04.05.2026
Gesundheit von Edwards als Fragezeichen
Die dezimierten Minnesota Timberwolves treffen nach einer harten Serie gegen die Denver Nuggets auf die San Antonio Spurs, auf die die erste echte Bewährungsprobe wartet. Die Frage ist jedoch, wie fit Anthony Edwards ist und was Minny ohne seinen Superstar zu leisten im Stande ist.

25 Jahre ist es mittlerweile her, dass sich die Spurs und Wolves in den Playoffs gegenüberstanden. 2001 gewannen die Spurs mit 3-1 in der ersten Runde, genau wie 1999. Viel Geschichte gibt es zwischen den beiden Teams also nicht - das wird sich aber hoffentlich bald ändern.
Die Vorzeichen vor der Serie sind schon sehr unterschiedlich. Die Spurs haben ein Spiel gegen die Portland Trail Blazers abgegeben, hätte Victor Wembanyama sich keine Gehirnerschüttertung zugezogen, wären sie wahrscheinlich auch in vier Spielen durchgegangen.
Selbst als ihr Superstar ein Spiel verpassen musste, gab San Antonio sich keine Blöße: Statt Wemby übernahm das Duo um Sophomore Stephon Castle und Rookie Dylon Harper, das mal eben 60 Punkte aus dem Hut zauberte. Entsprechend hatten die Spurs fünf Tage Zeit, um ein wenig auszuspannen und auf ihren Gegner zu warten.
Trotz der zwischenzeitlichen 3-1-Führung werden die Spurs wohl etwas überrascht gewesen sein, dass sie jetzt tatsächlich auf die Wolves treffen. Nach den Verletzungen von Anthony Edwards und Donte DiVincenzo ging Spiel 5 deutlich an die Nuggets, die sich anschickten, die Serie noch zu drehen.
Als dann auch noch Topscorer Ayo Dosunmu für Spiel 6 ausfiel, roch vieles nach einem Spiel 7. Minny hatte aber andere Pläne: Rudy Gobert machte Nikola Jokic erneut das Leben schwer, Jaden McDaniels übernahm die Rolle als Topscorer (32 Punkte) und T.J. Shannon haute einfach mal 24 Zähler raus.
Ein Wermutstropfen bleibt aber: Während Dosunmu wieder pünktlich fit wird, ist DiVincenzo auf jeden Fall das restliche Jahr raus und auch bei Edwards sind die Berichte unterschiedlich. Shams Charania (ESPN) sprach zunächst davon, dass er mindestens "ein paar Spiele" der Serie verpassen würde, überraschend wird es für Spiel 1 aber als "fraglich" gelistet. Ein Einsatz scheint dennoch eher unwahrscheinlich.

Damit liegt die Grundfrage dieser Serie auch schon auf der Hand: Sind die Wolves ohne ihren Superstar gut genug für die Spurs? In den drei direkten Duellen in dieser Saison war der vierfache All-Star eine absolute Waffe gegen San Antonio und legte im Schnitt 37 Punkte auf.
Dieses Scoring müssen die Wolves irgendwie ersetzt bekommen, was gegen die überragende Defensive der Spurs (Nr. 2 in den Playoffs) eine andere Hausnummer wird als gegen Denver. Ohne ihren Starting Backcourt liegt viel Last auf Neuzugang Dosunmu, Sophomore Shannon und Altmeister Mike Conley. Vor allem die beiden Youngster waren dank Schnelligkeit und Athletik von den Nuggets nicht zu stoppen, Stephon Castle, Dylan Harper und Co. werden ihnen dabei deutlich mehr Probleme bereiten. Die Guard-Verteidiger der Spurs haben die ganze Saison über gezeigt, dass sie zu den besten der Liga gehören und gegnerische Aufbauspieler regelmäßig aus dem Spiel nehmen. Für ein Team, dass aktuell Lineups spielen muss, die in dieser Form selten zusammengespielt haben, könnte das den Rhythmus ordentlich stören.
Hier müssen die beiden großen Flügel um McDaniels und Julius Randle in den Fokus rücken. Beide sind bewiesene Scorer in den Playoffs und wissen, wo der gegnerische Korb hängt, sind allerdings am liebsten in der Zone zuhause - dasselbe gilt aber auch für Wembanyama. Die beiden sollten zusehen, ihr Spiel weiter nach draußen zu verlagern und endlich ihren Dreier zu treffen (Randle in den Playoffs 30 %, McDaniels 11,1 %), sonst wird es schwer zu punkten. 64 Punkte in der Zone wie in Spiel 6 gegen Denver werden gegen die Spurs schlichtweg nicht möglich sein.
Gleichzeitig müssen die Wolves über den Kampf kommen. Seit 2024 haben sie viele harte Duelle gewonnen und stets gezeigt, dass sie pünktlich zu den Playoffs in Bestform sind. Sie können hart und physisch spielen und müssen ihre Erfahrung aus den vergangenen Jahren ausnutzen.

