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Zum Geburtstag eines Hall of Famers
Ben Wallace wird heute 52 Jahre alt. Der einst ungedraftete und vermeintlich zu kleine Center schaffte es vom Division-II-College bis zum NBA-Champion und Hall of Famer.

Am 10. September feiert Ben Wallace seinen 52. Geburtstag. Im Sommer 1996 hatte er vergeblich auf seinen Namen gewartet: 58 Spieler wurden im NBA-Draft ausgewählt, der vermeintlich zu kleine Center von einem Division-II-College gehörte nicht dazu. 25 Jahre später stand Wallace in der Basketball Hall of Fame. Er beendete seine Karriere als NBA-Champion, viermaliger Defensive Player of the Year und viermaliger All-Star und als einer der besten Verteidiger der NBA-Geschichte.
Wallaces ungewöhnlicher Weg begann nicht bei einem der großen Basketballprogramme. Nach zwei Jahren am Cuyahoga Community College wechselte er zu Virginia Union, einer Universität aus der zweiten NCAA-Division. Dort stellte er in seiner letzten Saison mit 114 Blocks einen Schulrekord auf.
Unterstützung auf seinem Weg erhielt er von Charles Oakley. Der langjährige NBA-Spieler hatte auch für Virginia Union gespielt und soll Wallace früh gefördert und den Kontakt zu seinem ehemaligen College hergestellt haben. Doch selbst starke Leistungen und Oakleys Unterstützung reichten nicht, um im tief besetzten Draftjahr 1996 ausgewählt zu werden. Wallace versuchte es anschließend in Italien. Für Viola Reggio Calabria absolvierte er allerdings nur eine Pokalpartie, bevor er in die USA zurückkehrte. Bei den Washington Bullets erhielt er dann seine NBA-Chance. In seiner ersten Saison kam er nur in 34 Partien zum Einsatz und stand durchschnittlich knapp sechs Minuten auf dem Feld.
Schon damals war offensichtlich, dass Wallace seine Karriere nicht mit Punkten retten würde. Einen sicheren Sprungwurf entwickelte er nie, im Post fehlte ihm die Größe und an der Freiwurflinie wurde er regelmäßig zum Risiko. Seine Quote von 41,4 Prozent ist bis heute die schlechteste NBA-Karrieremarke unter allen Spielern mit mindestens 1000 Versuchen.

