vor 3 Stunden
Aus Orlando-Serie gelernt
Die Detroit Pistons führen nach zwei Heimsiegen gegen die Cleveland Cavaliers in der Serie mit 2-0. Statt Euphorie dominiert bei Cade Cunningham und Co. aber vor allem Vorsicht. Die Erfahrungen aus der dramatischen Orlando-Serie scheinen Detroit geprägt zu haben.

Eigentlich hätten die Detroit Pistons allen Grund zu feiern. Fünf Playoff-Siege in Folge, erstmals seit 2008 wieder echtes Momentum und eine 2-0-Führung gegen einen der Favoriten im Osten.
Doch Superstar Cade Cunningham trat nach dem 107:97-Sieg in Spiel zwei zurückhaltend auf. Statt großer Kampfansagen sprach der Guard vor allem darüber, wie schnell sich eine Serie drehen könne.
Der Grund dafür liegt in der vorherigen Runde. Gegen Orlando standen die Pistons mit dem Rücken zur Wand, lagen in Spiel sechs zwischenzeitlich mit 24 Punkten hinten und drehten die Serie erst nach einem 1-3-Rückstand noch. "Es hat uns gezeigt, wie dünn die Linie zwischen Sieg und Niederlage ist", erklärte Cunningham nach Spiel zwei gegen die Cavs. Entsprechend wolle man sich vom 2-0 keinesfalls blenden lassen.
Die Pistons spielen trotz ihres jungen Kerns ungewöhnlich kontrolliert. Selbst als Cleveland im vierten Viertel zwischenzeitlich wieder in Führung ging, verlor Detroit nie die Ruhe. Angeführt von Cunningham folgte ein 28:16-Lauf zum Sieg. Vor allem in der Crunchtime zeigte sich, wie sehr der ehemalige Nummer-eins-Pick inzwischen als echter Franchise-Leader gereift ist.
Cunningham erzielte zwölf seiner 25 Punkte allein im Schlussviertel, darunter ein Stepback-Dreier zur Vorentscheidung. Pistons-Coach J.B. Bickerstaff bezeichnete ihn anschließend als "Killer" und "Closer".
Die Zahlen unterstreichen diese Entwicklung. Cunningham hat inzwischen in allen 15 Playoff-Spielen seiner Karriere mindestens 20 Punkte erzielt. Eine längere Serie zum Karrierebeginn schafften historisch nur Kareem Abdul-Jabbar, LeBron James und Anthony Davis.
Auffällig ist außerdem, wie ausgeglichen Detroit mittlerweile agiert. Tobias Harris lieferte erneut wichtige Scoring-Phasen, Duncan Robinson traf zum zweiten Mal in Folge fünf Dreier und sorgt momentan konstant für Probleme bei Cleveland. Dazu bringt die Bank weiter starke Energie. Besonders Daniss Jenkins gab Detroit mit 14 Punkten, sechs Rebounds und vier Assists wertvolle Minuten.

Für die Cavaliers wird die Lage dagegen immer unangenehmer. Zwar waren beide Spiele lange offen, doch Detroit kontrollierte viele Phasen deutlich souveräner. Vor allem die Defense der Pistons bereitet Cleveland enorme Probleme.
Hinzu kommt, dass Detroit inzwischen sichtbar Selbstvertrauen aufgebaut hat. Das Team glaubt mittlerweile daran, enge Spiele gewinnen zu können. Das machte Cunningham nach Spiel zwei deutlich. Die Pistons sehen die Serie trotz der starken Ausgangslage noch lange nicht als entschieden an. "Unsere Rücken sind immer noch gegen die Wand", sagte Daniss Jenkins. "Die Welt glaubt immer noch nicht an uns." Diese Mischung aus Selbstbewusstsein und gleichzeitigem Außenseiter-Mindset macht Detroit aktuell gefährlich.
kon