Man darf schließlich nicht vergessen, dass der beste Spieler der Spurs erst dreieinhalb Playoff-Spiele auf dem Buckel hat. In diesem dominierte Wembanyama zwar, Donovan Clingan und Robert Williams III haben allerdings nicht die defensiven Fähigkeiten von Rudy Gobert. Der viermalige DPoY hat Nikola Jokic in der ersten Runde so gut verteidigt, wie wohl kaum ein Spieler zuvor, ob er das gleich mit seinem Nationalmannschaftskollegen machen kann, ist allerdings fraglich.
Wemby ist viel beweglicher und größer als der Joker und kommt mehr aus der Bewegung als aus dem Post, was Gobert oft Probleme bereitet. Zudem erlaubt Goberts Ungefährlichkeit in der Offensive dem 22-Jährigen, in der Zone zu parken und als Help-Verteidiger zu glänzen. Wenn San Antonio dieses Duell dominiert, haben sie schon mal sehr gute Karten. In der Regular Season ist das bereits eindrucksvoll geglückt, in den 58 Minuten mit Wemby auf dem Feld stehen die Spurs gegen Minny bei einem unfassbaren Offensiv-Rating von 133,9.
Umso interessanter wird es dann, wenn der Franzose auf die Bank geht. Aufgrund von Verletzungen und dem Vermeiden von Überbelastung stand er in der Regular Season und der ersten Runde nicht mal die Hälfte der möglichen Minuten auf dem Feld. In dieser Zeit sind die Spurs um rund zehn Punkte pro 100 Possessions schlechter, was vor allem an der schlechteren Defensive liegt (die aber immer noch gut ist). In dieser Zeit ist vor allem der Backcourt um De'Aaron Fox und Castle gefordert. Im besten Fall gleichen sie die fehlende Defensivkraft durch Scoring aus und sorgen dafür, dass Wemby sich seine Pausen nehmen kann, ohne dass die Wolves dann regelmäßig Runs starten.
Wichtig wird dazu auch der mentale Faktor. Aufgrund der Verletzungen des Gegners gehen die Spurs als haushoher Favorit in die Serie, was für ein Team, das erstmals seit 2017 eine Serie gewonnen hat, recht ungewöhnlich ist. Diese Tatsache wird zusätzlichen Druck verursachen, vor allem, falls die Wolves es schaffen, Spiel 1 oder 2 zu klauen. Falls Edwards dann vielleicht sogar schon für Spiel 3 oder 4 zurückkommt, ist es ganz schnell dahin mit dem guten Gefühl des unerfahrenen Teams.
| Spurs | Stat | Wolves |
|---|---|---|
| 4-1 | Bilanz | 4-2 |
| 116,6 (3.) | Offensiv-Rating | 112,8 (6.) |
| 102,2 (2.) | Defensiv-Rating | 108,2 (7.) |
| +14,3 (3.) | Net-Rating | -0,1 (4,5) |
Das ist allerdings viel "Was wäre Wenn". Auf dem Papier sind die Spurs das klar bessere Team, haben den mit Abstand besten Spieler der Serie und gehen mit voller Kapelle sowie Heimvorteil in die Serie.
Gegen die Nuggets wurden die dezimierten Wolves auch von ihrer Abneigung gegen ihren Rivalen getrieben, eine solche Dynamik gibt es zwischen den Spurs und Wolves jedoch nicht. McDaniels wird die Spurs und Shootingstar kaum so sehr hassen wie Aaron Gordon und Co., daran ändern auch seine Versprechungen an Edwards, die Serie am Leben zu halten, bis dieser zurückkommt, nichts. Mit einem fitten Ant hätte die Serie Potenzial für einen Thriller gehabt, ohne ihn nicht wirklich.
Prognose: Spurs in 6
Gianluca Fraccalvieri