16.04.2025
Play-In-Thriller gegen Roter Stern Belgrad
Der FC Bayern Basketball hat gegen Roter Stern Belgrad seine Playoff-Chancen gewahrt - irgendwie. Das Spiel stand sinnbildlich für eine Saison in der EuroLeague voller Höhen und Tiefen, aber auch des großen Willens des deutschen Meisters.

Es wurde in den vergangenen Tagen gerne die Magie des SAP Gardens beschworen, unter anderem durch Präsident Herbert Hainer kurz vor dem Spiel in einem Interview mit der AZ. Die Bayern waren in der Hauptrunde das zweitbeste Heimteam der Liga, vor allem dank jeder Menge knapper Siegen.
Sechs davon wurden erst in der letzten Minute entschieden, im Do-or-Die-Spiel gegen Roter Stern brauchte es diesmal sogar eine Verlängerung. Es war mal wieder eine Achterbahnfahrt der Bayern, die am Ende des nötige Glück auf ihrer Seite hatten. Sinnbildlich dafür stand natürlich der No-Look-Pass über den Rücken von Nick Weiler-Babb aus der Bedrängnis, der zielsicher bei Topscorer Devin Booker landete und den Vorsprung in der Verlängerung auf fünf Zähler ausbaute.
"So zu gewinnen - hinten zu liegen, zurückzukommen und dann nochmal, alles gegeben in der Overtime, das bringt uns weiter zusammen", freute sich Coach Gordon Herbert. Mit bis zu zehn Punkten lagen die Münchner kurz vor der Pause hinten, um dann vor dem Schlussabschnitt plötzlich mit zehn Zählern zu führen, nur um dann wieder kurz vor Schluss in Rückstand zu geraten.

Es war beileibe kein perfektes Spiel der Bayern, der harte Spielplan mit einem Auswärtsspiel in Oldenburg gut 48 Stunden tat sein Übriges. "Wir haben uns gestern noch wie Zombies gefühlt und sahen auch am Morgen noch wie ein totes Team aus", sagte Herbert weiter. Es fehlte in Halbzeit eins ein Funke, diesen brachte dann ausgerechnet der Jüngste. Ivan Kharchenkov, seines Zeichens U-18-Europameister, erhielt schon im ersten Viertel seine Chance und nutzte seine gut sechs Minuten Einsatzzeit für elf Zähler.
Es war wichtige Entlastung für das Team, das nach einem frühen Dreierregen im Treibsand zu stecken schien. Die Belgrader waren physisch und stellten die Bayern mit ihrer Länge vor große Probleme und entschlüsselten die Defense der Bayern recht schnell. Ein Dreier von Booker vor der Pause gab jedoch Hoffnung und läutete die beste Phase ein.
Denn eines war auch klar. In bislang jedem Heimspiel hatten die Münchner immer zumindest einen Scoring-Run, einen Abschnitt, wo alles klappt. Gegen Belgrad war dies in den letzten fünf Minuten des dritten Viertels. Dreier fielen, Belgrad vergab zweimal leichte Punkte in Transition, sodass die bayrische Lawine losgetreten werden konnte.
Herbert verpasste es in dieser Phase jedoch, seinen Startern mal eine Pause zu geben. Im vierten Viertel pumpten die Spieler wie Maikäfer, Carsen Edwards machten zudem Rückenprobleme zu schaffen. Der kleine Guard machte in der Crunchtime mal wieder wichtige Plays, verdaddelte aber auch einige Male den Ball leichtfertig und pennte folgenschwer beim Ausgleich der Serben in letzter Sekunde.
Auch das gehört zur Geschichte. Die Bayern machten es sich mal wieder schwerer als nötig, doch auch dem Gegner, der unter dem Wochenende spielfrei hatte, gingen die Körner aus. Filip Petrusev schmiss einen fiesen Airball von der Dreierlinie, andere Spieler der Gäste verweigerten Dreier und über das ganze Spiel vergaben die Serben satte elf Freiwürfe.
Hier lag der Hase im Pfeffer und nicht etwa an einigen Entscheidungen der Referees in den letzten Minuten, wie sich die Gäste so bitter beschwerten. Stattdessen unterlag Roter Stern innerhalb von elf Tagen zum dritten Mal nach Verlängerung und hat nur noch die heimische Liga.

Die Bayern bekommen stattdessen am Karfreitag ihr Endspiel für den letzten Playoff-Spot. Dafür geht es zu Real Madrid, die etwas überraschend ihr Play-In-Spiel gegen Paris verloren. Daran denken wollte man im Lager der Bayern aber noch nicht. "Wir müssen uns erholen und gegen die Erschöpfung ankämpfen", so Herbert.
Denn klar ist auch: Selbst für erfahrene Achterbahnfahrer gehen solche Spiele massiv an die Substanz.
rar