vor 22 Stunden
DBB-Frauen im Viertelfinale
Die DBB-Auswahl hat sich bei der Heim-WM von Spiel zu Spiel gesteigert und steht nun erstmals seit der Wiedervereinigung im WM-Viertelfinale. Bundestrainer Olaf Lange sieht seine Mannschaft inzwischen sogar in der Lage, über dem eigenen Niveau zu spielen. Am Donnerstag wartet mit Belgien nun der erste ganz große Härtetest.

Vier Spiele, drei Siege, Viertelfinaleinzug - die Entwicklung der deutschen Basketballerinnen bei dieser Weltmeisterschaft ist rasant und bemerkenswert. Deutschland verteidigt intensiv, reboundet stark und findet auch offensiv immer besser zusammen.
Coach Olaf Lange sieht die Gründe dafür aber nicht nur in taktischen Details - sondern im Team selbst. "Unser Spirit war schon immer da. Aber wir haben jetzt über die letzten drei Spiele noch mehr an Verbundenheit gewonnen, vor allem auch an Glauben ineinander, miteinander", sagte der Bundestrainer am Dienstagabend.
Dies sei "die größte Verbesserung" - und sie führe laut Lange sogar dazu, dass Deutschland phasenweise über seinem eigentlichen Niveau abliefert. "In manchen Bereichen spielen wir besser, als wir sind. Das ist der Ausdruck der Verbundenheit."
Ein Satz, den Lange selbst als "gefährlich" bezeichnet - der aber viel über den aktuellen Zustand der Mannschaft aussagt. "Wenn alles zusammengeht und wenn man füreinander und miteinander spielt, kann man schon besser spielen. Man kann über seinem Niveau spielen", erklärt er.
Ein Blick auf die vergangenen Spiele unterstreicht diese Zusammengehörigkeit in einem Team, in dem die Verantwortung nicht auf Einzelpersonen lastet. Gegen Spanien war Leonie Fiebich beste deutsche Werferin, gegen Japan übernahmen Nyara Sabally und Frieda Bühner, gegen Mali Luisa Geiselsöder und erneut Bühner. Zuletzt erwischte Marie Gülich einen Sahnetag gegen Südkorea.
Für Alexandra Wilke ist diese Kadertiefe eine der großen Stärken der DBB-Auswahl. "Man nimmt vielleicht die eine Spielerin raus, aber dann scored die nächste", sagt sie im Gespräch mit basketball-world. Gerade bei einem Turnier mit hoher Belastung sei diese Breite entscheidend.

Im Viertelfinale geht es nun gegen Belgien. Das Team ist allerdings ein anderes Kaliber als die bisherigen Gegner. "Die spielen extrem schnell, haben mit Emma Meesseman eine super Inside-Spielerin, mit Julie Allemand einen guten Point Guard", weiß Wilke.
Bei der EM im vergangenen Jahr musste sich die DBB-Auswahl Belgien mit 59:83 geschlagen geben, ebenfalls im Viertelfinale. Bei den Olympischen Spielen 2024 gelang dagegen ein 83:69-Erfolg. "Wir wissen, dass wir sie besiegen können", sagt Wilke. Entscheidend sei, Meesseman und Co. defensiv in Schach zu halten.
Auch Sabally geht mit großem Selbstvertrauen in das Duell: "The sky is the limit." Die 26-Jährige weiß aber, dass Belgien sich auch bei der WM wieder in starker Verfassung präsentiert. "Die sind sehr eingespielt. Aber wir kennen uns alle. Wir matchen sehr gut gegeneinander. Ich freue mich richtig."
Für Bühner geht es gegen eine Spielerin, zu der sie schon lange aufschaut. "Das ist natürlich ziemlich cool, wenn man aufwächst und seinen Idolen beim Basketballspielen zuschaut, und dann spielt man plötzlich gegen die", sagt sie über Emma Meesseman. Die 22-Jährige freut sich auf das Matchup gegen "eine der besten Spielerinnen der Welt". Eingeschüchtert ist sie aber nicht: "Noch cooler, wenn man eine Chance hat, gegen die zu gewinnen."
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Und dann ist da noch die besondere Kulisse. "Wir sind zu Hause und das hilft", sagt Fiebich mit Blick auf das Viertelfinale. Deutschland hat sich bei dieser Heim-WM bereits mehrfach von den Zuschauern tragen lassen - am Donnerstag wird dieser Faktor noch einmal wichtiger.
Zwischen dem deutlichen Sieg gegen Korea und dem Viertelfinale liegt für die Deutschen ein Ruhetag. Nicht nur Marie Gülich findet diesen "sehr wichtig" nach zwei intensiven Spielen. Natürlich für die Regeneration - aber auch, um den Gameplan zu schmieden. "Der Fokus wird sein, sich aufs belgische Team vorzubereiten. Man braucht da ein bisschen mehr als einen Tag", erklärt Sabally.
Fehler kann man sich jedenfalls nicht leisten. "Ab jetzt ist einfach do or die", so Gülich. Gegen Belgien muss die DBB-Auswahl vielleicht wieder - wie Lange sagt - "besser spielen", als sie eigentlich ist.
Franziska Staupendahl