vor 20 Stunden
Vom College-Basketballer zum General Manager Basketball bei adidas
Der ehemalige College-Basketballer Maximilian Staiger verantwortet seit April 2025 das globale Basketballgeschäft von adidas. In Deutschland hat der Sportartikelhersteller zuletzt kräftig investiert: als Ausrüster aller DBB-Nationalmannschaften, durch Partnerschaften mit mehreren Bundesligaklubs und mit Spielern wie Franz und Moritz Wagner sowie Satou und Nyara Sabally. Im Interview spricht Staiger über die Basketball-Offensive von adidas, die nächste Generation und die Frage, wie groß der Sport in Deutschland noch werden kann.

Herr Staiger, wie fällt Ihr Blick auf adidas Basketball in Deutschland aus - und wo sehen Sie noch Entwicklungspotenzial?
Maximilian Staiger: Wir haben im vergangenen Jahr einen starken Fokus auf die Jugend und den Nachwuchs gelegt. Wir investieren in die nächste Generation von Talenten und bauen gleichzeitig noch bessere Produkte. Ich glaube, dass wir dabei in den letzten zwölf Monaten viel erreicht haben. Außerdem haben wir versucht, adidas und Basketball in Deutschland enger zusammenzubringen. Mit der Partnerschaft mit dem DBB, bei Frauen und Männern, aber auch mit den Jugend-Akademien und im Nachwuchs haben wir erste wichtige Schritte gemacht.
Warum ist jetzt die Zeit für adidas, im deutschen Basketball offensiver aufzutreten?
Maximilian Staiger: Ich weiß nicht, ob jetzt der richtige Zeitpunkt ist. Aber jetzt ist die Zeit, es zu machen. Das hätte ich auch vor einem, zwei oder drei Jahren gesagt. Deutschland ist unsere Heimat, Basketball ist ein großer Teil unserer Geschichte. Es gibt keinen Grund, warum wir hier nicht eine größere Rolle spielen sollten - und das auch in Zukunft tun werden.
Deutschland ist Welt- und Europameister bei den Männern, zugleich gewinnt der Frauenbasketball an Aufmerksamkeit. Wie stark spielt diese Entwicklung in Ihre Strategie hinein?
Maximilian Staiger: Wir können natürlich sagen, dass es perfekt zusammenpasst. Aber am Ende ist es vielleicht auch ein bisschen Glück. Wir hätten diesen Schritt schon früher machen sollen. Umso besser, dass wir es jetzt tun.
Was bedeutet die Basketball-Offensive von adidas in Deutschland konkret?
Maximilian Staiger: Im Grunde ist es derselbe Plan wie in Amerika, China, Italien oder anderen Märkten: eine große Investition in den Nachwuchs und in die nächste Generation von Talenten. Das Spiel wird jünger und jünger. Der nächste Superstar ist momentan zwölf, 13 oder 14 Jahre alt. Wir wollen sicherstellen, dass adidas Teil der Reise ist, wenn diese Spieler den nächsten Schritt machen - ans College in den USA oder in eine Profiliga. Also müssen wir heute bei der Jugend anfangen. Natürlich machen wir tolle Produkte und arbeiten an Innovationen. Aber am Ende zählt das nicht, wenn du nicht die Spieler hast.

Sie sprechen viel über die nächste Generation. Was tut adidas, um Talente früh zu erreichen?
Maximilian Staiger: Wir haben in Europa große Investments in die EuroLeague gemacht und zusammen eine Next-Generation-Plattform aufgebaut, die Next Gen EuroLeague. Dort bringen wir die besten Talente aus ganz Europa zusammen und geben ihnen frühen Zugang zu NBA- und WNBA-Scouts, zur NCAA und zu europäischen Ligen.
Außerdem haben wir das adidas Eurocamp in Treviso zurückgebracht. Dort kommen die besten Talente auf der Männer- und Frauenseite zusammen und können sich mit anderen aus Deutschland, Italien, Frankreich, Griechenland oder Spanien vergleichen. adidas stellt dabei Verbindungen her. So können wir die Marke der Next Generation im Basketball in Europa sein.
Eine wichtige Rolle spielen dabei deutsche Spieler und Spielerinnen wie Franz und Moritz Wagner sowie Satou und Nyara Sabally. Was können solche Persönlichkeiten bewirken?
Maximilian Staiger: Franz und Moritz können für die Jugend in Deutschland und speziell in Berlin echte Inspiration sein. Für Kinder, die in der siebten oder achten Klasse sind und davon träumen, einmal Profibasketball zu spielen, ist ihre Geschichte großartig: Beide kommen aus Berlin und aus dem Alba-Jugendprogramm, sind ans College in die USA gegangen und haben es anschließend in die NBA geschafft. Bei Satou und Nyara Sabally ist es im Prinzip dasselbe.
Ihre Geschichten sind das Entscheidende: ihre Reise, die Höhen und Tiefen, ihre Erfahrungen. Sie können ihr Wissen und ihre Learnings an die nächste Generation weitergeben. Und wir brauchen keinen einzigen Euro auszugeben, um jemandem zu erklären, dass die Sabally-Schwestern oder die Wagner-Brüder gut im Basketball sind. Wir wissen heute noch nicht, was daraus entsteht. Aber wenn sich ein Kind davon inspirieren lässt und später selbst den nächsten Schritt macht, dann erinnert es sich vielleicht an uns. Das wäre toll.

