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Ex-Bundestrainer im exklusiven Interview
Vor seiner Entlassung beim FC Bayern München kämpfte Ex-Bundestrainer Gordon Herbert mit schweren gesundheitlichen Problemen. Im Interview mit basketball-world.news sprach der Kanadier erstmals über diese Zeit.

Mitte Oktober stand Gordon Herbert plötzlich mit Maske an der Seitenlinie beim FC Bayern München, diese behielt er für einige Spiele auf, doch fast genau einen Monat später fehlte der Kanadier der Mannschaft komplett - und dies für knapp drei Wochen.
Berichtet wurde von den Nachwirkungen einer Corona-Infektion, doch das war nur die halbe Wahrheit. Herbert litt in dieser Zeit an einer Herzkrankheit, kämpfte sich aber zurück, bevor er kurz vor Weihnachten nach einer Serie von Auswärtsniederlagen in der EuroLeague entlassen wurde.
Inzwischen geht es dem 66-Jährigen wieder besser, zuletzt unterzog sich der zukünftige kanadische Nationaltrainer noch einer Knie-OP. Im Gespräch mit basketball-world.news sprach Herbert über diese kritischen Wochen.
Coach Herbert, bis zu Ihrem Engagement als kanadischer Nationaltrainer ist es noch ein bisschen. Wie verbringen Sie Ihre Zeit?
Gordon Herbert: Ich schaue NHL, ich verfolge die NBA und manchmal schaue ich auch ein bisschen EuroLeague. Der Basketball, der derzeit in der EuroLeague gespielt wird, sagt mir sehr zu. Zusätzlich war ich bei den Spielen von Red Bull München, bevor sie in den Playoffs ausgeschieden sind.
Wie steht es um Ihre Gesundheit?
Herbert: Mir geht es deutlich besser. In meiner Zeit bei den Bayern hatte ich COVID und habe darunter gelitten. Letztlich hatte ich Glück, weil die Ärzte bei mir einen zusätzlichen Herzschlag entdeckt und mich aus dem Verkehr gezogen haben. Bei mir wurde Myokarditis (eine Herzmuskelentzündung, Anm. d. Red.) festgestellt und zwei Herzklappen haben sich nicht mehr richtig geschlossen.

Dafür waren Sie aber schnell wieder an der Seitenlinie.
Herbert: Ja, nach drei Wochen habe ich wieder gecoacht und dann wurde ich knapp einen Monat später gefeuert. Es war eine schwere Zeit. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass COVID so gefährlich sein könnte.
Gab es für Sie auch einen Moment, an dem Sie an einen Rücktritt dachten, um sich lieber auf Ihre Gesundheit zu fokussieren?
Herbert: Ich habe die Arbeit als Trainer über meine eigene Gesundheit gestellt. Co-Trainer T.J. Parker war nicht da, weil sein Vater gestorben war und wir hatten plötzlich nur noch zwei Coaches. Ich sah es also als meine Pflicht an, zu bleiben und zu coachen. Dafür habe ich einen Preis gezahlt. Es wurde wirklich schlimm und ich habe 16-17 Stunden am Tag geschlafen. Ich war fast zweieinhalb Wochen im Bett.
Wie hat der Verein in dieser Zeit gehandelt?
Herbert: In dieser Zeit haben sich viele Spieler und Mitarbeiter bei mir gemeldet - die Unterstützung war großartig. Unsere medizinische Abteilung hat zudem einen exzellenten Job gemacht und auch die Ärzte haben mir enorm geholfen.
Bereuen Sie ein wenig, wie Sie mit der Situation umgegangen sind?
Herbert: Ich empfehle jedem, nicht mit COVID zu coachen (lacht). Die Gesundheit sollte oberste Priorität haben. Ich hatte großes Glück. Ich lag mit Myokarditis und einem weiteren Herzschlag im Bett und fragte mich, ob ich das durchstehen könnte. Das war schon sehr bedrohlich. Ich weiß, dass Menschen schon daran gestorben sind.
Aber Sie sind komplett kuriert?
Herbert: Ich hatte Glück, dass mein Herz in guter Verfassung ist, gleiches gilt für die Herzklappen. Ich habe nun keinen zweiten Herzschlag mehr, mir geht es gut. Die Ärzte haben jede Menge Tests gemacht und gesagt, dass ich das Herz eines 40-Jährigen habe. Das hat mir in dieser Zeit geholfen, dass ich das durchstehen konnte.
Haben Sie damals womöglich die Knochenmühle EuroLeague mit 38 Spieltagen plus Bundesliga etwas unterschätzt?
Herbert: Ich hatte im Sommer viel Freizeit, ich fühlte mich bereit und wieder voller Energie - und dann kam die Corona-Infektion und die Folgen. Wir hatten zu dieser Zeit sieben Auswärtsspiele in Folge in der EuroLeague, währenddessen musste ich dann kürzertreten. Wir standen bei 5-4 in der EuroLeague, waren Erster in der Bundesliga und dann haben wir sieben Spiele in Serie in der Fremde verloren. Der Spielplan war einfach brutal, aber so sah die Realität aus.
Und der Verein zog die Reißleine und stellte sie frei.
Herbert: Das liegt in der Natur dieses Jobs. In der EuroLeague wurden in dieser Saison zehn Trainer entlassen, das ist genau die Hälfte. Ich kann in dieser Hinsicht dem Verein nichts vorwerfen. Als ich krank war, hat mich der Verein exzellent betreut. Es war meine Entscheidung, wieder zu coachen und dafür muss ich die Konsequenzen tragen.
Im Juli beginnen Sie ihre Arbeit als Nationaltrainer Kanadas. Bleibt es dabei?
Herbert: Ich weiß noch nicht, ob ich es in Vollzeit mache oder noch einen Klub zusätzlich übernehmen möchte. Ich könnte mir durchaus auch ein weiteres Engagement in Europa vorstellen, gerne auch in Deutschland. Vielleicht ergibt sich in dieser Hinsicht in den kommenden Monaten etwas.
Interview: Robert Arndt