Nach drei Jahren in Washington wechselte Wallace zu den Orlando Magic, für die er erstmals eine komplette Saison als Starter absolvierte. Der entscheidende Schritt folgte im Sommer 2000. Grant Hill wollte Detroit verlassen und schloss sich per Sign-and-Trade den Magic an. Im Gegenzug erhielten die Pistons Chucky Atkins und Wallace. Nach Darstellung der NBA galt Atkins damals als der Spieler, den Detroit unbedingt verpflichten wollte. Wallace war eher eine Zugabe des Deals.
Schon in seiner ersten Saison in Detroit hatte Wallace durchschnittlich 13,2 Rebounds und 2,3 Blocks. Ein Jahr später führte er die gesamte NBA bei den Rebounds und den Blocks pro Partie an. Dafür wurde er erstmals zum Defensive Player of the Year gewählt.
Obwohl er offiziell mit 2,06 Metern geführt wurde und nach eigener Aussage eher kleiner war, behauptete er sich gegen die mächtigsten Center seiner Zeit. Seine Kraft, sein Timing und seine Explosivität machten den vermeintlichen Größennachteil fast bedeutungslos.
Wallace wartete nicht nur unter dem Korb auf Würfe. Er verteidigte das Pick-and-Roll, half gegen durchgebrochene Guards und schloss anschließend wieder zum eigenen Gegenspieler auf. Dank seines schnellen zweiten Sprungs konnte er selbst dann noch Rebounds sichern oder Würfe blocken, wenn er im ersten Versuch geschlagen worden war.
Zwischen 2002 und 2006 gewann Wallace viermal in fünf Jahren den Defensive Player of the Year Award. 2004 ging die Auszeichnung an Ron Artest. Den Rekord von vier Trophäen teilt sich Wallace heute mit Dikembe Mutombo und Rudy Gobert. In seinen 1088 Regular-Season-Spielen erzielte er 5,7 Punkte im Schnitt. Wallace beendete seine Karriere aber mit 10.482 Rebounds, 2137 Blocks und 1369 Steals. Dazu sammelte er mehr Blocks als persönliche Fouls und mehr Steals als Ballverluste.
| Saison | Team | Spiele | Minuten | Punkte | Rebounds | Assists | Steals | Blocks |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 2011/12 | Detroit Pistons | 62 | 15,8 | 1,4 | 4,3 | 0,7 | 0,8 | 0,8 |
| 2010/11 | Detroit Pistons | 54 | 22,9 | 2,9 | 6,5 | 1,3 | 1,0 | 1,0 |
| 2009/10 | Detroit Pistons | 69 | 28,6 | 5,5 | 8,7 | 1,5 | 1,2 | 1,2 |
| 2008/09 | Cleveland Cavaliers | 56 | 23,5 | 2,9 | 6,5 | 0,8 | 0,9 | 1,3 |
| 2007/08 | Chicago Bulls/Cleveland Cavaliers | 72 | 30,6 | 4,8 | 8,4 | 1,5 | 1,2 | 1,6 |
| 2006/07 | Chicago Bulls | 77 | 35,0 | 6,4 | 10,7 | 2,4 | 1,4 | 2,0 |
| 2005/06 | Detroit Pistons | 82 | 35,2 | 7,3 | 11,3 | 1,9 | 1,8 | 2,2 |
| 2004/05 | Detroit Pistons | 74 | 36,1 | 9,7 | 12,2 | 1,7 | 1,4 | 2,4 |
| 2003/04 | Detroit Pistons | 81 | 37,7 | 9,5 | 12,4 | 1,7 | 1,8 | 3,0 |
| 2002/03 | Detroit Pistons | 73 | 39,4 | 6,9 | 15,4 | 1,6 | 1,4 | 3,2 |
| 2001/02 | Detroit Pistons | 80 | 36,5 | 7,6 | 13,0 | 1,4 | 1,7 | 3,5 |
| 2000/01 | Detroit Pistons | 80 | 34,5 | 6,4 | 13,2 | 1,5 | 1,3 | 2,3 |
| 1999/00 | Orlando Magic | 81 | 24,2 | 4,8 | 8,2 | 0,8 | 0,9 | 1,6 |
| 1998/99 | Washington Wizards | 46 | 26,8 | 6,0 | 8,3 | 0,4 | 1,1 | 2,0 |
| 1997/98 | Washington Wizards | 67 | 16,8 | 3,1 | 4,8 | 0,3 | 0,9 | 1,1 |
| 1996/97 | Washington Bullets | 34 | 5,8 | 1,1 | 1,7 | 0,1 | 0,2 | 0,3 |
| Karriere | 1088 | 29,5 | 5,7 | 9,6 | 1,3 | 1,3 | 2,0 |
Detroit baute um Wallace herum eine Mannschaft auf, die dem klassischen Bild eines NBA-Titelanwärters widersprach. Chauncey Billups, Richard Hamilton, Tayshaun Prince und später Rasheed Wallace waren ausgezeichnete Spieler. Einen offensiv dominierenden Superstar wie Shaquille O'Neal, Kobe Bryant oder Tim Duncan besaßen die Pistons aber nicht.
Diese verkörperte allen voran "Big Ben", der zu einem der markantesten Spieler der NBA wurde. Sein Afro, das Stirnband und der tiefe Glockenschlag nach wichtigen Blocks oder Körben im Palace of Auburn Hills gehörten zu dieser Pistons-Ära.
Den Höhepunkt erreichten die Pistons in den NBA Finals 2004. Auf der anderen Seite warteten die hoch favorisierten Los Angeles Lakers mit den vier späteren Hall of Famern O'Neal, Bryant, Karl Malone und Gary Payton. Detroit gewann die Serie überraschend deutlich mit 4-1. Wallace kam in den fünf Spielen auf durchschnittlich 10,8 Punkte, 13,6 Rebounds und 1,8 Steals. Beim entscheidenden 100:87 in Spiel fünf lieferte er mit 18 Punkten und 22 Rebounds eine seiner besten Karriereleistungen ab.
Die Geschichte, Wallace habe O'Neal im Alleingang gestoppt, greift aber zu kurz. Der Lakers-Center erzielte in der Serie 26,6 Punkte pro Spiel und traf seine Würfe weiterhin hochprozentig. Wallaces Leistung bestand eher darin, dem deutlich größeren und schwereren O'Neal über weite Strecken ohne permanente Hilfe standzuhalten. Dadurch konnten seine Mitspieler näher bei Bryant und den restlichen Lakers bleiben. Los Angeles erzielte nur 81,8 Punkte pro Spiel und traf 41,6 Prozent aus dem Feld.
Wallaces Karriere in Detroit bestand aber nicht nur aus Erfolgsgeschichten. Nur wenige Monate nach der Meisterschaft stand er im Zentrum des "Malice at the Palace", der berüchtigtsten Massenschlägerei der NBA-Geschichte. Nach einem harten Foul von Ron Artest stieß Wallace seinen Gegenspieler mit beiden Händen weg. Die erste Auseinandersetzung war weitgehend beruhigt, als ein Zuschauer einen Getränkebecher auf Artest warf und dieser auf die Tribüne stürmte. Dann eskalierte die Situation vollständig. Wallace betrat die Zuschauerränge nicht, trug durch seine Reaktion aber zur Entstehung des Konflikts bei. Die NBA sperrte ihn für sechs Spiele.

Wallace beendete 2012 seine Karriere bei den Pistons. Im Januar 2016 wurde seine Nummer 3 unter die Hallendecke in Detroit gezogen. Im September 2021 folgte die größte individuelle Ehrung: Wallace wurde als erster ungedrafteter NBA-Spieler in die Naismith Memorial Basketball Hall of Fame aufgenommen. In seiner Rede erinnerte Wallace daran, dass er zu Beginn nicht willkommen gewesen sei. Er sei zu klein gewesen und habe das Spiel nicht so spielen können, wie andere es von ihm erwartet hatten. Genau daraus entwickelte sich sein Antrieb.
Lukas Hetterich