15.06.2025
Ulmer Top-Talente im Zwiespalt zwischen Draft und BBL Finals
Die easycredit BBL hat den Antrag von ratiopharm Ulm wegen einer Neu-Terminierung der Finalspiele gegen den FC Bayern München abgelehnt. Die Entscheidung ist ein fatales Zeichen und zeugt von Kurzsichtigkeit.

Eine Finalserie ist immer der Höhepunkt einer Saison, schließlich messen sich die besten Teams Deutschlands im direkten Duell. Erster gegen Zweiter, die zwei konstantesten Mannschaften der Liga - eigentlich ein würdiger Abschluss, wenn da nicht die Spielplan-Causa wäre.
Da die Ulmer Ben Saraf und Noa Essengue in knapp zwei Wochen aller Voraussicht nach im NBA Draft gezogen werden, hatten die Ulmer eine Verlegung der Spiele 4 und 5 beantragt, damit das Duo zum wahrscheinlich größten Moment in der noch jungen Laufbahn, wenn nicht sogar ihres Lebens teilnehmen könne. Die BBL sieht dies nicht als "wichtigen Grund" für eine Verlegung an und offenbart hier fehlendes Fingerspitzengefühl.
Die Liga hätte nicht einmal die Bayern fragen müssen, sondern selbst bestimmen können, sie tat es nicht. Dass die Münchner ablehnen, überrascht nicht und ist gewissermaßen verständlich, da sie mehrfach Opfer von fragwürdiger Terminierung nach EuroLeague-Spielen waren, in denen sie teilweise keine 40 Stunden Regeneration hatten.
Das beste Beispiel dafür war das Hauptrundenspiel in Ulm. Dieses wurde vom 1. Mai auf Anfang April vorverlegt (wegen der Möglichkeit, dass die Bayern in der EuroLeague die Playoffs erreichen), genau zwei Tage vor das Do-or-Die-Spiel der Münchner gegen Fenerbahce. Auch hier kann man das Argument der fehlenden Weitsicht bringen.
Und es ist auch nicht überraschend, dass a) Ulm in den Finals steht und b) sowohl Saraf als auch Essengue Kandidaten für den Draft sind. Der NBA Draft findet stets in der letzten vollen Juni-Woche an einem Donnerstag statt, auch das ist nichts, was die Liga bei Erstellung des Rahmenspielplans von einem knappen Jahr nicht hätte wissen können.
Und überhaupt: Warum wurden die Play-offs in diesem Jahr auf bis zu 45 Tage ausgedehnt, wenn man doch in den Jahren zuvor teilweise bis zu zehn Tage früher mit der Meisterentscheidung durch war? Dass der Antrag nun so kurzfristig abgelehnt wurde, ist nicht überraschend und doch enttäuschend.
Die BBL braucht Gesichter, die Ulmer Talente sind zwei davon, kommende NBA-Spieler, die Aufmerksamkeit für die Liga bringen und Leistungsträger in ihrer Mannschaft sind. Gleichzeitig werden diese jungen Männer jetzt vor ein Dilemma gestellt. Die Mannschaft im Stich lassen und nach New York reisen oder mit jeder Menge Schlafmangel ein mögliches Entscheidungsspiel absolvieren? So wie die Entscheidung gefallen ist, gibt es eigentlich nur Verlierer und wirft mal wieder unnötig ein schlechtes Licht auf die Liga.
Die Bundesliga muss ihre Lehren daraus ziehen. Die Play-offs sind auch im Vergleich mit anderen Ländern einfach zu lang, der Modus mit dem stetigen Wechsel von Heim- und Auswärtsspielen nicht umweltfreundlich und unbeliebt bei den Spielern. Man kann nur hoffen, dass die Causa um Saraf und Essengue zumindest für die Zukunft Veränderungen bringen. ratiopharm Ulm wird das in diesen Finals jedoch nichts bringen.
Robert Arndt