Wie wichtig wäre es für adidas, dass aus dem deutschen Nachwuchs irgendwann der nächste Basketball-Superstar hervorgeht?
Als deutsche Firma würden wir das natürlich lieben. Aber Basketball ist inzwischen zu international, um zu sagen: Das müssen wir unbedingt haben. Wir wollen sicherstellen, dass lokale Heroes Teil der adidas-Basketball-Familie sind. Man weiß nie, ob jemand, der heute in Deutschland ein Star ist, morgen auf der Olympia- oder NBA-Plattform die Chance bekommt und zum globalen Superstar wird. Wir können nicht wissen, wann oder bei wem das passiert. Aber wir können einen Weg ebnen, auf dem so etwas möglich wird.
Sie sagten, dass Basketball internationaler geworden ist. Was bedeutet das für die Strategie einer globalen Marke wie adidas?
Maximilian Staiger: Vor zehn Jahren konnte man noch sagen: Ich habe eine Strategie für Amerika, eine für Deutschland, eine für Italien, Spanien, Frankreich, China oder Japan. Heute funktioniert das nicht mehr so einfach. Die Grenzen verschwimmen. Der nächste Superstar kann aus Deutschland kommen, ein Deutscher kann in Amerika zum Superstar werden oder ein Amerikaner in Deutschland. Auch in NBA und WNBA wächst die internationale Community Jahr für Jahr. Das Talentniveau ist inzwischen viel ausgeglichener. Als Marke musst du deshalb in der Mitte stehen.
Deutschland ist traditionell ein Fußballland. Wie viel Potenzial sehen Sie für Basketball, hier irgendwann einen ähnlichen Stellenwert zu erreichen?
Maximilian Staiger: Ob das überhaupt möglich ist? Als Basketball-Aficionado würde ich sagen: ja. Aber das ist vielleicht eine voreingenommene Antwort. Es braucht Zeit. Die Geschichte des DFB ist lang und großartig. Aber die hat der DBB auch. Was die Männernationalmannschaft in den vergangenen Jahren erreicht hat, ist außergewöhnlich. Aber so etwas kann man nicht über Nacht herzaubern. In den vergangenen zehn Jahren ist Basketball in vielen europäischen Ländern enorm gewachsen. Wenn dieses Momentum anhält, wird auch die Geschichte des Basketballs in Deutschland größer.
Die Frauen-WM in Berlin ist für adidas ein wichtiges Schaufenster. Welche Rolle spielt der Frauenbasketball insgesamt in Ihrer Strategie?
Maximilian Staiger: Für uns ist es Basketball - egal, ob Frauen oder Männer. Was gerade in den USA mit dem Frauenbasketball passiert, ist großartig. Dort gibt es ein unglaubliches Momentum und Wachstum. Wir wollen dazu beitragen, dass das auch in anderen Ländern entsteht. Deutschland ist dabei natürlich sehr wichtig.
Bei der Weltmeisterschaft in Berlin versuchen wir mit Marketing-, Player- und Media-Aktivierungen, das Spiel größer zu machen und mehr Menschen zu erreichen. Dasselbe würden wir bei einer Männer-WM tun. Es ist eine gemeinsame Basketballstrategie.
adidas ist seit Anfang 2026 Ausrüster aller DBB-Nationalmannschaften - von den Erwachsenen über die Jugendteams bis zu 3x3 und Rollstuhlbasketball. Was soll diese Partnerschaft für den Basketball in Deutschland bewirken?
Maximilian Staiger: Ich würde natürlich gerne sehen, dass noch mehr Spieler der Nationalmannschaft unsere Schuhe tragen. (lacht) Aber es geht vor allem darum, eng mit dem DBB zusammenzuarbeiten und zu schauen, wie wir als Marke helfen können. Wir wollen mehr unserer Youth-Plattformen nach Deutschland bringen, mehr Aktivierungen mit Spielern machen und im Nachwuchs mehr Möglichkeiten schaffen, damit die besten Spieler mit der nächsten Generation in Kontakt kommen.
Franziska Staupendahl