20.06.2025
Überzeugender EM-Auftakt
18 Punkte, neun Rebounds: Beim Auftakt der DBB-Auswahl gegen Schweden performt Frieda Bühner ziemlich stark. Mit gerade mal 21 Jahren übernimmt sie im deutschen Team eine wichtige Rolle und soll nun noch mehr in Szene gesetzt werden.

Als die deutsche Nationalhymne am Donnerstagabend durch die Inselparkarena dröhnt, singt Frieda Bühner lautstark mit. Nachdem die letzten Töne erklingen, ist sie aber sofort wieder ganz ruhig. Gefasst. Hochkonzentriert. Ein Profi eben. Die 21-Jährige, die wenige Minuten später in der Starting Five gegen die Schwedinnen aufs Parkett geht, hat sich in den vergangenen Monaten in der spanischen Liga bei Movistar Estudiantes genau dazu entwickelt: zu einer Profi-Basketballerin - spielerisch wie mental. Mit Madrid spielte sie in den Playoffs sowie im Achtelfinale des EuroCup und gehörte zu den Topscorerinnen ihres Teams. "Ich habe viel Selbstbewusstsein gewonnen in meiner Saison in Spanien", sagt sie nach dem Auftaktsieg gegen Schweden. Und das hat sie an diesem Abend deutlich gezeigt.
Mit einer Ruhe, als würde sie seit Jahren nichts anderes machen, geht sie im ersten Viertel an die Freiwurflinie. Beide Körbe fallen. Auch wenn im weiteren Spielverlauf mal einer danebengeht, lässt sie sich davon nicht aus dem Konzept bringen - und macht dann eben den nächsten. Dabei steht die 21-Jährige aus Osnabrück noch gar nicht so lange mit der A-Nationalmannschaft auf dem Feld. Ihr Debüt durfte sie etwas unverhofft bei den Olympischen Spielen in Paris feiern, als Nyara Sabally ausgefallen war. Übrigens auf den Tag genau ein Jahr vor dem Spiel am Donnerstagabend in Hamburg. Auch damals in Paris schon war von Nervosität nichts zu sehen - auch wenn sie später sagen wird, dass sie am ganzen Körper gezittert habe.
Vor dem Eröffnungsspiel der Women’s EuroBasket gegen Schweden ist sie dann doch kurz nervös: Dirk Nowitzki ist in der Halle - und das an seinem 47. Geburtstag. "Da hatte ich einen kleinen Fanmoment", gibt Bühner hinterher zu. "Das ist super, wenn uns so eine Basketball-Legende unterstützt." Lange Zeit, sich über das High Five zu freuen, hat Bühner dann aber nicht. Denn sie muss sofort ran und ist auch auf der Bank kaum zu sehen. Erst nach zwölf Minuten nimmt Bundestrainerin Lisa Thomaidis sie das erste Mal vom Feld - solange ist zu diesem Zeitpunkt nicht einmal Kapitänin Leonie Fiebich im Einsatz.
| Geburtstag | 28.05.2004 (21) |
| Größe | 1,86 Meter |
| Verein | Movistar Estudiantes (ESP) |
| Länderspiele | 16 |
Selbst auf der Bank ist Bühner mittendrin. Sie springt auf und verzieht das Gesicht, als Luisa Geiselsöder von einer Schwedin gefoult wird. Laut rufen oder wild gestikulieren wäre nicht Bühner, aber alles für ihr Team geben und mit ihren Mitspielerinnen mitfühlen. Eine heftigere Gefühlsregung zeigt sie, als ein Foul gegen sie gepfiffen ist. Sie ärgert sich - vor allem über sich selbst. Aber nach dem obligatorischen Griff an den langen Pferdeschwanz ist sie wieder die Ruhe selbst.
Zur Halbzeit ist die 21-Jährige mit sieben Punkten zweitbeste Scorerin der Deutschen, nur WNBA-Spielerin Luisa Geiselsöder ist mit elf Punkten besser. Mit Sternschritten und Spin Moves unter dem Korb wühlt sich die Flügelspielerin regelrecht durch. "Das habe ich schon vor meiner Zeit in Spanien gemacht", erklärt Bühner später. "Ich habe es aber ausgebaut, weil ich nun gegen Leute Spiele die größer und physischer sind als ich. Da muss ich dann einen anderen Weg finden." Auch an einem Dreier hatte sich Bühner versucht, der aber nur auf dem Ring tanzte und dann nicht reinging. Im dritten Viertel macht sie es besser und baut den deutschen Vorsprung auf 47:30 aus. Damit reiht sie sich hinter die Dreier-Schützinnen Fiebich, Geiselsöder und Emily Bessoir ein. Spielerinnen, die schon einige Jahre und Spiele mehr in der A-Nationalmannschaft hinter sich haben. Für Bühner stehen noch nicht einmal 20 Partien zu Buche.
Schließlich steht die 1,86 Meter große Spielerin erst am Anfang ihrer Karriere. Nach der 17-jährigen Clara Bielefeld ist Bühner die Zweitjüngste der DBB-Auswahl bei dieser Europameisterschaft. Das merkt man nicht, im Gegenteil. Sie nimmt Mitspielerinnen wie Bielefeld auch mal kurz zur Seite und gibt Tipps. Die Führungsrolle, in die Thomaidis sie steckt, tut ihr sichtlich gut. Aber auch selbst holt sie sich immer wieder Tipps ab. Als sie nach längerer Zeit im dritten Viertel mal wieder auf der Bank sitzt, bespricht sie mit Assistenztrainerin Claire Meadows ihr Spiel. Sie nickt viel und man sieht ihr an, dass sie das Gesagte direkt mental verarbeitet.
Gegen Ende der Begegnung kommt Schweden nochmal gefährlich nahe an Deutschland heran. Frieda Bühner ist auch auf dem Court und baut nervenstark die Führung wieder aus. Erst mit einem Zweipunktewurf, dann mit einem Freiwurf. Da brüllt auch sie sich die Anspannung aus der Seele und die 3.414 Zuschauer in der Inselparkarena brüllen mit. Spätestens nach diesem Spiel ist der Name Bühner auf der Tribüne ein Begriff.
Nach 40 Minuten und einem 89:76-Sieg von Deutschland ist Bühner in allen Statistiken weit vorne. Die 21-Jährige hat bei diesem EM-Auftakt alles gegeben. Bei 30:59 gespielten Minuten hat sie 18 Punkte gemacht und neun Rebounds geholt. Auch hier und da einen Fehler gemacht - alles andere wäre auch beinahe unnatürlich. Aber überrascht hat ihr Auftritt dennoch nicht. "Frieda kann eigentlich alles und hat keine Angst", sagt Kapitänin Leonie Fiebich nach dem Spiel. Sie weiß aber auch, dass Bühner nun immer mehr Aufmerksamkeit von der gegnerischen Verteidigung bekommen wird. "Wir müssen ihr jetzt helfen und sie mehr in Szene setzen." Eine Rolle, in der sich Bühner wohlfühlt.
Nina Probst