09.05.2025
Lange Leidenszeit für Knicks-Center
Die New York Knicks führen in der Serie gegen den Champion Boston Celtics überraschend mit 2-0 - und das, obwohl Superstar Jalen Brunson nicht seine beste Serie spielt. X-Faktor ist stattdessen Mitchell Robinson, der fast in Vergessenheit geraten wäre.

Selten gibt es in der NBA einen solch fiesen Airball wie den von Mitchell Robinson von der Freiwurflinie zu sehen. In Spiel 2 näherte sich der Center bei seinem Versuch nicht einmal annähend den Ring, entsprechend ging die Szene in den sozialen Medien viral.
Wer sich jedoch mit dem Spiel etwas genauer beschäftigte, der merkte schnell, wie wichtig der Big Man für die Knicks war - trotz seiner Schwächen von der Freiwurflinie (3/11 in der Serie). Es war also beinahe ein Ritterschlag, dass die Celtics Robinson bisweilen absichtlich foulten und an die Linie schickten, nur damit Knicks-Coach Tom Thibodeau den Big Man wieder vom Feld nehmen würde.
"Er spielt an beiden Enden des Feldes eine starke Serie", gab auch Celtics-Trainer Joe Mazzulla zu. "Er beschützt den Ring, gibt seinem Team zweite Chancen und stellt gute Blöcke. Auf ihr Spiel hat er einen großen Einfluss und wir müssen Wege finden, damit wir das minimieren."

Während der Saison verloren die Knicks drei von vier Partien gegen Boston, nur beim letzten Spiel im April, welches Boston erst nach Verlängerung gewann, war Robinson mit dabei. Der 27-Jährige musste zwischenzeitlich eine lange Leidenszeit durchstehen. In den letztjährigen Playoffs verletzte sich der Center folgenschwer am Knöchel, nur wenige Monate nachdem er schon einmal einen Ermüdungsbruch zugezogen hatte.
Isaiah Hartenstein, mit dem Robinson gut befreundet ist, überflügelte in dieser Zeit den 2,13-Meter-Mann, im Sommer tradeten die Knicks für einen All-Star-Center in Karl-Anthony Towns, während Hartenstein die Knicks gen OKC verließ. Zwischenzeitlich gab es Trade-Gerüchte, doch aufgrund seiner Verletzung blieb Robinson und feierte letztlich nach fast zehn Monaten sein Comeback.
Die Bankrolle ist ihm geblieben und gegen die Celtics stand Robinson gut 21 Minuten im Schnitt auf dem Feld, diese Minuten gewannen die Knicks bisher mit +32. Robinson steht nach Switches seinen Mann und liefert endlich den Ringschutz, der New York die ganze Saison über abging, weil Towns in dieser Hinsicht notorisch schwach ist.
Für neun Minuten brachte Thibodeau sogar beide Bigs, den Celtics gelangen in dieser Zeit nur vier Punkte. "Er antizipiert gut und kann seine Füße bewegen", lobte Thibs. "Er ist sehr diszipliniert und hat einen schnellen zweiten Sprung. Es ist nicht leicht, über ihn zu scoren und das weiß er inzwischen."
Mit Robinson auf dem Feld haben die Knicks ein elitäres Defensiv-Rating von 98 (Playoff-Schnitt: 114), selbst eine der besten Offensiven der NBA in Boston hat dafür noch keine Antworten gefunden. Es wird zwar viel darüber gesprochen, wie wenig Boston von der Dreierlinie trifft, doch daran haben auch die Knicks einen nicht unerheblichen Anteil.
Scorten die Gegner während der Saison noch nach Belieben gegen die Knicks, überzeugt dieses Team in den Playoffs mit Toughness, Nervenstärke und auch grandioser Defense. Letzteres ist auch Robinson zu verdanken - auch wenn die Freiwürfe weiter zu wünschen übrig lassen.
Robert Arndt