vor 14 Stunden
Pokalaus gegen Phoenix Hagen
Ratiopharm Ulm kommt in dieser Saison einfach nicht in die Gänge. Im ersten Pokal-Heimspiel seit vielen Jahren kassierte der Meister von 2023 eine ernüchternde Niederlage gegen Phoenix Hagen. Coach Ty Harrelson wurde im Anschluss deutlich.

Neun Pflichtspiele haben die Ulmer in dieser Saison bislang absolviert, fünfmal kassierten die Schwaben mindestens 90 Punkte. Die 107 zugelassenen Zähler gegen Aufsteiger Phoenix Hagen im Achtelfinale des Netto BBL-Pokals waren ein neuer Tiefpunkt, dabei traten die Gäste gerade einmal mit neun spielfähigen Akteuren an, wobei einer davon der Jungprofi Nicola Schultze war und Anthony Polite nach 888 Tagen Zwangspause langsam herangeführt werden sollte.
"Ich bin enttäuscht von der Mannschaft. Wir haben keiner Toughness gezeigt", gab Coach Ty Harrelson nach der Partie zu Protokoll. Es fehlte der in der in den USA vielzitierte "Dog", auf gut deutsch: Die Ulmer spielten ohne Biss und hatten keinen Kampfgeist in sich.
Harrelson gab zu, dass Hagen zwar außergewöhnlich gut von draußen traf, doch seine Mannschaft es auch viel zu einfach gemacht hat. "Wir arbeiten daran in jedem Training, aber wenn die Spieler glauben, dass es schon irgendwie geht, dann werden die Ergebnisse immer die Gleichen bleiben", warnte Harrelson weiter. "Es geht nicht darum, Spieler umzuhauen, wir müssen einfach physisch sein. „Im Moment spielen wir wie Kinder ohne jegliche Erfahrung. Davon haben wir aber eigentlich genug, aber wir zeigen es nicht."
Den zweiten Satz schob Harrelson schnell nach, wohlwissend, dass dies sonst für Kontroversen sorgen könnte. Schließlich setzt Ulm auch in dieser Saison wieder auf viele junge Spieler, die Anführer der vergangenen Jahre wie Karim Jallow oder Tommy Klepeisz sind nun aber nicht mehr da. Dazu half es sicherlich nicht, dass Kapitän Christian Sengfelder kurz vor Beginn der Vorbereitung seinen Vertrag auflöste, um nach Spanien zu wechseln.
So klafft insbesondere auf den deutschen Positionen ein großes Loch. Mit Ausnahme des einmal mehr starken Michael Rataj sind die nationalen Spots kaum BBL-tauglich besetzt. Gegen Hagen steuerte das Quartett aus Devin Schmidt, Dwayne Koroma, Lenny Liedtke und Marvin Heckel gerade einmal fünf Punkte bei. Die Minuten von Sengfelder und Tobias Jensen konnten einfach nicht kompensiert werden, vor allem Jensens defensive Qualitäten fehlen an allen Ecken und Enden.
So stellte auch der neue Kapitän Ibi Watson bei Dyn richtig fest: "Unsere Defense war grausam. So stoppen wir in dieser Liga niemanden." Der ehemalige Bamberger spulte wie Rataj und Jaylen Sims über 30 Minuten ab, viel mehr Alternativen hat Harrelson im Moment nicht, auch wenn dieser das wegwischt. "Wir haben viel Talent, sind aber nicht konstant und suchen noch immer nach unserer Balance."

Das verwundert nur bedingt, schließlich standen in Meissa Faye und Namori Omog nur zwei Spieler im Kader, die auch schon im Vorjahr dabei waren, damals aber vermehrt in der ProB bei der Orange Academy. Das Team ist völlig neu, es fehlen die Identifikationsfiguren aus den Vorjahren, was man auch bei den Fans merkt.
War Ulm in den vergangenen Jahren noch ein Garant für eine volle Halle, wollten gerade einmal 4.300 Zuschauer das erste Pokalheimspiel seit einer halben Ewigkeit sehen, unter der Woche im EuroCup waren es sogar nur knapp 2.200. Viel Hoffnung macht die Mannschaft derzeit aber auch nicht, zwei Siege aus fünf Spielen in der Liga sind sehr wenig - und dass, obwohl das Auftaktprogramm vergleichsweise einfach war. Dazu kommen die Nebengeräusche abseits des Feldes rund um den Orange Campus.
Erfolgserlebnisse auf dem Feld würden helfen, dafür muss Harrelson sich aber zunächst einmal auf die Suche nach ein paar "Dogs" machen oder diese aus den Spielern herauskitzeln.
Robert Arndt