02.02.2025
Dieser Trade schockiert die NBA
Die Dallas Mavericks haben in einer Nacht- und Nebelaktion tatsächlich ihren Franchise-Star Luka Doncic getradet. Es ist ein Move, der die NBA rätseln lässt und kaum nachvollziehbar ist. Es ist davon auszugehen, dass Dallas dieses Manöver bereuen wird.

Die schwierigste Aufgabe in der NBA ist es, einen Spieler zu finden, welcher der beste Spieler eines Meister-Teams sein kann. Davon gibt es schlichtweg nicht viele, es sind vielleicht zehn absolute Superstars, die sich dieses Prädikat verdienen. Luka Doncic ist einer von ihnen.
Das Wunderkind, das die NBA vor einigen Jahren im Sturm eroberte und nun mit knapp 26 Jahren seit einer gefühlten Ewigkeit zu diesem erlauchten Kreis zählt, galt bei den Mavericks als Nachfolger von Dirk Nowitzki, der Dallas 2011 als Finals-MVP zu seiner ersten und einzigen Meisterschaft führte und 21 Jahre das Gesicht der Franchise war.
Unter Luka Doncic startete eine neue Ära, und es ist keine acht Monate her, dass der Slowene auch endlich unter Beweis stellte, dass er sein Team zum Titel führen kann, indem er mit Dallas nach 13 Jahren in die Finals zurückkehrte.
Kurios dabei: Es waren bei weitem nicht die besten Playoffs des Spielmachers (nur 44,6 Prozent aus dem Feld und 32,2 Prozent von der Dreierlinie), der mit Verletzungen zu kämpfen hatte, dafür aber so gute Mitspieler wie noch nie um sich herumhatte.
| Lakers erhalten | Mavericks erhalten | Jazz erhalten |
|---|---|---|
| Luka Doncic | Anthony Davis | Jalen Hood-Schifino |
| Maxi Kleber | Max Christie | Zweitrundenpick 2025 (LAC) |
| Markieff Morris | Erstrundenpick 2029 | Zweitrundenpick 2025 (DAL) |
Und hier kommen die Mavs um GM Nico Harrison ins Spiel. Doncic kämpft immer wieder mit kleineren Verletzungen, sein Fitnesslevel ist seit Jahren ein Dauerthema. Laut Meldungen von ESPN waren dies Gründe, den Slowenen zu traden.
Im Sommer hätte Doncic die Möglichkeit gehabt, einen neuen Fünfjahresvertrag mit Dallas zu verhandeln, der ihn zum bestbezahlten Spieler der NBA gemacht hätte. Ein Umstand, mit dem sich die Mavs (scheinbar) nicht wohl fühlten, der außerdem zeigt, dass sich ein Wandel in der Organisation vollzogen hat.
Unter dem früheren Besitzer Mark Cuban, der nur noch einen kleinen Anteil am Team hält, hätte es einen solchen Move nicht gegeben. Cuban war loyal zu Nowitzki, gleiches war bei Doncic der Fall. Diese Loyalität gibt es nun nicht mehr, Doncic selbst soll ebenfalls überrascht gewesen sein.

Die Kritik an Luka Doncic und die Bedenken der Mavericks sind durchaus valide, dennoch ist dieser Trade kaum nachzuvollziehen - aus mehreren Gründen:
Wenn man einen Superstar in seiner Prime tradet, muss das Paket schon verdammt gut sein. Und, das ist hier nicht der Fall: Anthony Davis ist zwar selbst ein Superstar, doch er ist eben schon 31 Jahre alt und noch verletzungsanfälliger als Doncic.
Man erinnere sich daran, was die Clippers im Jahr 2019 für Paul George (und Kawhi Leonard) aufgaben. Die Basis waren damals fünf Erstrundenpicks, zwei Pick-Swaps, der damals aufstrebende Youngster Shai Gilgeous-Alexander und Danilo Gallinari. Davis, Max Christie und ein Erstrundenpick sind da schon eine sehr magere Ausbeute.
Und außerdem: Welche Eile hatten die Mavericks? Im Sommer hätten sich die Texaner die Angebote in Ruhe anhören können, stattdessen wirkt dieser Move gehetzt und nicht bis zu Ende gedacht. Doncic war zwar verletzt und Dallas belegt derzeit nur Rang acht im Westen, doch das Comeback des Slowenen rückte näher, und verloren war die Saison noch nicht.
Ob die Mavs mit einem Duo Irving/Davis plus Rollenspielern wie Klay Thompson, Dereck Lively II oder P.J. Washington bessere Chancen in dieser Saison haben? Es ist anzuzweifeln. Die Defense wird mit Davis überragend sein, doch in den Playoffs haben sowohl er als auch Irving Defizite. Überhaupt geben die Texaner hier ohne Not ihre Zukunft ab.
Irving (32) und Davis (31) sind in ihren vielleicht besten letzten Jahren, dazu schaffen es beide seit Jahren nicht, ohne Wehwehchen durch eine Saison zu kommen. Doncic zwar auch nicht, doch der Slowene ist der vermutlich gefürchtetste Playoff-Spieler der Welt. Er kann Serien im Alleingang entscheiden.
Und darauf wollen die Mavericks verzichten?! In diesem Fall hätte Dallas alles fordern müssen, was die Lakers zu bieten hatten, oder eben andere Teams kontaktieren müssen. Die Mavs hatten die Argumente auf ihrer Seite - vor allem einen Superstar, der nicht einmal unzufrieden war.
Alleine aus dieser Sicht ist der Trade ein Desaster und eine Transkation, die NBA-Fans (wie auch Spieler) ungläubig zurücklässt. Dass man einen Franchise-Star mit 26 Jahren ohne Not abgibt, das hat es in der NBA so auch noch nicht gegeben - weil vor den Mavs niemand Gründe dafür finden konnte.
Robert Arndt