine Franchisegebühr angesichts dessen also sein? In München wird sicherlich kritisch darauf geblickt, zumal eine solch hohe Gebühr möglicherweise mit einem externen Investor bestritten werden müsste.
Die Rolle als großer Hoffnungsträger des europäischen Basketballs hat die NBA kommunikativ großartig inszeniert und damit jede Menge Interesse geweckt. Die einstigen Ankündigungen schlugen große Wellen und sorgten für jene Aufmerksamkeit, die man erreichen wollte.
Inzwischen ist aber lange nicht mehr viel passiert. Laut eigener Aussage berät die Liga derzeit über die eingetroffenen Angebote für Franchise-Standorte und hält sich bei der Nennung großer Zahlen stets nicht zurück. Hohe Milliardenbeträge seien offeriert worden, die größten Fußballvereine der Welt hätten ihr Commitment signalisiert - und: Aus allen Zielstädten hätte es gleich mehrere Angebote gegeben. Also: offenbar auch aus Berlin und München.
Im Süden Deutschlands wurde diese Ankündigung indes nicht nur positiv aufgenommen: "Man muss mal sagen, dass in der letzten Zeit viel über NBA Europe gesprochen wurde. Und da muss man nicht alles auf die Goldwaage legen", zweifelte Hainer an der Aussage von NBA-Boss Adam Silver. Sorgen um Konkurrenz aus der eigenen Stadt mache man sich beim FCB(B) deshalb "definitiv nicht. Ich gehe mal davon aus, dass es ohne den FC Bayern hier keinen wettbewerbsfähigen Basketball geben wird."
Hinter vorgehaltener Hand wächst der Unmut darüber, dass die NBA mit großen Worten vorprescht, aber Konkretes eher vermissen lässt. "Es gibt noch eine Menge Gespräche darüber, wie die Rahmenbedingungen am Ende aussehen werden", deutet Hainer die zahlreichen offenen Fragen an. Ein Launch im kommenden Jahr sei deshalb ohnehin "sehr unrealistisch" - auch das eine Ankündigung der NBA mit vielleicht begrenztem Bezug zur Realität.
Julius Ostendorf